Wirtschaft

Stärkere EZB-Geldflut: Die Deutschen schießen quer

EZB-Chef Draghi stößt mit seiner Aussage, die ultra-lockere Geldpolitik notfalls nochmals zu verstärken, auf Widerstand. Nach Bundesbank-Präsident Weidmann spricht sich nun auch EZB-Direktorin Lautenschläger dagegen aus.

Sabine Lautenschläger stellt sich gegen Mario Draghis Ansinnen.
Sabine Lautenschläger stellt sich gegen Mario Draghis Ansinnen.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB), Sabine Lautenschläger, hat sich mit ungewöhnlich deutlichen Worten gegen eine weitere Öffnung der Geldschleusen in der Eurozone ausgesprochen. Lautenschlägers Äußerungen auf einer Veranstaltung in München zeigen, dass im obersten EZB-Führungszirkel zehn Tage vor der Zinssitzung im Dezember noch längst keine Einigkeit über den weiteren Kurs besteht.

Erst am Freitag hatte EZB-Präsident Mario Draghi die bislang klarsten Signale gegeben, dass er wegen der hartnäckig niedrigen Inflation bereit ist, die ohnehin bereits ultra-lockere Geldpolitik notfalls nochmals zu verstärken.

Lautenschläger sagte: "Für mich ist es eindeutig: Ich sehe derzeit keinen Grund für weitere geldpolitische Maßnahmen, vor allem nicht für eine Ausweitung des Ankaufprogrammes." Bei solchen unkonventionellen Schritten sei besondere Vorsicht geboten. "Vor allem fürchte ich, dass bei späteren Aufstockungen ein immer größerer Mitteleinsatz notwendig sein wird, um den gleichen Effekt zu erzielen", warnte die EZB-Direktorin. Sie warb vielmehr dafür, den bisherigen geldpolitischen Schritten Zeit zu geben, die volle Wirkung zu entfalten.

Magere Ausbeute

Die EZB und die nationalen Zentralbanken pumpen seit gut neun Monaten Woche mit dem Kauf von Staatsanleihen der Euro-Länder Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem, um Geldhäuser zur Vergabe von mehr Krediten an die Wirtschaft zu bewegen. Das soll die Konjunktur anschieben und für steigende Preise sorgen. Die Auswirkungen auf die Preisentwicklung blieben bisher aber mager. Das Programm ist aktuell auf 1,14 Billionen Euro angelegt.

Die Lage in der Eurozone habe sich im Vergleich zum Januar nicht wesentlich verschlechtert, sagte Lautenschläger. Außerdem wirkten die niedrigen Energiepreise sich positiv auf die Einkommen aus und führten zu mehr Konsum, sagte das deutsche Mitglied im sechsköpfigen EZB-Führungsteam. "All das zusammengenommen belegt, dass sich der Euroraum nicht in einer Situation befindet, in der eine weitere geldpolitische Lockerung alternativlos wäre."

Mit ihren klaren Worten springt die EZB-Direktorin Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zur Seite, der der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB schon seit langem kritisch gegenüber steht. Eine Ausweitung des geldpolitischen Stimulus würde über das Ziel hinausschießen, warnte Lautenschläger. Solch ein Schritt wäre nur zur Bannung einer herausragenden Gefahr, wie einer Deflation, zu rechtfertigen. "Von solchen Gefahren sind wir aber weit entfernt", betonte sie.

Quelle: n-tv.de

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