Wirtschaft

Fragen und AntwortenDie Risiken der Großbanken

29.06.2010, 11:37 Uhr
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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Haben Europas Banken etwas zu verstecken? In der EU ist ein Streit um die Veröffentlichung der Ergebnisse von Stresstests ausgebrochen. Hier die Kernfragen des Streits.

Haben Europas Banken etwas zu verstecken? In der EU ist ein Streit um die Veröffentlichung der Ergebnisse von Stresstests ausgebrochen. Vor allem Spanien und inzwischen auch die Bundesregierung setzen sich für die Veröffentlichung detaillierter Prüfberichte zu einzelnen großen Banken ein. Die Institute halten das überwiegend für falsch. Hier die Kernfragen des Streits.

Was sind Stresstests?

Mit einem Stresstest kann in der Bankenwelt untersucht werden, ob ein Institut auch bei sehr negativen Entwicklungen an den Märkten oder bei Konjunktureinbrüchen überleben kann. Übertragen auf die Finanzlage eines Verbrauchers kann zum Beispiel geprüft werden, ob Einnahmen, Ersparnisse oder Versicherungsschutz auch dann ausreichen, wenn Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgehen, der Arbeitgeber pleite geht und ein neuer Job erst in einem Jahr gefunden wird.

Was brachten bisherige Stresstests?

Am 1. Oktober 2009 veröffentlichte die europäische Bankenaufsicht (CEBS) ihren ersten großen Stresstest - aber nur als Zusammenfassung und nicht für einzelne Institute. Insgesamt waren 22 große Banken in Europa untersucht worden. Das negativste Szenarium ging zum Beispiel von einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts in der EU im laufenden Jahr von 2,7 Prozent aus und einer Arbeitslosigkeit von 12 Prozent. Selbst unter diesen Umständen, so das Ergebnis, würden alle Institute bis Ende 2010 den aufsichtsrechtlichen Vorgaben nachkommen können. Die Stresstests müssen aber regelmäßig wiederholt und die Szenarien angepasst werden.

Warum werden Einzelergebnisse geheim gehalten?

Die Aufsichtsbehörden in Deutschland sind grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. So dürfen sie sich zwar die Bücher der Banken genau ansehen, aber in der Regel genausowenig wie Steuerprüfer konkrete Ergebnisse zu einzelnen Banken veröffentlichen. Allerdings könnte die Rechtslage auch geändert werden, so dass bestimmte Daten öffentlich werden. Schließlich müssen die Institute auch schon heute eine Unmenge an Informationen aus ihren Bilanzen in den Geschäftsberichten veröffentlichen.

Was würde für die Veröffentlichung sprechen?

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise gibt es extremes Misstrauen an den Märkten. So verleihen sich zeitweise Banken untereinander zum Beispiel kaum noch Geld, weil sie die Risiken einer Pleite nicht einschätzen können und parken die Mittel dann bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu niedrigeren Zinsen. Eine Veröffentlichung der Stresstest-Daten - so die Hoffnung der Befürworter - könnte das Vertrauen stärken und das Funktionieren der Geldmärkte sichern.

Warum wehren sich die Banken?

Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) befürchtet zum Beispiel, dass die Märkte bei Bekanntgabe bestimmter Ergebnisse überreagieren könnten. "Die Veröffentlichung von Stresstests ist kontraproduktiv und kann in bestimmten Fällen zu Fehleinschätzungen in den Märkten führen", hieß es in einer Mitteilung. Sprecher Stephan Raabe nennt ein Beispiel: Was würde passieren, wenn nach einem Stresstest veröffentlicht würde, dass eine von 22 Banken in einer Schieflage sei? Eine Sanierung etwa durch eine Finanzspritze wäre dann möglicherweise nicht mehr möglich, weil Kunden massiv Gelder abziehen könnten.

Haben die Banken etwas zu verstecken?

VÖB-Sprecher Rabe sagt Nein: "Es soll nichts vertuscht werden." EZB, Bundesbank und die Bankenaufsicht Bafin hätten die Daten alle vorliegen, Experten hätten auch unabhängig von der Veröffentlichung der Stresstests Zugang zu zahlreichen Informationen. Schließlich könne auch mit einem TÜV-Gutachten eines Kernkraftwerks in der Öffentlichkeit kaum jemand etwas anfangen. Und ohnehin sei die Debatte derzeit eher ein "Hype": "Ich sehe keine Bank, die im Feuer steht."

Quelle: dpa