Wirtschaft

Euro-Krise schrumpft AuftragslageDeutsche Industrie ausgebremst

24.07.2012, 10:41 Uhr
imageHier kommt der Autor hin
Industrie
Die Euro-Krise hinterlässt Löcher bei den Geschäftsaktivitäten. Deutschland zeigt sich zwar vergleichsweise robust, aber vor Ungemach ist das Land nicht gefeit. (Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Industrie bekommt die Konjunkturflaute in den kriselnden Euro-Ländern merklich zu spüren. Die Geschäfte laufen im Juli so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr. Auch die zuletzt deutlich erfolgreicheren Dienstleister lassen Federn. Ín Frankreich sieht es ähnlich aus.

Die Geschäftsaktivität in der deutschen Privatwirtschaft hat sich im Juli überraschend deutlich verlangsamt. Besonders das verarbeitenden Gewerbe geriet durch die Euro-Krise unter Druck und musste einen starken Auftragsrückgang hinnehmen. Das geht aus einer Markit-Umfrage unter mehreren Hundert Firmen hervor.

Danach sank der Einkaufsmanagerindex von 45,0 auf 43,3 Punkte, womit er den niedrigsten Stand seit 37 Monaten erreichte. Gleichzeitig entfernte er sich damit immer weiter von der 50-Zähler-Marke, ab der er Wachstum signalisiert. Ökonomen hatten im Schnitt einen leichten Anstieg erwartet. Den zuletzt deutlich erfolgreicheren Dienstleistern erging es nicht besser: Das Service-Barometer fiel nach vorläufigen Daten um 0,2 auf 49,7 Punkte, den tiefsten Stand seit September 2011. Damit verlor die gesamte Privatwirtschaft erneut Schwung, der Composite-Index rutschte auf 47,3 Prozent.

Nach dem starken Wachstum von 0,5 Prozent zum Jahresauftakt dürfte die Wirtschaft im zweiten Quartal an Fahrt verloren haben. Ökonomen gehen davon aus, dass die Konjunktur nur um 0,2 Prozent zulegte. Denn Deutschland kann sich dem Abwärtsstrudel der Euro-Zone kaum noch entziehen. "Die Juli-Umfrage zeigt, dass die Bedingungen für die deutsche Wirtschaft bei weitem nicht mehr so gesund sind wie noch im ersten Halbjahr", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

Weniger Produktion, weniger Jobs

Die Industriefirmen drosselten den vierten Monat in Folge die Produktion, strichen per Saldo Jobs und kämpften wie seit gut einem Jahr mit sinkenden Aufträgen. Das Neugeschäft mit dem Ausland ließ so stark nach wie zuletzt im Mai des Rezessionsjahres 2009. Einen Lichtblick gab es auf der Kostenseite. Die Einkaufspreise stiegen insgesamt so gering wie seit November 2009 nicht mehr. Grund dafür war vor allem weniger Preisdruck bei Rohstoffen wie Stahl, Kupfer und Chemieprodukten.

Auch den Service-Unternehmen machen eine geringere Produktion und schrumpfende Nachfrage zu schaffen. Ihr Optimismus für die nächste zwölf Monate war so gering wie zuletzt im Oktober. Dennoch stellten sie unterm Strich den dritten Monat in Folge Personal ein.

Frankreich bricht weg

In Frankreich, dem mit Abstand wichtigsten Handelspartner Deutschlands ist die Stimmung in den Chefetagen der französischen Wirtschaft ebenfalls so schlecht wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Der Index für das Geschäftsklima fiel im Juli um zwei auf 87 Punkte, teilte das Statistikamt Insee in Paris mit. Das ist der schwächste Wert seit September 2009.

Mit dem dritten Rückgang in Folge entfernte sich das Barometer weiter von seinem langfristigen Durchschnittswert von 100 Punkten. Die Stimmung trübte sich in der Industrie ebenso ein wie im Groß- und Einzelhandel sowie der Baubranche. Bei den Dienstleistern blieb sie hingegeben stabil.

Quelle: ntv.de, ddi/rts