Kahlschlag bei Sal. Oppenheim: Deutsche Bank stutzt die Tochter
Ein eisiger Windhauch weht durch die Flure bei Sal. Oppenheim: Gut zwei Jahre nach der Übernahme durch die Deutsche Bank müssen sich die Mitarbeiter der Kölner Traditionsbank auf tiefe Einschnitte gefasst machen. Einem Bericht zufolge steht bei der Bank so gut wie jeder zweite Arbeitsplatz auf der Kippe.
Der Sparkurs in der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank trifft die Tochter Sal. Oppenheim offenbar mit voller Wucht: Den Mitarbeitern der Kölner Traditionsbank steht ein massiver Stellenabbau bevor. "In den kommenden 15 Monaten sollenDoppelungen in den Organisationsstrukturen von Sal. Oppenheim und Deutscher Banküberprüft und abgebaut werden", teilte die Sal. Oppenheim mit.
"Durch die geplanten Maßnahmen sind Arbeitsplätze in signifikantem Umfangbetroffen." Genaue Zahlen, wie viele der 930 Mitarbeiter inDeutschland, Luxemburg und Österreich gehen müssen, wollte die Bank unter Verweis auf die laufenden Gespräche mit dem Betriebsrat nicht nennen. Nach Informationen der "SüddeutschenZeitung" allerdings sind knapp 500 Mitarbeiter und damit etwa die Hälfte der Bankbelegschaft betroffen. Die Zeitung beruft sich auf Angaben von Arbeitnehmervertretern.
"Wo immer in den Abwicklungsbereichen eine Dienstleistung von der Deutschen Bank besser erbracht werden kann, wird Sal. Oppenheim sie nutzen", hieß es zum weiteren Vorgehen. Einzelne Aufgabenbereiche sollten demnach vollständig von der Deutschen Bank übernommen werden. Sal. Oppenheim schärfe damit "ihr Profil in der Vermögensverwaltung."
Die Privatbank Sal. Oppenheim, die einst mehr als 2000 Mitarbeiterbeschäftigte, gehört seit ihrem zur Deutschen Bank undhatte nach mehreren Jahren harter Sanierung 2011 wieder die Gewinnschwelle erreicht. Noch im Frühjahr hatte Oppenheim-Chef Wilhelm von Haller die Krise für beendet erklärt.Doch seither weht bei der Mutter in Frankfurt ein anderer Wind. Die räumt auf ihrer Großbaustelle Vermögensverwaltung radikal auf.
Mehr Ertrag mit reichen Kunden
Das Geschäft mitprivaten und institutionellen Kunden wurde zur neuen Sparte Asset and Wealth Management(AWM) zusammengelegt. Der neue Chef des Bereichs, Michele Faissola, will eine"integrierte Plattform" schaffen, aktive und passive Produkte aus einerHand anbieten und vor allem das Geschäft mit sehr reichen Privatkunden ankurbeln.Doppelstrukturen sollen beseitigt werden, damit AWM bis 2015 einen Vorsteuergewinnvon 1,7 Mrd. Euro abwirft - mehr als doppelt so viel wie bisher.
Sal. Oppenheim soll den bisherigen Planungen zufolge im Konzern weiter als eigene Marke erhaltenbleiben. Zu den Kernbereichen, die künftig von der Deutschen Bank betreut werden, zählt allerdings wohl auch ein Großteil derprestigeträchtigen Publikumsfonds, bei denen Sal. Oppenheim das Portfoliomanagement bislang selbstverantwortete. Das Geschäft dürfte künftig an die Fondsgesellschaft DWS übergehen. Damit dürfte aber nochnicht Schluss sein. "Alle Bereiche stehen auf dem Prüfstand", hieß es aus dem Umfeld der Bank. "Sal.Oppenheim muss einfach noch mehr für die Effizienz tun."
"Mit dem Umbau des Bankhauses stellen wir uns frühzeitig auf die Umwälzungenim deutschen Privatbankenmarkt ein", erklärte Oppenheim-Chef Wilhelm von Haller. SeinStuhl wackelt nach Angaben aus Finanzkreisen nicht. Neben der Verwaltung großerPrivatvermögen soll sich die Bank auch künftig um die Betreuung bestimmter institutionellerKunden kümmern - etwa Stiftungen, familiengeführte Unternehmen und kirchliche Einrichtungen.Das Depotbank-Geschäft wird sogar ausgebaut.
Quelle: n-tv.de

