Wirtschaft
Er hatte Umbau angekündigt, jetzt macht er Umbau: John Cryan (re.) bei seinem ersten Auftritt vor der Presse, neben ihm Jürgen Fitschen.
Er hatte Umbau angekündigt, jetzt macht er Umbau: John Cryan (re.) bei seinem ersten Auftritt vor der Presse, neben ihm Jürgen Fitschen.(Foto: dpa)

Konzernumbau kostet 20.000 Jobs: Deutsche Bank streicht zusätzlich 9000 Stellen

Die Deutsche Bank streicht zusätzlich zum geplanten Postbank-Verkauf netto rund 9000 Arbeitsplätze. Insgesamt verlieren so rund 20.000 Menschen ihre Arbeit. Außerdem zieht sich Deutschlands größte Bank aus zehn Staaten vollständig zurück.

Die Deutsche Bank plant, zusätzlich zum Postbank-Geschäft, weitere rund 9000 Stellen zu streichen. Das teilte der Vorstand des Instituts während der Vorstellung seiner desaströsen Quartalszahlen mit. Das Geldhaus machte im vergangenen Quartal einen Verlust von über sechs Milliarden Euro. Bis 2018 sollen noch etwa 77.000 Vollzeitkräfte für den Dax-Konzern tätig sein, aktuell sind es rund 103.000.

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9000 Vollzeitstellen sollen wegfallen, weitere 6000 bei externen Dienstleistern. Insgesamt kostet der Konzernumbau rund 20.000 Menschen den Job. 4000 Stellen sollen in Deutschland wegfallen. Die Deutsche Bank rechnet dabei mit Abfindungskosten in Höhe von rund 3 bis 3,5 Milliarden Euro, die bis 2016 anfallen. Durch den Personalabbau rechnet die Bank mit Einsparungen von rund 3,8 Milliarden Euro. In Deutschland sollen zudem 200 Filialen schließen.

"Stellenabbau auf faire Art und Weise"

Die Bank stellt sich auf weitere schwere Jahre ein. "Wir gehen nicht davon aus, dass 2016 und 2017 starke Jahre sein werden. Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und regulatorische Aufwendungen werden unsere Ergebnisse belasten", sagte der seit Juli amtierende Co-Chef John Cryan. "2018 dürfte ein entscheidendes Jahr für uns sein, bis dahin werden wir ein zufriedenstellendes Niveau bei den Gewinnen haben." Für das laufende Jahr deuten sich nach einem Rekordverlust im dritten Quartal rote Zahlen an.

Schrumpfen wird die Bank auch ihre internationale Präsenz: Die Deutsche Bank zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück, darunter Argentinien, Chile, Mexiko und Dänemark. Damit setzt die Bank ihren harten Umbau fort. In der Bilanz räumte das neue Management kräftig auf, was zu einem Rekordverlust von sechs Milliarden Euro im dritten Quartal führte.

Es gehe darum, eine bessere Deutsche Bank zu schaffen, bekräftigte Cryan bei seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt. Die Bank solle einfacher und effizienter werden. "Das bedeutet leider auch, dass wir einige unserer Filialen schließen, die Präsenz in einigen Ländern beenden und einige unserer Arbeitsplätze in kundennahen und in Infrastrukturbereichen abbauen müssen", erklärte Cryan. "Ich versichere ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden."

Aktie geht auf Talfahrt

Die kommen an der Börse nicht gut an, die Aktie stellt mit einem Minus von 6 Prozent den Verlierer im DAX. "Mit dem Stellenabbau können kurzfristig Kosten gespart werden", so ein Marktteilnehmer. Allerdings hätten die Angestellten nichts mit den Problemen und Kosten zu tun, mit denen die Deutsche Bank zu kämpfen habe. Vielmehr gehe es darum, dass die Bank, wie sie selber einräume, seit Jahren mit der Strategieumsetzung Probleme habe.

Ein weiterer Kritikpunkt sei, dass die Bank die Zahl der Kunden in Global Markets und CIB um 50 Prozent senken wolle. "Damit nimmt sich die Bank zukünftige Chancen", so der Marktteilnehmer. Zudem hörten die Investoren nicht gerne, dass die kommenden beiden Jahre keine starken sein werden. "Die Aktionäre der Bank haben bereits einige schlechte Jahre hinter sich, wenn man auf die Aktie schaut", heißt es weiter. Innerhalb der letzten acht Jahre hat sich der Kurs bereits geviertelt. Zudem hatte das Geldhaus am Mittwoch verkündet, dass die Dividende für die Jahre 2015 und 2016 gestrichen werde.

Quelle: n-tv.de

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