Wirtschaft
Der EU-Binnenmarkt hat laut einer Studie den Bundesbürgern jährlich ein Einkommensplus von 450 Euro beschert.
Der EU-Binnenmarkt hat laut einer Studie den Bundesbürgern jährlich ein Einkommensplus von 450 Euro beschert.(Foto: picture-alliance / dpa)

37 Milliarden Euro Zuwachs pro Jahr: Deutschland ist Gewinner des EU-Markts

Die Deutschen profitieren vom wirtschaftlichen Zusammenschluss in Europa mit am meisten. Nur in Dänemark ist laut einer Studie der jährliche Einkommensgewinn pro Einwohner höher. Forscher glauben das Geheimnis des Erfolgs zu kennen.

Kein Gründungsmitglied des EU-Binnenmarktes hat mehr vom Zusammenwachsen Europas profitiert als Dänemark und Deutschland. Nach Berechnungen der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ließ das Zusammenwachsen Europas das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland zwischen 1992 und 2012 in jedem Jahr um durchschnittlich 37 Milliarden Euro steigen.

Das entspreche einem jährlichen Einkommensgewinn von 450 Euro pro Einwohner, heißt es in der Studie. Nur Dänemark (plus 500 Euro pro Kopf) habe höhere Zuwächse erzielt. Der EU-Binnenmarkt trat 1993 in Kraft. Sein Fundament ist der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Untersucht wurde die Entwicklung von 14 der 15 Gründungsstaaten (außer Luxemburg).

Südeuropa profitierte weniger

Die europäische Integration habe sich für alle Gründungsländer positiv ausgewirkt, allerdings mit starken Unterschieden, heißt es in der Studie weiter. Der EU-Binnenmarkt habe besonders jenen Ländern geholfen, die wirtschaftlich sehr eng mit den anderen EU-Ländern verflochten seien.

So hatten die südlichen EU-Länder deutlich geringere Zuwächse als Dänemark, Deutschland oder Österreich (280 Euro). Der durchschnittliche jährliche Einkommenszuwachs, der dem EU-Binnenmarkt zugerechnet werden könne, liege in Italien bei 80, in Spanien und Griechenland bei 70 und in Portugal bei 20 Euro pro Einwohner.

Griechenland ist hier ein Sonderfall. Im Durchschnitt der beobachteten Jahre habe Griechenlands BIP durch die Integration zwar zugelegt, aber nur bis zur Schuldenkrise 2008/2009. Danach sei Griechenland praktisch vom EU-Binnenmarkt abgekoppelt worden.

Forscher sehen mehr Potenzial

Ausbaufähig sei vor allem der europäische Dienstleistungs- und Arbeitsmarkt, stellt die Studie fest. "So machen Dienstleistungen gegenwärtig rund 70 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus, aber nur 20 Prozent des grenzüberschreitenden Handels zwischen den EU-Ländern."

Um dem entgegenzuwirken, schlagen die Autoren der Studie vor, Dienstleistungen in der EU besser zu standardisieren und die Dienstleistungsrichtlinie vollständig umzusetzen. Zudem könnten eine schnelle und unbürokratische Anerkennung von Qualifikationen und Abschlüssen, bessere grenzüberschreitende Informationen über Stellenangebote und eine erleichterte Mitnahme von Ansprüchen in der Sozialversicherung die Arbeitsmobilität innerhalb der EU erhöhen.

Quelle: n-tv.de

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