Wirtschaft

Die Börsen-Rally und ihre Kinder: Deutsche sind so reich wie nie

Im vergangenen Jahr legt der Dax rund 30 Prozent zu - trotz Schulden- und Konjunkturkrise in der Eurozone. Das Plus schlägt sich nun auch auf der Vermögensseite wieder - und das nicht ganz unerheblich. Allerdings klettert auch die Verschuldung.

Es gibt einen Trend zu liquideren Anlageformen.
Es gibt einen Trend zu liquideren Anlageformen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutschen haben 2012 so viel neues Geldvermögen angehäuft wie seit 1993 nicht mehr: Binnen eines Jahres vermehrte sich das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapieren oder Ansprüchen gegenüber Versicherungen um knapp 157 Milliarden Euro, wie die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mitteilte.

Allein das Kursfeuerwerk an den Kapitalmärkten machte nahezu ein Drittel des Anstiegs aus. Damit sind die Deutschen so reich wie nie: Zum Jahresende kletterte das Vermögen auf die Rekordhöhe von 4 939 Milliarden Euro - ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immobilien oder Vermögensgegenstände wie Autos oder Kunst sind in der Statistik nicht enthalten.

Allerdings legte angesichts der niedrigen Zinsen auch die Verschuldung der privaten Haushalte mit plus 15 Milliarden Euro stärker zu als in den Vorjahren, insbesondere in Form von Wohnungsbaukrediten. Im historisch niedrigen Zinsumfeld stiegen die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte um knapp 1 Prozent auf 1 566 Milliarden Euro (2011: 1 551 Mrd ¤) am Jahresende. Das Nettogeldvermögen stieg um etwa 214 Milliarden auf 3 373 Milliarden Euro. Die Verschuldungsquote, also der Anteil der Verbindlichkeiten am Bruttoinlandsprodukt, sank um 0,6 Prozentpunkte auf 59,2 Prozent.

Im Zeichen der Euro-Staatsschuldenkrise waren die Menschen in Deutschland aber auch 2012 stark verunsichert, ungeachtet des starken Börsenjahrs. Das zeigt sich nach den Angaben der Bundesbank im "Trend zu liquideren Anlageformen, der zuletzt im Krisenjahr 2009 besonders ausgeprägt war". Gut 86 Milliarden flossen in Bankeinlagen einschließlich Bargeld. Das ist deutlich mehr als im Vorjahr mit knapp 67 Milliarden Euro.

Mehr Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten

Dabei wurde das Vermögen in Termin- und Spareinlagen einschließlich Sparbriefen abgebaut. Zustrom hatten hingegen kurzfristige Einlagen auf Girokonten und Tagesgeldkonten. "Dies deutet auf eine gestiegene Liquiditätspräferenz hin, die sich unter anderem mit dem historisch niedrigen Zinsumfeld sowie der generellen Unsicherheit im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise begründen lassen dürfte", erklärte die Bundesbank.

Gleichzeitig stießen die privaten Haushalte festverzinsliche Wertpapiere ab, auch das direkte Engagement in Aktien fiel 2012 schwach aus. Tatsächlich wurden 2012 sogar erstmals seit dem Ausbruch der Krise 2008 Aktien im Umfang von 0,5 Milliarden abgegeben - die Verkäufer verzichteten dabei auf satte Kursgewinne. Denn das Plus an den Kapitalmärkten und insbesondere die steigenden Aktienkurse ließen das Geldvermögen der privaten Haushalte um 72 Milliarden Euro anschwellen. Im Vorjahr hatten noch Kursverluste im Volumen von rund 92 Milliarden Euro die Entwicklung des Geldvermögens belastet.

Auch die Ansprüche gegenüber Versicherungen stiegen 2012 um gut 65 Milliarden und hatten damit großen Anteil an der Bildung des Geldvermögens.

In der Regel wächst das Geldvermögen der Deutschen stetig. Vor 20 Jahren hatte es noch einen Wert von 2.059,3 Milliarden Euro, Ende 2002 waren es 3.576,0 Milliarden Euro. Nur in einigen Krisen gab es Dellen wie zuletzt im dritten Quartal 2011. Damals nagten die Turbulenzen an den Börsen am Wohlstand der Aktionäre. Die Finanzkrise 2008/2009 ließ das Vermögen sogar über einen längeren Zeitraum schrumpfen. Diese Verluste wurden längst wieder aufgeholt.

Quelle: n-tv.de

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