Wirtschaft
Kleinteiliger Gradmesser der Binnennachfrage: In Einkaufszentren wie etwa der Hamburger "Europa-Passage" lässt sich das Kaufverhalten der Kunden am lebenden Objekt studieren.
Kleinteiliger Gradmesser der Binnennachfrage: In Einkaufszentren wie etwa der Hamburger "Europa-Passage" lässt sich das Kaufverhalten der Kunden am lebenden Objekt studieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Einzelhandel verliert an Kraft: Deutschlands Kauflaune sinkt

Aus der Branche der Einzelhändler melden die amtlichen Statistiker durchmischte Daten: Im Herbst geht es zunächst noch stärker aufwärts als erwartet. Mit Blick auf das Gesamtjahr deuten sich jedoch Schwächen ab. Gespannt warten Experten auf den großen Kassensturz nach dem Weihnachtsgeschäft.

Nach Ansicht vieler Händler hätten die "Sales" im November besser laufen können.
Nach Ansicht vieler Händler hätten die "Sales" im November besser laufen können.(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutschen Einzelhändler sind aktuellen Daten zufolge mit einem Umsatzplus in das Weihnachtsgeschäft gestartet. Im November nahmen sie 1,6 Prozent mehr ein als im Oktober. Bereinigt um Preissteigerungen lag der Anstieg bei 1,2 Prozent. Das ist das stärkste Plus seit März. Im Vorfeld befragte Analysten hatten lediglich mit einem preisbereinigten Anstieg von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat gerechnet.

Im Gesamtjahresvergleich zeichnet sich jedoch eine deutliche Abschwächung ab: Deutschlands Einzelhändler konnten ihre Umsätze im Jahr 2012 ersten Schätzungen zufolge weniger stark steigern als in den Vorjahren. In einer ersten Veröffentlichung geht das Statistische Bundesamt von nominal 1,9 bis 2,1 Prozent Umsatzplus aus, wie die Behörde mitteilte. 2011 hatten die Händler 2,7 Prozent mehr Erlöse verbucht, 2010 waren es 2,6 Prozent.

Preisbereinigt (real) erwarten die Statistiker für 2012 sogar ein leichtes Minus von bis zu 0,3 Prozent. Es wäre der erste Rückgang seit dem von der Wirtschaftskrise geprägten Jahr 2009. Damals waren die Umsätze im Einzelhandel sowohl nominal als auch real um mehr als 3 Prozent eingebrochen.

In Fachkreisen wurden die Konjunkturdaten aus dem Inneren der deutschen Wirtschaft als weitgehende Bestätigung bisheriger Annahmen aufgefasst. "Nach dem schwachen Oktober ist es im November deutlich besser gelaufen", meinte Unicredit-Analyst Alexander Koch. "Auch das Weihnachtsgeschäft scheint ganz gut gewesen zu sein." Beides deute darauf hin, dass der private Konsum auch im vierten Quartal gewachsen sein dürfte.

Droht die harte Landung?

"Ein deutlicher Wachstumsschub wird vom Konsum allerdings nicht kommen", dämpfte Koch die Erwartungen. Vor allem wegen der schwächeren Industrieproduktion werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal schrumpfen. "Die Frühindikatoren wie der Ifo-Index geben aber Grund zur Hoffnung, dass es nur eine vorübergehende Delle sein wird und eine Rezession ausbleibt."

Ulrike Rondorf von der Commerzbank stufte die November-Daten ähnlich ein: "Damit wird das Minus aus dem Oktober korrigiert. Auf der anderen Seite unterstützen die Einzelhandelsdaten weiterhin unsere Prognose, dass die Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft ist."

Zusammengenommen lägen die Einzelhändler im Oktober und November unter dem Durchschnitt des dritten Quartals, betonte Rondorf. "Wenn man sich dazu die Zahlen in der Industrie ansieht, ist zu befürchten, dass die Wirtschaftsleistung um mindestens 0,3 Prozent verglichen mit dem dritten Quartal geschrumpft ist. Der Ifo-Geschäftsklimaindex und andere Frühindikatoren machen aber Hoffnung, dass es zu Jahresbeginn zumindest nicht weiter nach unten geht."

Quelle: n-tv.de

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