Dienstag, 09. März 2010
Was von Zinsen übrig blieb: Die Milliardengewinne der Bundesbank
Nikolas Neuhaus
In den Tresoren der Bundesbank schlummern auch die Goldreserven des Bundes.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
Jahr für Jahr erwirtschaftet die Bundesbank milliardenschwere Überschüsse. Anders als bei einer Privatbank knallen jedoch nicht die Champagnerkorken in der Hauptverwaltung, auch auf üppige Boni dürften die Bundesbanker trotz des hohen Überschusses vergeblich warten. Ein hoher Gewinn ist nämlich nicht die Aufgabe der Bundesbank, sondern lässt sich im Rahmen ihrer Arbeit - salopp gesagt - kaum vermeiden.
Eine zentrale Aufgabe der Bundesbank ist die Versorgung der deutschen Banken mit Geld. Sie ist die Bank, an die sich Geschäftsbanken wenden, um kurzfristig Geld zu leihen. Solche kurzfristigen Kredite sind für die Banken jedoch nicht umsonst, sondern müssen, wie bei jedem anderen Bankkredit auch, verzinst werden. Wie hoch dieser Zinssatz ist, hängt maßgeblich von der Geldpolitik in der Euro-Zone ab. Mit ihm versuchen die Notenbanker, die Inflation durch angemessen hohe Zinsen zu begrenzen, ohne die Wirtschaft durch eine zu hohe Zinsforderung abzuwürgen.
Wenn die Bundesbank also durch Zinsen Geld von den Banken einnimmt, dann ist ihr Ziel dabei nicht die Gewinnmehrung, sondern die Umsetzung der Geldpolitik. Zinserträge machen den Löwenanteil des Bundesbank-Gewinns aus. Daneben kommt der Bundesbank auch die Aufgabe zu, die Gold- und Devisenreserven des Bundes zu verwalten, wobei ebenfalls Überschüsse anfallen.
Ab ins Konjunkturpaket
Grund zur Gram ist ein milliardenschwerer Überschuss freilich nicht. Zur Freude des Finanzministers fließt das Geld mit bis zu 3,5 Mrd. Euro in den Bundeshaushalt. Bislang wurden alle darüber hinausgehenden Gewinne eingesetzt, um die hohen finanziellen Lasten der deutsch-deutschen Wiedervereinigung abzuzahlen. Die schlummern im so genannten Erblastentilgungsfonds, dürfte jedoch bald abgegolten sein. Künftig sollen daher alle Bundesbank-Überschüsse oberhalb von 3,5 Mrd. Euro in die Finanzierung des Konjunkturpakets II fließen.
Ihren bisher höchsten Gewinn erzielte die Bundesbank im Jahr 1997. Damals erzielte sie einen Überschuss von 12,4 Mrd. Euro. In ungünstigen Zeiten können bei der Bundesbank auch Verluste anfallen, wie beispielsweise in den 1970er Jahren.
Hintergründe zur Nachricht
Wirtschaft
-
Hiobsbotschaften und "Todeskreuz"
Dax kennt kein Halten
-
"Das Urteil ist gefallen"
Schlecker steht vor dem Aus
-
Defizitabbau darf länger dauern
EU kommt Spanien entgegen
-
Zwischen Krisenangst und Optimismus
Konjunktur bleibt wackelig
-
Rätselraten um Bankia-Hilfen
EZB wurde gar nicht gefragt
-
Spanien-Angst wächst
Euro sackt auf Zweijahrestief
-
Im Sog des schwachen Euro
Rohstoffpreise fallen
-
Hype, Optionen, Börsenpsychologie
Wie tief fällt Facebook noch?
-
Banken kehren Europa den Rücken
China scheut das Risiko
-
(Turbo)-Calls auf Silber
143% Gewinn bei 32 $ möglich
-
Deal mit Booker
Metro schlägt britische Märkte los
-
Madrid wagt sich zu weit vor
EZB will Bankia nicht helfen
