Wirtschaft
Deutschlands Tor zur Welt: Der Hamburger Hafen.
Deutschlands Tor zur Welt: Der Hamburger Hafen.(Foto: picture alliance / dpa)

"Die Schuldenkrise ist angekommen": Deutsche Exporte brechen ein

Die desolate Lage in Teilen der Eurozone wirkt sich immer stärker auch auf die deutsche Wirtschaftskraft aus. Im September gehen die Ausfuhren zurück - zum ersten Mal seit zwei Jahren. "Die Hoffnung ist, dass Europa die Talsohle erreicht hat", sagt ein DIHK-Experte. Doch auch aus den USA drohen Deutschland erhebliche Probleme.

Arbeitsplatz in luftigen Höhen: Am Hamburger Burchardkai schickt der Kranführer die Exportwaren auf die Reise - und sieht als einer der Ersten, wenn die Ausfuhren zurückgehen.
Arbeitsplatz in luftigen Höhen: Am Hamburger Burchardkai schickt der Kranführer die Exportwaren auf die Reise - und sieht als einer der Ersten, wenn die Ausfuhren zurückgehen.(Foto: REUTERS)

Die Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa erreicht die deutschen Exporteure: Im September brachen die Geschäfte wegen der schwachen Nachfrage aus der Währungsunion so stark ein wie seit dem Krisenjahr 2009 nicht mehr. Die Ausfuhren sanken um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 91,7 Mrd. Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Das ist der erste Rückgang im Jahresvergleich seit Januar 2010 und zugleich der stärkste seit November 2009", sagte ein Statistiker.

Grund dafür ist die Rezession in vielen Euro-Ländern. "Die europäische Schuldenkrise wirft ihre Schatten auf den deutschen Außenhandel", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. "Die Einbrüche schmerzen, aber sie haben nicht das Niveau aus der Finanzkrise."

Die Exporte in die krisengeplagte Eurozone mit ihren 17 Mitgliedsstaaten brachen um 9,1 Prozent ein, die Ausfuhren in die 27 EU-Länder um 7,0 Prozent. Dagegen wuchsen die Ausfuhren in Drittländer - zu denen beispielsweise die und große Schwellenländer wie gehören - um 1,8 Prozent.

"2013 wird zäh"

"Die Schuldenkrise ist in Deutschland angekommen", kommentierte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle die Lage. Auch in den kommenden Monaten müssen sich die Unternehmen auf ein schwieriges Geschäft einstellen. Die Auslandsaufträge der Industrie fielen im September um 4,5 Prozent. Dabei ging die Nachfrage aus der Eurozone - wohin etwa 40 Prozent der Waren "made in Germany" gehen - mit 9,6 Prozent mehr als doppelt so stark zurück. "Das wird sich auch in den kommenden Monaten in schwächeren Exporten niederschlagen", befürchtet Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Das sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ähnlich. "Die Hoffnung ist aber, dass Europa die Talsohle erreicht hat", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Bis sich das in den Exporten niederschlägt, dauert es aber noch ein bisschen." Auf der anderen Seite bauen sich neue Gefahren auf. "Ein Risiko sind die USA. Dort laufen die Geschäfte bislang sehr gut - vor allem wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit und der sich stabilisierenden Häuserpreise", sagte Treier. "Sollte es aber zum Jahresbeginn zu automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen kommen, kann das die Wirtschaft belasten. Das nächste Jahr wird also zäh."

Einbruch schärfer als erwartet

Verglichen mit dem Vormonat fielen die Ausfuhren um 2,5 Prozent. Einen größeren Rückgang hatte es zuletzt im Dezember 2011 gegeben. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Mit etwas Abstand betrachtet relativiert sich das Ausmaß der Schwäche: In den ersten neun Monaten erhöhten sich die Exporte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent auf 825,9 Mrd. Euro. Der Außenhandelsverband BGA rechnet im Gesamtjahr mit einem Wachstum von etwa 4 Prozent. Damit würde die 2011 erstmals erreichte Billionen-Grenze beim Umsatz erneut übertroffen.

Die deutschen Importe fielen im September im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent. Ökonomen hatten lediglich ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. Die Einfuhren summierten sich auf 74,9 Mrd. Euro, was einem Minus von 3,6 Prozent im Vergleich zum September 2011 entspricht. Die Handelsbilanz - die Differenz zwischen Exporten und Importen - wies einen saison- und kalenderbereinigten Überschuss von 17,0 Mrd. Euro aus und blieb damit im Rahmen der Erwartungen.

Ifo-Chef Sinn: Erholung nicht in Sicht

Das Wirtschaftsklima im Euroraum scheint sich unterdessen weiter zu verschlechtern. Während Volkswirte die aktuelle Lage zwar nur ein wenig trüber einschätzten, seien die Aussichten für das kommende halbe Jahr deutlich negativer geworden, teilte das Ifo-Institut mit. "Eine wirtschaftliche Erholung ist noch nicht in Sicht", sagte Ifo-Präsident .

Neben der ungelösten Schuldenkrise drückten vor allem die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Euroländern und die wegbrechende Nachfrage die Wirtschaft. Das ifo-Institut und die Internationale Handelskammer in Paris befragen regelmäßig Volkswirte zur Lage in der Eurozone.

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Quelle: n-tv.de

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