Wirtschaft
Deutschlands Industrie verdient gut, investiert aber zu wenig.
Deutschlands Industrie verdient gut, investiert aber zu wenig.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 14. Juni 2017

DIW prophezeit weiteres Wachstum: Deutschland in der "Wohlfühlkonjunktur"

Deutschlands Wirtschaft wächst bereits seit mehr als vier Jahren und wird dies auf absehbare Zeit wohl auch weiter tun, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung voraussagt. Bei einem Punkt schrillen bei den Experten jedoch die Alarmglocken.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat einen anhaltenden Aufschwung in Deutschland vorhergesagt. "Die deutsche Wirtschaft bleibt auf klarem Aufwärtskurs", erklärten die Berliner Ökonomen. Nach ihrer neuen Konjunkturprognose soll das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,5 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im nächsten Jahr wachsen. Damit bestätige das DIW weitgehend seine Prognose von vor drei Monaten.

"Derzeit befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Wohlfühlkonjunktur", stellten die Forscher fest. Sie wachse seit über vier Jahren und werde dies auch im Prognosezeitraum tun. Die Zahl der Beschäftigten habe historische Höchststände erreicht und klettere kräftig weiter, die Einkommen der privaten Haushalte stiegen, und die öffentlichen Kassen seien "prall gefüllt". Gleichwohl wachse die Wirtschaftsleistung im Einklang mit den Produktionskapazitäten. Diese seien zwar gut ausgelastet - eine Überhitzung der deutschen Wirtschaft zeichne sich aber nicht ab.

Die BIP-Prognosen der OECD

Weltwirtschaft:  3,5 Prozent (2017) und 3,6 Prozent (2018)

USA: 2,1 Prozent (2017) und 2,4 Prozent (2018)

Euroraum:  1,8 Prozent (2017) und 1,8 Prozent (2018)

Deutschland: 2,0 Prozent (2017) und 2,0 Prozent (2018)

Frankreich: 1,3 Prozent (2017) und 1,5 Prozent (2018)

Italien: 1,0 Prozent (2017) und 0,8 Prozent (2018)

Großbritannien: 1,6 Prozent (2017) und 1,0 Prozent (2018)

China: 6,6 Prozent (2017) und 6,4 Prozent (2018)

Sorgen bereiten den Ökonomen aus Berlin jedoch die schwachen Investitionen, die selbst bei der derzeit kräftigen Konjunktur zögerlich blieben. DIW-Deutschlandexperte Simon Junker erklärte, auch die Brexit-Verhandlungen und mögliche protektionistische Maßnahmen der US-Regierung sorgten wohl für Zurückhaltung bei vielen Unternehmen.

Instituts-Präsident Marcel Fratzscher beklagte dies ebenfalls. "Die deutsche Wirtschaft läuft weiterhin gut, könnte sich jedoch noch besser entwickeln", sagte er. Das Wachstum sei zu sehr von der guten Lage des Arbeitsmarktes abhängig. Die schwachen Investitionen schadeten Deutschland und reduzierten die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. 

Risiken für den Aufschwung

In seiner Prognose sagt das DIW eine Zunahme der Anlageinvestitionen um lediglich 1,8 Prozent in diesem Jahr voraus. Kommendes Jahr soll das Plus dann allerdings 3,0 Prozent betragen. Für den privaten Konsum rechnen die Volkswirte mit einer Steigerung um 1,2 Prozent im laufenden und 1,4 Prozent im kommenden Jahr. Die deutschen Exporte werden nach der Prognose 2017 um 3,7 Prozent und 2018 um 3,6 Prozent zunehmen, während die Importe dieses Jahr um 4,2 Prozent und nächstes um 4,3 Prozent wachsen.

Am Arbeitsmarkt erwartet das DIW einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen auf 2,510 Millionen im laufenden Jahr und auf 2,385 Millionen im kommenden. Das entspricht nach den Berechnungen der Ökonomen in den beiden Jahren einer Arbeitslosenquote von 5,6 sowie 5,3 Prozent. Gemessen an der Entwicklung des Arbeitsmarktes sei der Lohnanstieg aber nur verhalten, betonten sie. Dies könnte damit zusammenhängen, dass bei den Tarifverhandlungen andere Punkte wie etwa Vorruhestandsregelungen auf der Prioritätenliste weiter oben stünden.

Das DIW warnte allerdings auch vor Gefahren für den Aufschwung. "Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben hoch", erklärten die Wissenschaftler. In Italien gebe es anhaltende politische Spannungen, die Brexit-Verhandlungen sorgten für Unsicherheit und vor allem aus den USA drohten protektionistische Maßnahmen.

Im Euroraum seien Forderungen an die Europäische Zentralbank (EZB), ihre expansive Geldpolitik kurzfristig deutlich zurückzuschrauben oder gar zu beenden, "verfrüht". Angesichts der kräftigen wirtschaftlichen Entwicklung wäre aber eine allmähliche Vorbereitung der Märkte auf eine Normalisierung der Geldpolitik angemessen, die nach dem Rat der Berliner Ökonomen bei einem weiter robusten Aufschwung "mit einer beginnenden Rückführung der Anleihekaufprogramme ab der Jahreswende 2017/18 eingeleitet werden sollte".

Quelle: n-tv.de

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