Wirtschaft
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Anleger geschockt, Kurs bricht ein: Loewe gehen die Mittel aus

Loewe kämpft seit Längerem mit Absatzproblemen. Die Geräte des deutschen Fernsehherstellers sind nicht mehr so gefragt wie früher. Das führte bereits 2012 zu drastisch gesunkenen Umsätzen und einem deutlich höheren Minus. 2013 setzt sich die Abwärtsspirale fort. Sie gewinnt sogar an Fahrt - mit drastischen Auswirkungen.

Der deutsche Fernsehhersteller Loewe schockt zum Wochenschluss seine Anleger und den Markt: Dem Traditionsunternehmen gingen die langjährigen Mittel aus. Die Anleger reagierten prompt und schickten die Papiere auf Talfahrt. Der Kurs brach zeitweise bis auf 1,86 Euro ein und pendelte dann um die 2-Euro-Marke - immer noch ein Kursverlust von rund einem Drittel.

Wegen der Krise in Europa und der Kaufzurückhaltung der Konsumenten gerät der Konzern immer stärker unter Druck. Nach einem Umsatzeinbruch in den ersten drei Monaten weitete sich der Verlust wegen Investitionen in neue Produkte und Werbeaufwendungen noch einmal deutlich aus: Der Verlust vor Zinsen und Steuern verzehnfachte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 9,9 Mio. Euro. Der Umsatz sackte um 35 Prozent auf 43,5 Mio. Euro weg. Neben der Kaufzurückhaltung begründete Loewe dies mit der Abschaltung des analogen Satelliten-TVs in Deutschland.

Die Marktentwicklung bezeichnete Loewe als negativ. So sei der Markt für LCD-TV-Geräte allein in Deutschland in den ersten drei Monaten wertmäßig um 19 Prozent zurückgegangen. Bei den für Loewe wichtigsten Handelspartnern, dem qualifizierten Fachhandel, sei der Rückgang mit 37 Prozent noch deutlich höher ausgefallen. In einzelnen Auslandsmärkten ging der Markt laut Loewe noch stärker zurück. Konkrete Angaben zur Entwicklung auf den Auslandsmärkten blieb Loewe allerdings schuldig.

Hälfte des Grundkapitals bald weg

Loewe geht nun nach und nach das Geld aus. Bei gleichbleibender Marktentwicklung wird wahrscheinlich Ende Mai 2013 die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt sein. Die ursprünglich für Mitte Juni geplante Hauptversammlung wird daher nun verschoben. Zur Verbesserung der Kapitalausstattung prüft Loewe verschiedene Möglichkeiten. Im Raum steht dabei eine Kapitalerhöhung unter Einbeziehung der Altaktionäre und neuer Aktionäre.

Die Aussichten für das Gesamtjahr sind düster. Vor dem Hintergrund der Entwicklung im ersten Quartal und der aktuellen Marktschwäche rechnet der Vorstand von Loewe nunmehr mit einem Umsatzrückgang und einem Gesamtjahresverlust.

Designschmiede mit Problemen

Um die Kosten zu drücken, kündigte Loewe mit Sitz im oberfränkischen Kronach einen Arbeitsplatzabbau an. Die Streichung von 180 Arbeitsplätzen und ein Sanierungstarifvertrag waren die Grundlagen, dass die Banken die Kreditlinien von Loewe bis Ende März 2014 verlängert haben. Hoffnung setzt Loewe jetzt auf neue Produkte, wie das neue drahtlose Audiosystem 3D Orchestra, das das Unternehmen aus der Krise führen soll.

Marktbeobachter sind schon länger skeptisch, ob das Unternehmen aus dem fränkischen Kronach mit knapp 1000 Mitarbeiter auf Dauer gegen die internationale Konkurrenz aus Fernost wie Samsung, LG oder Panasonic bestehen kann. Loewe gilt als Designschmiede, die aber zu klein ist, um selbst Trends setzen zu können.

Das war einst anders. Das 1923 von den Brüdern Siegmund und David Ludwig Loewe gegründete Unternehmen baute zunächst Radiogeräte. Im Jahr 1931 präsentierten die Erfinder Siegmund Loewe und Manfred von Ardenne dann auf der Funkausstellung in Berlin der Weltöffentlichkeit erstmals eine elektronische Fernsehübertragung. Damit war der Grundstein für die weitere Entwicklung des Fernsehens gelegt.

Im Februar 1981 stellte Loewe der Presse den ersten Stereo-Fernseher Europas vor. 1999 folgte der Börsengang. Den Umstieg auf Flachbildschirme verschlief das Unternehmen jedoch und geriet einige Jahre nach dem Debüt auf dem Börsenparkett in eine schwere wirtschaftliche Krise. Rettung kam durch den japanischen Elektronikkonzern Sharp, der sich 2004 über eine Kapitalerhöhung knapp 29 Prozent der Anteile sicherte.

Nach der Aufschwungsphase mit japanischer Hilfe nahm allerdings die Konkurrenz im TV-Geschäft massiv zu - so heftig, dass der Preisverfall und das Überangebot auch unter weitaus größeren Herstellern Opfer forderte. Großaktionär Sharp kam selbst ins Trudeln und bemüht sich derzeit, durch Anteils- und Fabrikverkäufe Geld in die Kassen zu holen. In der Nische, die sich Loewe mit design-orientierten Highend-Fernsehern gesucht hatte, wurde es eng. Die Liquidität schmolz drastisch ab, so dass die jüngst angekündigte Restrukturierung die Rettung sein soll. An einen schnellen Marktaufschwung glaubt Loewe nicht. Vor dem Hintergrund der Entwicklung im ersten Quartal diesen Jahres wird die Kaufzurückhaltung wohl anhalten. Für 2013 sieht Loewe deswegen einen weiteren Umsatzrückgang und wieder einen Jahresverlust.

Aktie für strategische Investoren attraktiv?

Loewe versucht dennoch, mit neuen Produkten eine Trendwende zu schaffen und die Lust der Verbraucher wieder zu wecken. In diesen Tagen bringt Loewe das neue drahtlose Audiosystem 3D Orchestra auf den Markt, im Mai präsentiert der Konzern das portable Lautsprechersystem Loewe Speaker 2go. Diese Lautsprecher sollen die Verbindung mit mobilen Endgeräten ermöglichen.

"Die Zukunft von Loewe hängt nun davon ab, ob die angedeuteten Kapitalmaßnahmen erfolgreich sind", sagte Analyst Faust weiter. Die finanzielle und operative Umstrukturierung werde länger dauern und tiefergehend sein als bisher angenommen. "Nachrichten zu den Kapitalmaßnahmen werden der Schlüssel für den Aktienkurs sein", so Faust. Angesichts der erforderlichen Maßnahmen und des angekündigten operativen Verlusts im Gesamtjahr sei es schwierig, den Aktienpreis zu bewerten. Auf der anderen Seite sei Loewe eine ausgezeichnete Marke für hochwertige Unterhaltungselektronik, was die Aktie für strategische Investoren attraktiv machen sollte.

Quelle: n-tv.de

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