Wirtschaft
"Made in Germany" ist gefragt im Ausland und günstig dank des schwachen Euros.
"Made in Germany" ist gefragt im Ausland und günstig dank des schwachen Euros.(Foto: picture alliance / dpa)

Kritik an Ungleichgewicht: Deutschland führt beim Exportüberschuss

Das Missverhältnis zwischen Ein- und Ausfuhren ist in keinem Land so groß wie in Deutschland. Kritiker sehen darin eine Gefahr für die Stabilität der Wirtschaft und fordern Gegenmaßnahmen der Bundesregierung - nicht so Finanzminister Schäuble.

Deutschland hat 2014 mit einem neuen Rekordwert den größten Exportüberschuss aller Länder erzielt. Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts betrug das Plus 285 Milliarden Dollar. Auf Platz zwei kommt die weltgrößte Handelsnation China (150 Milliarden Dollar), gefolgt vom Ölexporteur Saudi-Arabien (100 Milliarden).

Kritikern der starken deutschen Exportausrichtung dürfte diese Entwicklung nicht gefallen - zumal das Ifo-Institut sogar steigende Werte vorhersagt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hingegen betonte: "Das liegt nicht in der Verantwortung der Bundesregierung." Es habe etwa mit der extrem lockeren Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB) und dem Wechselkurs zu tun. "Das ist auch eine Folge des niedrigen Euro-Kurses, den sich viele gewünscht haben." Dieser ermöglichtes Unternehmen, Waren in Übersee günstiger anzubieten.

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Hinter dem Rekordwert steckt die sehr starke Nachfrage nach Waren "Made in Germany". "Eine Ursache für den Überschuss in der Leistungsbilanz ist die gute Konjunkturlage in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und Großbritannien", sagte Ifo-Experte Steffen Henzel. "Zudem musste Deutschland wegen des Preisverfalls gegen Jahresende deutlich weniger für Öl-Importe bezahlen." Dadurch wuchs die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren.

In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenaustausch auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein – von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe. Der Überschuss in dieser Statistik stieg 2014 um rund 30 Milliarden auf knapp 220 Milliarden Euro. "Das entspricht 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung", so Henzel.

Die EU-Kommission stuft Werte von dauerhaft mehr als sechs Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt als stabilitätsgefährdend ein. Da Deutschland seit Jahren über dieser Grenze liegt, wurde die Bundesregierung im März 2014 von Brüssel gerügt. Gleichzeitig wird ihr empfohlen, mehr zu investieren und so die Nachfrage im Inland zu stärken. Auch das US-Finanzministerium prangerte die Überschüsse wiederholt als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an, da Länder mit hohen Überschüssen solchen gegenüber stehen, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen.

Ungleichgewicht wird weiter wachsen

"Wir treiben eine nachhaltige, ausgewogene Politik", verteidigte sich Schäuble. "Wir tun unseren Teil und steigern unsere private Nachfrage, wir haben höhere Lohnabschlüsse und vieles mehr", fügte der Minister hinzu und betonte: "Aber eine Schwächung der Wirtschaft, damit wir nicht so viele Erfolge auf den Exportmärkten erzielen, ist nicht, was unsere Partner in der Welt von uns erwarten - die sagen, wir sollten mehr Wachstum liefern."

Kritisch äußerte sich hingegen der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn, zu den Ifo-Daten: "Das ist ein Alarmzeichen, dass sich Handelsungleichgewichte im globalen Maßstab herausbilden." Dies könne generell zu Währungsturbulenzen führen. "Vor allem ist es aber ein Indiz für eine immer noch unzureichende Binnennachfrage in Deutschland." Dies gefährde Wohlstand und Stabilität. "Nötig wären in dieser Situation höhere öffentliche Investitionen." 

Das Ifo-Institut prophezeit für 2015 einen weiter steigenden Überschuss. "Angesichts des niedrigen Ölpreises und einer weiter aufwärtsgerichteten Konjunktur in wichtigen Abnehmerländern außerhalb des Euroraums dürfte sich der Leistungsbilanzüberschuss noch erhöhen ", schätzt Henzel. "Zudem stützt der schwache Euro die Exporte." Der Überschuss werde daher voraussichtlich auf acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen.

Quelle: n-tv.de

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