Wirtschaft
Ein Schmelzer in Zimbabwe.
Ein Schmelzer in Zimbabwe.(Foto: REUTERS)

Entdeckung eines Kontinents: Deutsche Firmen weiten Afrika-Exporte aus

Die Exporte deutscher Firmen nach Afrika sind gering. Doch sie wachsen. Der Nachbarkontinente gewinnt für die Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Wichtigster Markt ist Südafrika. Dorthin fließt mehr als die Hälfte der Investitionen.

Afrika wird für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Die Exporte auf den Kontinent werden im kommenden Jahr mit fünf Prozent überdurchschnittlich stark wachsen, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert. Schon im zu Ende gehenden Jahr legten die Exporte trotz der Probleme in wichtigen Staaten wie Ägypten spürbar zu: Sie erhöhten sich bis zum Sommer um sechs Prozent, während der DIHK für 2013 insgesamt nur ein Plus bei den Gesamtexporten von einem Prozent erwartet. "Nur die Ausfuhren nach Südostasien legen derzeit ähnlich dynamisch zu", sagt Heiko Schwiderowski, der beim DIHK das Referat Afrika und Entwicklungspolitik leitet. Allerdings beträgt der Anteil Afrikas an den Gesamtausfuhren deutscher Unternehmen nur gut zwei Prozent.

Arbeiter schrauben in Pretoria einen BMW zusammen.
Arbeiter schrauben in Pretoria einen BMW zusammen.(Foto: picture alliance / dpa)

1500 bis 2000 deutsche Unternehmen sind dem DIHK zufolge in Afrika tätig, davon allein 700 in Südafrika. Die deutschen Investitionen auf dem Kontinent belaufen sich aktuell auf fast neun Milliarden Euro, davon rund fünf Milliarden in Südafrika und knapp drei Milliarden in Nordafrika.

Nach einer Umfrage des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft erwarten 48 Prozent der befragten Unternehmen im kommenden Halbjahr ein günstigeres Geschäftsumfeld. "Die deutschen Unternehmen nutzen zunehmend die Geschäftsmöglichkeiten auf dem Nachbarkontinent und blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft", sagte Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer. Lediglich acht Prozent erwarten demnach ein schlechteres Geschäftsumfeld.

Warnung vor zuviel Optimismus

Dabei haben die meisten Unternehmen eine klare Präferenz. "Für 68 Prozent ist die Republik Südafrika der interessanteste Markt", sagte Kannengießer. Das Land ist bereits der mit Abstand wichtigste Handelspartner für die deutsche Wirtschaft auf dem Kontinent. Nigeria, Mosambik, Namibia, Algerien, Angola, Ghana und Kenia landen auf den Plätzen der interessantesten Standorte. "Es gibt zwar auch eine Reihe von Konflikten auf dem afrikanischen Kontinent - mit besonderer Sorge blicken wir aktuell auf die Entwicklungen im Südsudan - doch die Mehrzahl der 54 afrikanischen Staaten sind politisch stabil und seit vielen Jahren auf einem wirtschaftlichen Erfolgsweg", sagt Kannengießer.

Goldmine in Nigeria.
Goldmine in Nigeria.(Foto: Reuters)

Zugleich aber warnen etliche Experten vor zu viel Optimismus. "Von einem großen Wandel ist Afrika noch weit entfernt", sagt der Chefökonom des Politik-Instituts IRR (Johannesburg), Ian Cruickshanks. Nach wie vor fehle es den meisten Staaten an ausreichend Investitionen, gutem Bildungssystem, genug Energie, funktionierender Infrastruktur, Rechtssicherheit und "Eliten, die sich nicht nur bereichern wollen".

"Wachstumsraten in Afrika werden vor allem von Rohstoffen und Agrarprodukten genährt", sagt Robert Kappel, langjähriger Präsident des Hamburger Giga-Forschungsinstituts. Preissprünge für Öl und Lebensmittel trügen "entscheidend zum rosigen Bild bei". Seit den 80er Jahren habe es beim Thema Afrika "wahre Euphorie-Wellen" gegeben. "Was kam, waren meistens Enttäuschungen."

Wachsender Rohstoffsektor bietet kaum Jobs

Doch es gibt sie eben auch, die guten Nachrichten aus Afrika: Fünf Staaten im Osten wollen eine Währungsunion. Auf dem Kontinent entstehen zahlreiche neue Eisenbahnlinien, Flughäfen und Straßen. Im Kongo soll das größte Wasserkraftwerk der Welt entstehen. Hunderte Millionen Handys vernetzen den Kontinent.

Auch Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) bestätigen die Fortschritte auf dem ärmsten, traditionell krisengeschüttelten Kontinent. Schon seit zehn Jahren liegen die durchschnittlichen Wachstumsraten in den 48 Staaten südlich der Sahara über dem Weltniveau. 2013 rechnen die Institutionen mit einem Wachstum von fünf Prozent, 2014 mit sechs Prozent. Einen Boom erlebten auch Länder mit wenig Rohstoffen wie Burkina Faso, Kenia, Äthiopien, Ruanda oder Tansania. Gelobt werden dort eine bessere Steuerpolitik, niedrigere Inflation, ein investitionsfreundliches Klima.

Kein Zweifel, Afrika verändert sich. Die Lebenserwartung der Afrikaner steigt, die Analphabetenzahl sinkt. Aus dem Ausland kommen mehr Investitionen (2012: 38 Milliarden Dollar), auch wenn das nur etwa fünf Prozent aller Auslandsinvestitionen in der Welt sind und wenn sie zuvorderst in den Rohstoffsektor fließen, der nur wenig Arbeit beitet.

Fruchtbare Flächen liegen brach

Länder wie Malawi, Sambia oder Äthiopien versuchen, eine effiziente Landwirtschaft anzukurbeln. Denn riesige fruchtbare Flächen Afrikas liegen brach oder werden traditionell bearbeitet. Deshalb sind die meisten Länder Afrikas von Lebensmittelimporten abhängig. Die Zahl der Afrikaner wird sich bis 2050 auf zwei Milliarden verdoppeln.

"Die Geschichte lehrt, dass es Entwicklung nur mit Warenproduktion gibt. Die aber ist in Afrika ein Desaster." Außer im Schwellenland Südafrika wird in Afrika kaum etwas produziert. Gerade mal ein Prozent der Warenproduktion weltweit entsteht in Afrika. Der deutsche Ex-Botschafter Volker Seitz erklärt: "Ohne ein Mindestmaß an Rohstoffveredelung und produzierendem Gewerbe dürfte es in Afrika kaum eine industrielle Revolution nach dem Vorbild Asiens geben."

Quelle: n-tv.de

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