Wirtschaft
(Foto: imago/blickwinkel)

Ökonomen-Barometer: Die Perspektiven verdüstern sich

Von Wolfgang Ehrensberger

Die Sorgenfalten auf der Stirn führender Ökonomen werden tiefer. Sie beurteilen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft noch pessimistischer als bisher. Sie befinden sich damit in Übereinstimmung mit der Bundesregierung.

Das Ökonomen-Barometer von n-tv und "Euro am Sonntag" hat seinen Sinkflug auch im Oktober fortgesetzt. Der Wert für die aktuelle Einschätzung lag nicht nur neun Prozent unter dem Vormonat. Er ist mit 49,0 Punkten auch unter die 50-Punkte-Linie gerutscht, die Stagnation signalisiert. Die Prognose für die kommenden zwölf Monate lag mit 43,8 Punkten zehn Prozent unter dem Vormonatswert von 48,8 Punkten.

Ähnliche Werte unterhalb der 50er Linie hatte es zuletzt Ende 2012 gegeben. Damit befinden sich beide Indikatoren seit den jüngsten Höchstständen im April 2014 im Abwärtstrend. Im Frühjahr lag der Wert für den aktuellen Stand noch bei 64,8, die Prognose bei 72,5 Punkten. Damit schlagen sich die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten in Deutschland auch in den Einschätzungen der führenden deutschen Volkswirte nieder.

Die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) waren im Oktober ebenfalls auf den niedrigsten Wert seit November 2012 gesunken. Die Bundesregierung hatte am Dienstag ihre Wachstumserwartungen zurückgeschraubt. Demnach soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr statt der bislang erwarteten 1,8 nur noch um 1,2 Prozent wachsen, 2015 statt 2,0 um 1,3 Prozent.

Streit um Rüstungsaufträge

Im Streit um die Vergabe von Rüstungsprojekten durch die Bundesregierung sehen die führenden Volkswirte vor allem die Wirtschaft in der Pflicht. 60 Prozent der Befragten  sind der Ansicht, dass die Industrie ihre Lieferzusagen und Kostenziele besser umsetzen müsse. Immerhin 23 Prozent meinen, dass hier vor allem die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium gefordert wären. Sie müssten ihre Verträge stärker spezifizieren, forderte etwa Andreas Freytag von der Uni Jena.

Der Chef des Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns Airbus, Thomas Enders, hatte vergangene Woche schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung im Umgang mit Rüstungsprojekten erhoben. "Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche", sagte Enders. Er erklärte, sein Konzern werde nie wieder einen Vertrag wie den für den Militärtransporter A400M unterzeichnen. "Wir werden uns nicht noch mal in die Tasche -lügen und zu Veinbarungen drängen lassen, wenn Termine und Budgets unrealistisch sind", sagte er.

"Wichtig ist, dass die Vertragsbasis gestärkt wird", sagt dazu Thomas Gitzel von der VP Bank Gruppe. "Auch die Industrie muss sich gegenüber Nachbesserungen besser schützen."

Eine Konsolidierung des noch immer als zu kleinteilig geltenden europäischen Rüstungssektors halten die meisten der befragten Ökonomen für sinnvoll. Dabei meinen 40 Prozent der Befragten, dass sich der Staat hierbei nicht einmischen soll. Ebenfalls rund 40 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Konsolidierung aus, die vor allem auf -europäischer Ebene stattfinden sollte. Konsolidierung auf nationaler Ebene halten lediglich vier Prozent für sinnvoll.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall peilt derzeit einen Zusammenschluss mit dem französischen Staatskonzern Nexter an. Als Alternative gilt ein nationaler Zusammenschluss von Rheinmetall und dem Panzerhersteller Krauss-Maffei-Wegmann.

Quelle: n-tv.de

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