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GSW-Zentrale in Berlin: Mit Deutsche Wohnen entsteht Deutschlands zweitgrößter Immobilienkonzern.
GSW-Zentrale in Berlin: Mit Deutsche Wohnen entsteht Deutschlands zweitgrößter Immobilienkonzern.(Foto: picture alliance / dpa)

Rütteln am Thron des Branchenführers: Deutsche Wohnen will GSW schlucken

Während Deutschlands Politiker im Wahlkampf mit der Mietpreisbremse auf Wählerstimmenfang gehen, bahnt sich auf dem umkämpften Immobilienmarkt eine spektakuläre Übernahme an. Deutsche Wohnen will mit der GSW zusammengehen. Eine klare Kampfansage an den Branchenprimus - und die GSW ist interessiert.

Deutschlands hart umkämpftem Immobilienmarkt steht eine Konsolidierung bevor. Den Anfang könnte eine spektakuläre Übernahme machen, denn die Deutsche Wohnen AG, bereits ein Schwergewicht in der Branche, will den Rivalen GSW Immobilien kaufen. Sollte der Deal über die Bühne gehen, entsteht eines der größten Immobilienunternehmen. Der neue Konzern würde auf 150.000 Wohneinheiten mit einem Portfoliowert von geschätzten 8,5 Milliarden Euro kommen.

Stemmen will die Deutsche Wohnen die Transaktion mittels eines Aktientauschs. Die GSW-Aktionäre sollen für 20-GSW-Aktien 51 neue Papiere von Deutsche Wohnen erhalten. Das entspricht einer Prämie von 15,4 Prozent auf den Durchschnittskurs von GSW während der letzten drei Monate. Insgesamt werde der Berliner Konzern bei dem Deal mit 1,75 Milliarden Euro bewertet.

Bei GSW ist man nicht abgeneigt: Der Vorstand habe die Ankündigung von Deutsche Wohnen, den Aktionären der Gesellschaft ein Übernahmeangebot zu unterbreiten, zur Kenntnis genommen, teilte GSW mit. Die bislang vorliegenden Informationen dazu würden sorgfältig geprüft und bewertet. Im Anschluss daran werde GSW eine erste Einschätzung abgeben.

Nach Abschluss der Transaktion sollen die Aktionäre der Deutsche Wohnen einen Anteil von 57 Prozent und die GSW Immobilien AG einen Anteil von 43 Prozent an dem kombinierten Unternehmen halten. Eine vollständige Integration wird innerhalb von 24 Monaten nach Abschluss der Transaktion erwartet. Die Kosten dafür liegen bei 25 Millionen Euro, die angepeilten Synergien werden ebenfalls auf 25 Millionen Euro beziffert. Sie sollen aber jährlich anfallen.

Kursimpulse

"Sinn macht die Übernahme", sagt Heino Ruland von Ruland Research. Die beiden Unternehmen seien ähnlich aufgestellt, aber mit regional unterschiedlichen Schwerpunkten. GSW habe die meisten Wohnungen im Ruhrgebiet, Deutsche Wohnen im Berliner Raum.

Am Aktienmarkt reagierten die Papiere der beiden Unternehmen entsprechend: Deutsche Wohnen verloren rund 5 Prozent. GSW zogen zeitweise fast 10 Prozent an und pendelten sich dann um ein Plus von 7 Prozent ein.

Bessere Chancen am Kapitalmarkt

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Die Deutsche Wohnen sieht GSW Immobilien als "ideale Ergänzung" und verweist auf die übereinstimmende Geschäftsphilosophie. Zudem liegt der Fokus beider auf den "dynamischen Wachstumsregionen". Mehr als zwei Drittel des gemeinsamen Portfolios liegen laut Deutscher Wohnen in Berlin. Ein gemeinsames Unternehmen hätte damit einen starken Fokus auf eine der dynamischsten Wachstumsregionen in Deutschland.

"Durch den Zusammenschluss mit der GSW Immobilien würde Deutsche Wohnen die kritische Größe erreichen, um sich im europäischen Kapitalmarkt weiter zu etablieren", erklärte Deutsche Wohnen. Das Unternehmen sieht auch bessere Konditionen beim Zugang zu Eigen- und Fremdkapital. Die Effizienzgewinne aus der Fusion will die Deutsche Wohnen langfristig in den Bestand reinvestieren.

Die Deutsche Wohnen ist bereits eine der größten börsennotierten Wohnungsgesellschaften Deutschlands, deren operativer Fokus auf der Bewirtschaftung und Entwicklung ihres Wohnungsbestands liegt. Das Portfolio umfasst zum 30. Juni 2013 insgesamt rund 90.600 Einheiten, davon rund 89.500 Wohneinheiten und rund 1100 Gewerbeeinheiten.

Neuer Branchenvize

Der deutsche Immobilienmarkt ist heiß umkämpft. Deutschlands größte private Wohnimmobiliengesellschaft ist die Deutsche Annington mit 180.000 Wohneinheiten. Gagfah beziffert die Größe des eigenen Portfolios auf insgesamt rund 145.000 Wohnungen. Die LEG besitzt knapp 94.000 Mietwohnungen.

Deutsche Wohnen, die in den vergangenen Monaten beständig zugekauft hat, hatte Ende März 83.200 Einheiten im Portfolio. TAG Immobilien besitzt nach dem im November erfolgten Zukauf der TLG Wohnen jetzt über 69.000 Wohneinheiten. Auf rund 60.000 Wohneinheiten, deren Wert das Unternehmen mit 3,3 Milliarden Euro beziffert, bringt es GSW Immobilien.

Quelle: n-tv.de

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