Wirtschaft
Aufregung in Frankfurt: Erst kommen die Ermittler, dann folgt auch noch eine Gewinnwarnung.
Aufregung in Frankfurt: Erst kommen die Ermittler, dann folgt auch noch eine Gewinnwarnung.(Foto: REUTERS)

Sondereffekte nagen am Gewinn: Deutsche Bank warnt Anleger

Für das größte deutsche Geldhaus kommt es knüppeldick: Mit einer Gewinnwarnung platzt die Deutsche Bank in die Aufregung um Geldwäschevorwürfe. Das Geschäftsergebnis aus dem laufenden Winterquartal dürfte demnach deutlich leiden.

Finanzvorstand Stefan Krause.
Finanzvorstand Stefan Krause.(Foto: picture alliance / dpa)

In der Vorweihnachtszeit geht es bei Deutschlands größtem Geldhaus alles andere als besinnlich zu: Eine schlechte Nachricht jagt die andere. Am Tag nach der Großrazzia bei dem Frankfurter Institut gibt der Vorstand um die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen Gewinnwarnung heraus. Die Deutsche Bank warnt darin vor großen Belastungen für die Ergebnisse aus dem vierten Quartal.

Unabhängig von den laufenden Ermittlungen gegen einzelne Mitarbeiter muss das prominenteste deutsche Kreditinstitut damit seinen Anleger weitere Unannehmlichkeiten unterbreiten. Wegen des anstehenden Konzernumbaus rechnet die Deutsche Bank im Schlussquartal 2012 mit hohen Kosten. Die Sondereffekte würden sich "signifikant negativ auf den Gewinn" des Instituts auswirken, teilte der Dax-Konzern mit.

Grund ist der laufende Umbau des Instituts. Die Kosten für das milliardenschwere Sparprogramm und die Integration der Postbank drücken schwer auf die Ergebnisse im letzten Quartal. Die Anleger reagierten entsprechend enttäuscht auf die Woche der Hiobsbotschaften: Mit einem Minus von fast drei Prozent gehörte die Aktie zu den größten Verlierern im Dax.

"Solide operative Ergebnisse"

Die Bank verwies in ihrer Mitteilung auch auf die Konjunkturabkühlung: "Das 4. Quartal 2012 war bislang von einem anhaltend schwierigen makroökonomischen Umfeld geprägt, verbunden mit geringer Volatilität und der üblichen saisonalen Abkühlung." Dennoch habe das Geldhaus im Oktober und November "solide operative Ergebnisse" in allen Kerngeschäftsfeldern erreicht.

Anlass der Gewinnwarnung war ein seit längerem geplanter Termin: Finanzvorstand Stefan Krause präsentierte am Nachmittag vor Analysten die neu geschaffene interne Abbau-Bank NCOU, in ein dreistelliges Milliardenvolumen an Vermögenswerten ausgelagert werden sollen.

Neben den Einsparungen von 4,5 Mrd. Euro bis 2015 aus dem im September vorgestellten Sparprogramm will die Bank auch Milliardenbestände an riskanten Wertpapieren in die eigens eingerichtete Abbau-Einheit auslagern. Diese ist nunmehr installiert - insgesamt werden hier Altlasten im Wert von 122 Mrd. Euro entsorgt. Darunter fällt auch ein Kasino in Las Vegas, das der Bank über Kreditgeschäfte zugefallen ist, sowie die Frankfurter BHF-Bank, die sie hofft, bald loszuwerden. Die Deutsche Bank will die nach Risiken gewichteten Vermögenswerte in dieser Abbau-Einheit bis Anfang 2013 um rund 35 Mrd. auf 90 Mrd. Euro reduzieren.

Schnitte im Personalplan

Die Einsparungen werden auch mehr als 2000 Mitarbeiter ihren Job kosten, vor allem im Investmentbanking. Das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank und anderer Geldhäuser weltweit leidet unter den Folgen der Euro-Schuldenkrise und der verschärften Regulierung. Zehntausende Investmentbanker suchen derzeit neue Jobs. Bei der Deutschen Bank wird zudem das Vermögensverwaltungsgeschäft umgebaut, was ebenfalls zu einem Stellenabbau führt, unter anderem bei der Tochter Sal. Oppenheim. Kurzfristig gehen diese Einsparungen mit Kosten etwa für Abfindungen einher, die die Ergebnisse belasten.

Für Negativschlagzeilen sorgt die Deutsche Bank derzeit auch an der juristischen Front: Am Vortag wurden fünf Mitarbeiter des Instituts dem Haftrichter vorgeführt. Das Amtsgericht Frankfurt wollte darüber entscheiden, ob die Banker wegen des Verdachts der Geldwäsche und Vertuschung in Haft blieben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig. Die Festnahmen stehen in Zusammenhang mit der Affäre um Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten, in die die Bank offenbar tiefer verstrickt ist als zunächst angenommen.

Krause und Fitschen im Visier

Die millionenschwere Umsatzsteuer-Affäre war vor knapp drei Jahren aufgeflogen. Am Mittwoch kam der Fall erneut ins Rollen, weil rund 500 Polizisten und Steuerfahnder stundenlang die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank durchsuchten, nachdem sich weitere Verdachtsmomente ergeben hatten. Insgesamt wird nun gegen 25 Mitarbeiter der Bank unter anderem wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt.

Darunter sind auch der heutige Co-Vorstandschef Fitschen und Finanzchef Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben hatten. Darin hatte das Institut 310 Mio. Euro Steuererstattungen geltend gemacht, die es nur wegen der Betrügereien beanspruchen konnte.

Die Bank hatte die Erklärung später zwar korrigiert und auf die Ansprüche "vorläufig verzichtet" - nach Ansicht der Ermittler kam dieser Schritt aber zu spät. Der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat dem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet. Umstrittene Geschäftspraktiken sollen der Vergangenheit angehören. Doch der Weg ist lang, denn das Institut hat noch eine ganze Reihe von Finanzskandalen aufzuarbeiten - wie etwa die Affäre um Zinsmanipulationen.

Quelle: n-tv.de

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