Wirtschaft
Junge Iranerinnen beim Shopping. Deutsche Produkte sind im Iran extrem beliebt.
Junge Iranerinnen beim Shopping. Deutsche Produkte sind im Iran extrem beliebt.(Foto: imago/Kyodo News)

Ende der Sanktionen gegen Iran: Deutsche Firmen "scharren mit den Hufen"

Fallen die Sanktionen gegen den Iran, erwartet die deutsche Wirtschaft ein Riesengeschäft. Unternehmen auf beiden Seiten wollen wieder an die einst blühenden Beziehungen anknüpfen.

Sollten die fünf UN-Vetomächte und Deutschland mit dem Iran den jahrelangen Streit um das iranische Atomprogramm beilegen, würden auch die Wirtschaftssanktionen gegen das Land aufgehoben. Die exportstarke deutsche Wirtschaft wittert gute Geschäfte und hofft auf ein Ende des Embargos.

"Die großen Dax-Unternehmen scharren schon mit den Hufen", sagt Michael Tockuss, Vorstand der deutsch-iranischen Handelskammer. Die rund 78 Millionen Einwohner zählende islamische Republik hat eine industriell geprägte Wirtschaftsstruktur. Zahlreiche Industrieanlegen sind veraltet und müssen modernisiert werden. Zudem hoffen Unternehmen auf Aufträge, um die Infrastruktur des Landes zu verbessern.

"Entweder es passiert jetzt oder gar nicht"

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Nach Schätzungen der Handelskammer könnten sich die deutschen Ausfuhren in den Iran durch den Wegfall der Sanktionen auf bis zu sieben Milliarden Euro erhöhen. Das entspräche fast einer Verdreifachung der Exporte von 2014, die bei 2,38 Milliarden Euro lagen.

Innerhalb der nächsten 48 Stunden soll eine Einigung in den Atomverhandlungen zustandekommen. Eine weitere Verlängerung ist laut eines Insiders ausgeschlossen. "Wir haben eine letzte Verlängerung eingeräumt", sagte die Person, die namentlich nicht genannt werden wollte. Es sei kaum vorstellbar, noch mal darüber hinauszugehen. "Entweder es passiert in den kommenden 48 Stunden oder gar nicht."

Zuvor war bekanntgeworden, dass noch bis Freitag weiterverhandelt werden soll, um eine Vereinbarung im Streit über das iranische Atomprogramm zu erreichen. Eigentlich wollten die Unterhändler bis Dienstag um Mitternacht ein Abkommen erzielen. Die Frist endete ursprünglich Ende Juni und war schon einmal verlängert worden.

"Große Euphorie"

Von möglichen Ausfuhren nach in den Iran dürften aber nicht nur die großen Dax-Konzerne profitieren, sondern auch der Mittelstand. Besonders Maschinenbauern kommt die Wirtschaftsstruktur des Irans zugegen.

Neben den klassischen Produkten gebe es im Iran inzwischen auch eine wachsende Nachfrage nach erneuerbarer Energie - vor allem Windkraft sei gefragt, erklärt Tockuss. Schon jetzt seien einige Investoren aus dem Bereich der Umweltschutztechnologien in dem Land unterwegs, und ihre Zahl dürfte mit dem Ende des Embargos steigen.

Derzeit herrsche "eine große Euphorie" im Iran, sagt Tockuss. Die Menschen hofften auf das Ende der Sanktionen. Über Jahre hinweg hätten Staat und Unternehmen vor allem mit China Handel betrieben und sehnten sich geradezu nach ihren "alten Geschäftspartnern" aus Europa zurück.

Auch die iranischen Unternehmen erhoffen sich, ihre Absätze in Europa und Deutschland zu erhöhen. 2014 importierte die Bundesrepublik iranische Waren im Wert von rund 269 Millionen Euro. Noch dominierten traditionelle Exporte, erläutert Tockuss, doch das ändere sich gerade wieder. Besonders Vorprodukte für die Autoindustrie könnten für deutsche Unternehmen interessant sein. Vor dem Beginn der Sanktionen lieferte der Iran beispielsweise Kühler oder Getriebe für Lkw nach Europa.

Mehr Engagement gefordert

Obwohl Deutschland und der Iran auf gute Wirtschaftsbeziehungen zurückblicken und deutsche Produkte einen guten Ruf genießen, fordert die deutsch-iranische Handelskammer mehr Engagement von der Bundespolitik. Im Gegensatz zum Bundeswirtschaftsministerium seien schon einige andere europäische Regierungsdelegationen im Irak unterwegs gewesen, sagt Tockuss. Die deutsche Regierung solle sich daran ein Beispiel nehmen.

Der UN-Sicherheitsrat hatte im Dezember 2006 Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Teheran verhängt, die über die Jahre mehrmals verschärft wurden. Die USA und die EU beschlossen später zusätzliche eigene Sanktionen, die ebenfalls wiederholt strenger gefasst wurden.

Zu den EU-Sanktionen gehören unter anderem Ausfuhrverbote für Waffen, Technologie zum Bau der Atombombe oder Telekommunikationssysteme. Untersagt sind zudem Investitionen in die Öl- und Gasindustrie. Vor allem der 2012 von der EU beschlossene Importstopp für iranisches Erdöl trifft das Land hart, das einen Großteil seiner Einnahmen dem Export des Öls verdankt.

Quelle: n-tv.de

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