Wirtschaft
(Foto: AP)

Bernanke lässt Tür für Hilfen offen: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Mit einem geschickten Schachzug zieht sich US-Notenbankchef Bernanke aus der Affäre. Er verspricht nichts, lässt aber Raum für vieles. Mit einem konkreten Zeitplan nimmt er außerdem die Kritiker ultralockerer Maßnahmen aus den eigenen Reihen in die Pflicht, zu Lösungen zu kommen.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Kaum anders ist wohl zu erklären, dass es an den Weltbörsen nach der Rede von Fed-Chef Ben Bernanke in Jackson Hole nicht zu dem befürchteten Ausverkauf kam. Denn der mächtigste Notenbanker der Welt hat den Spekulanten rund um den Globus zwar nicht den erhofften neuen Geldregen - QE3 - gegeben, aber er hat den Märkten ein neues Datum genannt, auf das sich die Erwartungen aller Finanzmarktakteure nun konzentrieren werden: Es ist der 21. September.         

Dann steht nach dem auf zwei Tage verlängerten Treffen des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve erneut die derzeitige Gretchenfrage der US-Geldpolitik ganz oben auf der Agenda: "Ben, wie hältst Du's mit QE3?" "Helikopter-Ben" hat sich in den Rocky Mountains alle Optionen offen gelassen und er hat sich und der innerlich zerrissenen Notenbankführung vier Wochen Zeit verschafft, bis die Märkte das nächste Mal sein Ass im Ärmel sehen wollen. Er hat zugleich den Druck auf die Politiker in Washington erhöht, etwas für die maue Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu tun. Und er hat die Form gewahrt: Schließlich entscheidet bei der Fed nicht der Chef, sondern das Gremium mit dem sperrigen Namen "Offenmarktausschuss" über die Geldpolitik.

Laute Kritiker

Und im FOMC sowie bei den regionalen Fed-Häuptlingen in der Provinz haben Bernanke und sein expansiver geldpolitischer Kurs beileibe nicht nur Freunde: Nur Stunden vor der weltweit mit Spannung erwarteten Rede Bernankes in Jackson Hole stellte etwa der Chef der Fed von Philadelphia, Charles Plosser, öffentlich in einem Interview den Sinn einer weiterem dritten Runde von Anleihekäufen in Frage. "Ich bin mir nicht sicher, ob mehr quantitative easing angesichts der Probleme die wir haben hilfreich wäre," sagte Plosser. Und offener als Anfang August, als drei FOMC-Mitglieder gegen die Festlegung der Fed auf ultraniedrige Zinsen für sage und schreibe 24 Monate Front machten, kann Opposition kaum sein.

Bernanke tut also gut daran, wenigstens die Top-Leute innerhalb der Notenbank mitzunehmen und zu überzeugen, meint etwa Christian Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank: "Er wird bei dem nächsten Treffen des FOMC versuchen, seine Kollegen davon zu überzeugen, zu agieren, wenn die Wirtschaftsdaten nur schlecht genug sind. Er selbst hat (in Jackson Hole) klar gemacht, dass er persönlich einer dritten Runde geldpolitischer Lockerung - QE3 - oder aber anderen kurzfristigen Maßnahmen zuneigt." Julian Callow von Barclays Capital geht noch einen Schritt weiter: "Dass das FOMC-Treffen um einen Tag verlängert wurde zeigt, dass die Fed-Zentrale (in Washington) bereit ist, mit den Abweichlern zu ringen. Bernanke mag unter dem Druck der Märkte stehen, aber er muss das FOMC mitnehmen."

Viele Fronten

Doch Bernanke steht wegen seiner Geldpolitik nicht nur unter Druck im eigenen Haus, sondern auch von Seiten der Politik - insbesondere bei der ultrarechten "Tea Party"-Bewegung. Er selbst würde den Ball am liebsten sofort ins Spielfeld der Politik zurückspielen. Das machte Bernanke in Jackson Hole überdeutlich: Kongress und Repräsentantenhaus seien die Orte, wo die Grundlagen für ein langfristig stabiles Wachstum der US-Wirtschaft gelegt werden müssten. Doch der Weg ist weit: Im zweiten Quartal wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt um gerade einmal ein Prozent, die Arbeitslosenquote verharrt bei rund neun Prozent.

Und was macht die Fed? Nach Bernankes Grundsatzrede bleibt wieder die Frage: Kommt bald QE3 und damit eine neue riesige Geldschwemme mit allen ihren Risiken und Nebenwirkungen? Fed-Kenner Harm Bandholz von der italienischen Großbank Unicredit glaubt, dass letzlich die Wirtschaftsdaten entscheidend sein werden und nicht der Druck der Märkte: "QE3 ist nicht vom Tisch. Wenn die Konjunktur sich dramatischer verschlechtert als erwartet und folglich der Inflationsdruck soweit nachlässt, dass wieder Sorge vor einer Deflation aufkommt, wird die Fed wahrscheinlich ihre groß angelegten Anleihenkäufe wieder aufnehmen."     

Der 21. September 2011 könnte der Tag sein, an dem Bernanke die Welt und die Weltbörsen auf neue Dollarfluten vorbereitet. Einstweilen bleibt den Märkten nur die Hoffnung, meinen die Ökonomen der Societe Generale. "Versprochen hat Bernanke nichts."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen