Wirtschaft
Neue Daten aus Deutschland: Der Ifo-Index liefert neue Anhaltspunkte zur wirtschaftlichen Zukunft Europas (Archivbild).
Neue Daten aus Deutschland: Der Ifo-Index liefert neue Anhaltspunkte zur wirtschaftlichen Zukunft Europas (Archivbild).(Foto: REUTERS)

Deutschland "auf Erholungskurs": Ifo-Index steigt nur leicht

Die Zuversicht wächst, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im Sommer: Der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts legt im September weiter zu. Allerdings bleibt nicht nur die Beurteilung der aktuellen Lage hinter den Erwartungen der Experten zurück.

Mensch und Maschine: Bei MTU Maintenance in Hannover prüft ein Techniker den Lauf eines Flugzeugtriebwerks.
Mensch und Maschine: Bei MTU Maintenance in Hannover prüft ein Techniker den Lauf eines Flugzeugtriebwerks.(Foto: dpa)

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September zum fünften Mal in Folge verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg minimal um 0,1 Zähler von 107,6 Punkten im Vormonat auf 107,7 Punkte, wie das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte.

Im Vorfeld befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 108,2 Zähler gerechnet. Grundlage des Index ist eine monatliche Umfrage unter rund 7000 Geschäftsführern aus der deutschen Unternehmenslandschaft. Berücksichtigt werden dabei Unternehmen aus Branchen wie Industrie, Bauwirtschaft, Einzel- und Großhandel.

Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten die vom Ifo-Institut befragten Manager nun zwar schlechter ein als im Vormonat. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate bewerteten sie aber etwas besser als zuletzt.

"Die deutsche Konjunktur fährt auf Erholungskurs, die Geschäftserwartungen der Unternehmen hellen sich weiter auf", fasste der KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner seine ersten Eindrücke zusammen. "Europa als Deutschlands wichtigster Exportmarkt ist nach einer sehr langen Durststrecke endlich auf dem Weg der Stabilisierung. Davon profitiert Deutschland." Das Wachstum könne im kommenden Jahr seiner Ansicht nach sogar auf 2 Prozent klettern.

Zuletzt war das Bruttoinlandsprodukt amtlichen Angaben zufolge im zweiten Quartal mit 0,7 Prozent so stark gewachsen wie seit einem Jahr nicht mehr - auch weil die im ebenso langen wie strengen Winter liegengebliebenen Arbeiten nachgeholt wurden. Für das zu Ende gehende dritte Quartal rechnen viele Analysten mit einem Plus von etwa 0,4 Prozent.

Geht der Aufschung "in die Breite"?

"Für Europa sind wir weniger optimistisch", schränkte Zeuner ein. "Es fehlen die Wachstumsimpulse, die Schuldentragfähigkeit einzelner Länder wird noch immer angezweifelt. Hier ist Potenzial für Enttäuschung."

Zeuners Kollege Andreas Scheuerle von der Dekabank stützte seine Einschätzung ebenfalls auf den Ausblick. "Die gute Nachricht ist: Die Erwartungen der Unternehmen haben sich erneut verbessert. Damit kann der Aufschwung an Breite gewinnen. Denn nur zuversichtliche Unternehmen investieren und schaffen Arbeitsplätze." Diese Zuversicht speise sich, so der Dekabank-Ökonom weiter, im Fall des Einzelhandels aus der robusten Arbeitsmarktentwicklung und der erfreulichen Lohnentwicklung.

Im Fall der Industrie seien es die anziehenden globalen Frühindikatoren, die eine Belebung des Heimatmarktes Europa und des wichtigen US-Marktes anzeigen. "Enttäuschend ist allerdings die schwache Lageeinschätzung, die den Erwartungen hinterherhinkt", hob Zeuner hervor. "Der konjunkturelle Aufschwung setzt sich fort, allerdings in moderaterem Tempo als im zweiten Quartal."

Helaba-Experte Ralf Umlauf äußerte sich vorsichtiger. "Etwas enttäuschend ist die Tatsache, dass der Anstieg des Geschäftsklimas nur auf höhere Erwartungen zurückzuführen ist. Die Europäische Zentralbank dürfte sich zunächst in ihrer abwartenden Haltung bestätigt sehen. Auf politischer Seite gilt es jetzt, zügig eine handlungsfähige Regierung zu bilden, um eine potenzielle Stimmungsbelastung aufgrund einer Hängepartie im Bund zu verhindern."

USA plus China: "nachhaltig"

VP-Bank-Analyst Thomas Gitzel hielt dagegen: Das "eigentlich Erfreuliche" sei jedoch, "dass die besseren deutschen Stimmungsindikatoren in ein insgesamt freundliches internationales Umfeld eingebettet sind. In diesem Zusammenhang sind die verbesserten Aussichten für die angeschlagenen Länder der Eurozone zu nennen, der Erholungskurs der US-Wirtschaft und die konjunkturelle Aufhellung in China."

Dies lasse darauf schließen, so Gitzel, "dass die aktuelle Aufwärtsbewegung mit dem Zusatz 'nachhaltig' versehen werden kann. Da sich die deutschen Industrieverbände überwiegend positiv zum Wahlausgang äußerten, dürften vom deutschen Urnengang auch zunächst keine schädlichen Wirkungen auf die Stimmung ausgehen."

Der Ifo-Index zum Geschäftsklima gilt als wichtiger Frühindikator und verlässliches Stimmungsbarometer zu den konjunkturellen Aussichten der deutschen Wirtschaft. An der Börse wurde der Ifo-Index als möglicher Impulsgeber für den Handel bereits mit Spannung erwartet. Anleger reagierten dann allerdings ohne klare Richtungsentscheidung auf die Konjunktursignale aus dem Inneren der einflussreichsten Volkswirtschaft der Eurozone. Der Leitindex Dax hält sich nach einem kurzen Absacker im Plus bei 8654 Punkten. Der Nebenwerteindex MDax dreht ins Minus. Der TecDax notiert ebenfalls schwächer.

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Quelle: n-tv.de

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