Wirtschaft
Die deutsche Wirtschaft legt 2014 ordentlich zu.
Die deutsche Wirtschaft legt 2014 ordentlich zu.(Foto: picture alliance / dpa)

Forscher heben den Daumen: Deutsche Wirtschaft startet durch

Wenige Tage vor der Wahl prognostizieren Wirtschaftsforscher ein rosiges 2014. Sie erwarten ein sattes Plus und eine Rekordbeschäftigung. Doch zugleich warnen sie vor einer Überhitzung.

Führende deutsche Ökonomen haben der Bundesregierung kurz vor der Wahl eine konjunkturelle Steilvorlage geliefert. Ihrer Ansicht nach wird die Konjunktur im kommenden Jahr kräftig anziehen und für eine Rekordbeschäftigung sorgen. Es dürften dann erstmals 42 Millionen Menschen in Lohn und Brot sein - so viel wie nie zuvor. Dies geht aus Prognosen hervor, die Forschungsinstitute und der Privatbankenverband BdB vorlegten.

Während die Berliner DIW-Forscher und der Privatbankenverband BdB im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent erwarten, sagt das Essener RWI sogar ein Plus von 1,9 Prozent voraus. Für dieses Jahr rechnen die Experten wegen der noch schwachen Euro-Zone nur mit einem mageren Plus von rund einem halben Prozentpunkt.

Investitionen bleiben Schwachstelle

Die Unsicherheit wegen der Schuldenkrise und der globalen Konjunkturaussichten hatte Unternehmenschefs rund eineinhalb Jahre zur Zurückhaltung gezwungen. Die Firmenausgaben in Maschinen und Anlagen sanken sechs Quartale in Folge - 2012 insgesamt um vier Prozent. Auch für dieses Jahr sagen BdB, DIW und RWI noch einen Rückgang von gut zwei Prozent voraus. Im nächsten Jahr dürfte es ein Plus zwischen vier und acht Prozent geben. "Die Ausrüstungsinvestitionen werden trotz des kräftigen Anstiegs wohl das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2008 nicht erreichen", erklärten die Essener RWI-Forscher.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) spricht von einem Anziehen auf niedrigem Stand. Denn die Investitionsquote - also die Ausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftskraft - sei immer noch vergleichsweise niedrig. "Die Investitionen sind nach wie vor eine der großen Schwachstellen der deutschen Wirtschaft", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Auch der Bundesverband deutscher Banken (BdB) äußerte sich besorgt. Denn die Wettbewerbsfähigkeit und die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt seien längerfristig nur mit Investitionen und Innovationen zu halten.

Robuster Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt geht es nach einhelliger Meinung bergauf - wenn auch langsamer als bisher. Das DIW erwartet für dieses und nächstes Jahr insgesamt 400.000 zusätzliche Erwerbstätige. Zugleich drängten mehr Menschen auf den Markt - Frauen, Ältere und Zuwanderer etwa aus Bulgarien und Rumänien. Deshalb werde die Zahl der Arbeitslosen bis 2014 um 70.000 auf 2,97 Millionen klettern.

Zentraler Pfeiler für den 2014 erwarteten Aufschwung soll nach allgemeiner Erwartung der private Konsum sein. Dieser wird derzeit durch die gute Arbeitsmarktentwicklung, aber eben auch die sehr niedrigen Zinsen gestützt. Auch die Banken räumen dies sein. "Die extrem expansive Geldpolitik stärkt den privaten Konsum", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer.

Insgesamt entwickelt sich die Wirtschaft nach Fratzschers Worten relativ gut. "Allerdings sollten wir uns von der vermeintlichen Stabilität nicht blenden lassen." Denn die Risiken für die Konjunktur seien immer noch groß - wie etwa die Unsicherheit über die Weltwirtschaft und eine ungelöste Krise im Euroraum.

Öffentliche Hand soll investieren

Das DIW sagt dem Gesamtstaat 2013 und 2014 Etatüberschüsse von 0,2 und 0,3 Prozent der Wirtschaftskraft voraus. Dies biete Spielräume für Investitionen in Infrastruktur und Bildung. Auch die RWI-Forscher fordern mehr Investitionen der öffentlichen Hand. Dies dürfe aber nicht durch höhere Steuern gegenfinanziert werden. Vielmehr müssten Subventionen gekürzt werden.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sieht die Prognosen als Zeichen dafür, dass die Menschen "voller Zuversicht in die Zukunft schauen können". Dies scheinen die Deutschen selbst ähnlich zu sehen, sagte der FDP-Politiker. Denn sie blicken spürbar optimistischer nach vorne, wie aus einer Allianz-Studie hervorgeht.

Einige der Forscher aber sagen, die gute Konjunkturlage sei gar nicht das Verdienst der Bundesregierung - sondern der für Deutschland zu niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank. Ausdrücklich forderten sie Änderungen im politischen Kurs nach der Wahl.

So sah der IfW-Deutschlandexperte Stefan Kooths eine "extreme Überschätzung der deutschen Wirtschaftsstärke" und warnte vor einer "Überhitzung" der deutschen Wirtschaft ab 2015. Der geldpolitische Kurs der Europäischen Zentralbank werde für die deutsche Wirtschaft bis nach 2014 viel zu expansiv sein.

Quelle: n-tv.de

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