Wirtschaft
Augen auf: Aktuelle Konjunkturdaten signalisieren Wachstum.
Augen auf: Aktuelle Konjunkturdaten signalisieren Wachstum.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Problemzone im Blick: Deutsche Wirtschaft schert aus

Nach einem Jahr signalisieren aktuelle Daten aus der Industrie wieder Wachstum. Vor allem einem starken Export ist der Stimmungsumschwung zu verdanken. Erste Ökonomen sprechen gar von einer Rückkehr der "Wachstumslokomotive" Deutschland für die Eurozone. Und die ist auch dringend nötig, denn vor allem Frankreich hinkt den Erwartungen deutlich hinterher.

Die deutsche Industrie wächst nach einjähriger Pause wieder und wird damit zum Hoffnungsträger für die gesamte Wirtschaft der Eurozone. Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland kletterte im Februar um 0,3 auf 50,1 Punkte, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Er durchbrach damit erstmals seit Februar 2012 die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Ökonomen hatten sogar einen Anstieg auf 50,5 Punkte erwartet. "Man kann sich wieder auf Deutschland als Wachstumslokomotive für die Eurozone verlassen", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

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Garant dafür ist das gut laufende Auslandsgeschäft. Die Exportaufträge stiegen so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. "Das ist vor allem der verbesserten Nachfrage von Kunden aus Asien zu verdanken", hieß es. Trotzdem bauten die Industriefirmen Stellen aber, allerdings deutlich weniger als im Januar.

Dienstleister sind optimistisch

Auch die Dienstleister wachsen - obwohl deren Einkaufsmanagerindex auf 54,1 Zähler fiel, nachdem im Januar mit 55,7 Punkten noch der beste Wert seit mehr als anderthalb Jahren erreicht wurde. Die Aufträge legten erneut zu, wenn auch nur noch leicht. Die Service-Unternehmen schätzten ihre Aussichten für die kommenden zwölf Monate so gut ein wie seit Mitte 2011 nicht mehr.

Der sogenannte Composite-Index, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, verlor 1,7 auf 54,4 Punkte. Er hielt sich aber deutlich über der Marke von 50 Zählern. "Damit bleibt Deutschland auf Kurs, im 1. Quartal wieder ein Wachstum zu schaffen", sagte Moore. Im vierten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt mit 0,6 Prozent so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr.

Auch von anderer Seite waren in den vergangenen Tagen Stimmen laut geworden, dass die deutsche Wirtschaft ihre Schwäche zum Jahresende 2012 bereits überwunden hat. Im 4. Quartal war die Wirtschaftsleistung 0,6 Prozent zurückgegangen. Bei zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, in denen die Wirtschaft schrumpft, sprechen Ökonomen von einer Rezession.

Eurozone verliert an Boden

Der Abschwung in der Privatwirtschaft des Euroraums setzt sich im Gegensatz dazu im Februar fort. Zudem gewinnt er noch an Dynamik, nachdem er sich in den drei vorhergehenden Monaten verlangsamt hatte. Im Euroraum trübte sich die Stimmung in den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes als auch im Dienstleistungssektor ein.

Der Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes sank laut Markit auf 47,8 Punkte. Volkswirte hatten dagegen einen Anstieg auf 48,5 Zähler prognostiziert. Im Januar hatte der Index auf 47,9 Punkte zugelegt. Der Einkäuferindex für den Servicesektor fiel im Februar auf 47,3 Punkte von 48,6 im Vormonat. Ökonomen hatten einen Anstieg auf 49,0 Punkte erwartet.

Der aggregierte Sammelindex, der auf dem Produktionsindex für das verarbeitende Gewerbe und dem Index des Dienstleistungsbereichs basiert, verringerte sich auf 47,3 Zähler von 48,6 im Vormonat und liegt damit deutlich unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern.

Frankreich enttäuscht

Vor allem die französischen Daten ließen zu wünschen übrig: In Frankreich schrumpfte die Privatwirtschaft im Februar so stark wie seit März 2009 nicht mehr. Der Sammelindex sank auf 42,3 Punkte von 42,7 im Januar, weil sich der Abschwung im Dienstleistungssektor verstärkte. Die französische Industrie konnte den Abschwung geringfügig bremsen.

Die enttäuschenden Daten lassen nach Aussage von Markit befürchten, dass die französische Wirtschaft im ersten Quartal 2013 noch stärker schrumpfen wird als im Schlussquartal 2012, als ein Minus von 0,3 Prozent im Quartalsvergleich verzeichnet worden war. Auch in den übrigen Ländern des Euroraums ging es im Februar wieder stärker bergab.

Nach Aussage von Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson lassen die Daten erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum im ersten Quartal 2013 zum vierten Mal in Folge schrumpfen dürfte. Allerdings dürfte der BIP-Rückgang im ersten Quartal 2013 mit wahrscheinlich 0,2 bis 0,3 Prozent weniger gravierend ausfallen als mit 0,6 Prozent im letzten Quartal 2012, fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de

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