Wirtschaft

Eurozone verharrt in der Krise: Deutsche Industrie wächst nur minimal

Die politischen Unwägbarkeiten machen der deutschen Industrie zu schaffen. Der Konflikt mit Russland trifft die auf Export getrimmte deutsche Wirtschaft. Wenig Gutes gibt es indes auch aus der Eurozone zu berichten.

Ein Giftgemisch verschiedener Krisen beeinträchtigt die Industrie Deutschlands und der Eurozone.
Ein Giftgemisch verschiedener Krisen beeinträchtigt die Industrie Deutschlands und der Eurozone.(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Industrie wächst kaum noch. Der Einkaufsmanagerindex fiel im September um 1,1 auf 50,3 Punkte, wie das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter rund 400 Unternehmen mitteilte. Damit rutschte das Barometer auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten ab. Es hält sich nur noch knapp über der Marke von 50 Zählern, ab der ein Wachstum zum Vormonat signalisiert wird. Ökonomen hatten 51,2 Punkte vorausgesagt.

Die Aufträge schrumpften erstmals seit Juni 2013 wieder, was die Aussichten eintrübt. "Es bleibt abzuwarten, ob die Industrie tatsächlich in eine Krise schlittert oder ob es sich nur um eine kurze Wachstumsdelle handelt", sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike.

Während der exportabhängigen Industrie die vielen internationalen Krisen wie der Konflikt mit Russland zu schaffen machen, können die Dienstleister auf einen robusten Binnenmarkt bauen. Deren Einkaufsmanagerindex kletterte um 0,5 auf 55,4 Punkte. Hier hatten Ökonomen nur mit 54,6 Zählern gerechnet.

Allerdings schätzten die Dienstleister ihre Aussichten so schlecht ein wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Kolodseike macht dafür die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde im Januar 2015 verantwortlich. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - kletterte um 0,3 auf 54,0 Punkte. "Auch der Stellenaufbau gewann nochmals an Tempo - was allerdings ausschließlich auf den florierenden Servicesektor zurückzuführen war", sagte Kolodseike.

Rückschlag für Eurozone

Auch in der Eurozone insgesamt erhielt die Erholung im September einen weiteren Dämpfer. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft sackte überraschend um 0,2 auf 52,3 Punkte und fiel damit auf den tiefsten Stand seit neun Monaten. Der Währungsraum stecke weiter in der Krise.

"Wachstum und Nachfrage haben sich weiter abgeschwächt, so dass auch der Jobaufbau nicht in die Gänge gekommen ist", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Dieser Stillstand war wiederum dafür verantwortlich, dass die Preise angesichts des scharfen Wettbewerbs weiter reduziert wurden." Damit dürften sich die Sorgen über eine bevorstehende Stagnation "unweigerlich verstärkt" haben.

Die Daten signalisieren laut Markit einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,3 Prozent im zu Ende gehenden Quartal, nach einer Flaute im Frühjahr. Allerdings seien die Aussichten nicht sehr rosig: "So vermeldete die Industrie erstmals seit 15 Monaten wieder Einbußen beim Auftragseingang", sagte Williamson. Zudem hätten sich im Servicesektor die Geschäftserwartungen binnen Jahresfrist wegen des verschlechterten Ausblicks in Deutschland eingetrübt.

Das Barometer für die Industrie sank um 0,2 auf 50,5 Punkte und für den Service-Sektor um 0,3 auf 52,8 Zähler. Werte von über 50 Punkten signalisieren Wachstum. Die Ukraine-Krise und Sorgen über die generelle Konjunkturabkühlung belasteten zunehmend, sagte Williamson. "Dieser Gegenwind, der der ohnehin schwachen Nachfrage zusätzlich schadet, erhöht die Gefahr, dass die Bemühungen der Europäischen Zentralbank zum Ankurbeln der Konjunktur wirkungslos verpuffen."

Quelle: n-tv.de

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