Wirtschaft
Sonne zu Strom wird auch in den USA beliebter.
Sonne zu Strom wird auch in den USA beliebter.(Foto: picture alliance / dpa)

Neue Energie: Die Wiederauferstehung von Solarworld

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Vor zwei Jahren stand Solarworld am Rande der Pleite. Nun scheint dank robuster Nachfrage aus den USA wieder die Sonne. Das neue Gesetz für saubere Energie von Präsident Obama treibt die Aktie an. Geht die Rally weiter?

Nach einem zwölfmonatigen Seitwärtstrend ist die Solarworld-Aktie Anfang Juli in den Rally-Modus gewechselt. Damals hatte US-Präsident die Vorlage eines Gesetzes angekündigt, mit dem das Wachstum der Solarindustrie kräftig angekurbelt werden soll. Am 3. August hat Obama dann seinen "Clean Energy Plan" vorgelegt. Damit stellte das Weiße Haus die endgültige Fassung seines Plans für saubere Energie zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen von Kraftwerken vor. Die neuen Regeln beruhen auf einem Vorschlag der Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA). Demnach muss der Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken bis 2030 um 32 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 verringert werden. Die EPA hatte zuvor einen Rückgang um "nur" 30 Prozent avisiert.

Während der Anteil von Kohlekraftwerken an der Stromproduktion auf 27 Prozent verringert werden soll (2014: 39 Prozent) soll der Anteil der Erneuerbaren Energien, wie Solar und Wind, kräftig gesteigert werden. Der Ausbau ist dringend notwendig, steuerte die Solarenergie im Jahr 2014 lediglich 0,4 Prozent der Stromerzeugung in den USA bei, während Windkraft 4,4 Prozent ausmachte. Bis September 2016 müssen die einzelnen Bundesstaaten konkrete Pläne ausarbeiten, wie sie Obamas Vorhaben umsetzen wollen.

Wachstumsmotor USA

Mit dem Plan verbessern sich die Geschäftsperspektiven des deutschen Solarmodul-Herstellers Solarworld, auch weil das US-Handelsministerium Anfang Juli nicht zuletzt auf Betreiben der US-Tochter von Solarworld die seit Dezember 2012 geltenden Antidumping- und Antisubventionszölle für Solarzellimporte aus China bestätigte. Das erleichtert Konzernen wie Solarworld das Leben erheblich. Im laufenden Jahr soll laut Experten die installierte Leistung in den USA um 30 Prozent auf 8,1 Gigawatt (GW) nach oben schießen.

Solarworld hat im ersten Halbjahr den dortigen Absatz auf 229 Megawatt (MW) mehr als verdoppelt. Der Erlös hat noch deutlich stärker zugelegt auf 175,3 Millionen Euro. Damit macht das US-Geschäft nun 54,8 Prozent der Konzernerlöse aus, gegenüber 34 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen ist damit auch eines der großen Profiteure des starken Dollar, denn er heizt das Ergebnis des Solarmodul-Herstellers an. Der Konzern stellt zudem verstärkt auf die PERC-Technologie ("Passive Emitter Real Cell") um, nicht nur am US-Standort Hillsboro, sondern auch in Freiberg (Sachsen) und Arnstadt (Thüringen). Die Technologie führt durch neue Beschichtungsprozesse auf der Vorder- und Rückseite zu höheren Wirkungsgraden. Derweil waren das Geschäft in Europa und Japan weitgehend stabil. Insgesamt stieg der Umsatz von Solarworld um 40,3 Prozent auf 320 Millionen Euro.

Turnaround im Blick

Durch den konzernweiten Umsatzanstieg verbessert sich auch das Ergebnis zusehends. Im ersten Halbjahr ging der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 12,2 Millionen Euro zurück. Vorstandschef Frank Asbeck bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr: die Umsätze sollen um 25 Prozent zulegen und das operative Geschäft wieder schwarze Zahlen schreiben. Ob dies tatsächlich gelingt, wird teilweise auch von der Entwicklung der Preise für Kohle, Öl und Gas abhängen. Wenn der Preis der Rohstoffe weiter verfällt, dürften viele US-Verbraucher oder Unternehmen es sich zweimal überlegen, ob sie sich eine Solaranlage zulegen. Kurzfristig könnten allerdings die Nachrichten zum "Clean Energy Plan" von Barack Obama die Aktie noch ein wenig anheizen.

Quelle: n-tv.de

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