Wirtschaft
Der Standort Deutschland hat im globalen Wettbewerb inzwischen beste Karten.
Der Standort Deutschland hat im globalen Wettbewerb inzwischen beste Karten.(Foto: REUTERS)

Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland kratzt am Podium

Lediglich drei Länder sind noch wettbewerbsfähiger als Deutschland: Im jährlichen Report des Weltwirtschaftsforums setzt sich die Bundesrepublik in der Spitzengruppe fest und lässt etwa die USA oder Japan hinter sich. Allerdings geben die Experten auch Hausaufgaben auf. Kleine Fortschritte bescheinigen sie den Euro-Krisenländern.

Deutschland gehört zu den wettbewerbsfähigsten Staaten. Im jährlichen veröffentlichten Wettbewerbsindex des Weltwirtschaftsforums (WEF) verbesserte sich die Bundesrepublik binnen Jahresfrist um zwei Plätze auf Rang vier. Damit lässt Deutschland erneut die USA sowie Japan hinter sich. Insgesamt sind in den Top 10 sechs europäische Länder. Spitzenreiter ist bereits zum fünften Mal hintereinander die Schweiz. Es folgen Singapur und Finnland.

Der Bundesrepublik bescheinigen die WEF-Experten eine hohe Flexibilität und Innovationskraft seiner Wirtschaft sowie eine ausgezeichnete Infrastruktur. Gelobt wird zudem, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich viel für Forschung und Entwicklung ausgeben. Dies alles lasse das Land von seinem großen Binnenmarkt und starken Exporten profitieren.

Sorgenkind Arbeitsmarkt

Probleme habe Deutschland hingegen durch einen vergleichsweise unflexiblen Arbeitsmarkt. "Die mangelnde Flexibilität in der Lohnpolitik und die hohen Kosten für den Arbeitsplatzabbau behindern die Schaffung neuer Jobs, besonders während konjunktureller Abschwungphasen." 112 Ländern wird ein flexiblerer Arbeitsmarkt bescheinigt. In den Fokus rückten die Experten zudem das Bildungssystem. Dies müsse weiter verbessert werden, damit das Land seine Wettbewerbsfähigkeit behalte. Als Probleme macht der Bericht zudem das Steuersystem sowie zu viel Bürokratie aus.

"Die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, Wohlstand zu generieren, ist immer stärker von Innovation abhängig", sagte WEF-Chef Klaus Schwab. Im globalen Wettbewerb werde man in absehbarer Zeit "nicht mehr zwischen Industriestaaten und weniger entwickelten Ländern unterscheiden, sondern stattdessen von innovationsreichen und innovationsarmen Ländern sprechen".

Aufgeholt hat dem Bericht zufolge auch die größte Volkswirtschaft der Welt. Die USA sind führend bei der Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen bis zur Marktreife. Im Wettbewerbsindex verbesserten sich die USA gegenüber 2012 um zwei Plätze auf Rang 5. Allerdings habe die Wirtschaft weiter vergleichsweise geringes Vertrauen in die Politik und meine, dass die Regierung wenig sorgsam mit ihren Ressourcen umgehe.

Leichte Verbesserungen in Südeuropa

Grund zur Sorge bietet nach Ansicht der WEF-Experten das erneut schlechte Abschneiden einiger südeuropäischer Krisen-Länder - darunter Portugal auf dem 51. und Griechenland als EU-Schlusslicht auf dem 91. Platz von insgesamt 148 untersuchten Ländern. Allerdings werden ihnen Fortschritte bescheinigt. "In Europa sehen wir, dass einige südeuropäische Länder ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern konnten - insbesondere Spanien und Griechenland", sagte die Expertin des Weltwirtschaftsforums, Margareta Drzeniek. "Gleichzeitig verfestigt sich der Unterschied zwischen Nord und Süd."

Die südeuropäischen Länder, aber auch Frankreich müssen daher mehr tun. Dazu zählten die Überwindung ineffizienter Marktstrukturen, die Förderung von Innovation sowie ein besserer Zugang zu Finanzierungen.

Für den Volkswirtschaftler XavierSala-i-Martin von der Columbia University in den USA wird durch den Bericht deutlich, "dass sich die Prioritäten in der Weltwirtschaft gegenüber dem Vorjahr verändert haben". War die Wirtschaftspolitik weltweit "noch im Krisenbewältigungsmodus", gehe es inzwischen "in erster Linie darum, dass die Verantwortlichen einer Volkswirtschaft weitreichende strukturelle Reformenangehen".

Das seit 2004 erhobene Länder-Ranking erfolgte nach zwölf Kriterien - darunter die Innovationsfähigkeit der Unternehmen, die staatlichen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, der Zustand der Finanzmärkte, die Infrastruktur und das Bildungswesen. Die für die Studie erforderlichen Daten wurden von 160 wirtschaftswissenschaftlichen Instituten und Statistikbehörden zusammengetragen.

Quelle: n-tv.de

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