Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Analysten heben den Daumen: Deutsche Post - Turnaround-Story für 2015

Von Benjamin Feingold

Die Aktie der Deutschen Post war im abgelaufenen Jahr kein Überflieger, bietet aber Überraschungspotenzial für 2015. Sollte die Konjunktur der Eurozone anspringen und sich die erfolgreiche Restrukturierung fortsetzen, könnte die Aktie an ihre überragende Performance aus 2013 anknüpfen.

Ähnlich wie beim Silvesterklassiker "Dinner for one" geht es derzeit bei der Deutschen Post zu. Nach dem Motto "same procedure as every year" erhöht sie zum 1. Januar 2015 das Porto für den Standardbrief um zwei auf 62 Cent – die dritte Erhöhung zu Anfang eines Jahres in Folge. Die immer noch dominante Marktstellung von rund 90 Prozent im Briefgeschäft macht's möglich. Allerdings sinkt das Volumen im Briefverkehr beständig durch die immer stärkere Verbreitung von Diensten wie SMS, E-Mail oder Whatsapp. Mit der Portoerhöhung steuert die Post etwas dagegen und will damit auch die Investitionen der vergangenen Jahre, etwa in moderne Sortiermaschinen, stärker reinholen.

Onlinehandel hui, Frachtgeschäft pfui

Von einem anderen Strukturwandel profitiert die Post dagegen sehr stark: dem Onlinehandel. Das Paket- und Expressgeschäft der Deutschen Post boomt nach wie vor und steuerte auch im abgelaufenen Jahr auf einen neuen Rekord zu. Im November hatte die Post bereits rund zehn Prozent mehr Pakete zugestellt als im Vorjahreszeitraum. Eine Erfolgsstory ist auch der E-Postbrief, der vor vier Jahren eingeführt wurde und nach Aussagen des Postbankchefs Frank Appel in diesem Jahr Gewinne abliefern soll: "Wir glauben, dass wir 2015 erstmals schwarze Zahlen damit schreiben".

Die Post rüstet sich also für die Zukunft, muss allerdings Rückschläge im Frachtgeschäft verdauen, die die Profitabilität und den Gewinn in diesem Jahr belasten. Der Gewinneinbruch betrug zuletzt aufgrund einer schwächelnden Konjunktur weltweit und in Europa mehr als 40 Prozent. Aber auch hohe Investitionen in die Modernisierung des Frachtgeschäfts waren eine Bürde und dürften nach Angeben der Post bis ins Jahr 2016 anhalten.

Von einer Erholung in Europa profitieren

Diese Ergebnisse haben die Performance der Aktie in diesem Jahr erheblich gedrückt. Nachdem der Titel im Jahre 2013 noch der zweitgrößte Gewinner im Dax war, reichte es 2014 mit einem mageren Plus von rund zwei Prozent nur zu einem Platz im Mittelfeld.

Trotz der operativen Herausforderungen sind zahlreiche Analysten optimistisch für den Logistikwert gestimmt - so wie JP Morgan, die die Post-Aktie sogar in einen Basket von Werten aufgenommen haben, die besonders kräftig an einer Erholung in der Eurozone partizipieren dürften. Die dort aufgenommenen Aktien sollen einen Großteil ihrer Umsätze in Europa erzielen (mehr als 30 Prozent) und positiv mit den Frühindikatoren der Eurozone korreliert sein. Diese Titel dürften zusätzlich vom gesunkenen Ölpreis profitieren.

Bis auf die Baustelle "Frachtgeschäft" hat die Deutsche Post die Weichen für bessere Geschäfte gestellt. Jetzt muss vor allem die Wirtschaft in Europa anspringen, um die Post-Aktie zu beleben. Die Wende ist in Sichtweite und so ist aus dem Langeweiler 2014 ein spannender Turnaround-Kandidat 2015 geworden.

Quelle: n-tv.de

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