Wirtschaft
Rund die Hälfte aller Mitarbeiter bangt wieder um ihre Jobs.
Rund die Hälfte aller Mitarbeiter bangt wieder um ihre Jobs.(Foto: picture alliance / dpa)

Mitarbeiter fürchten um Jobs: Dienstleister dreht Weltbild den Geldhahn zu

Einst war Weltbild das unternehmerische Flaggschiff der katholischen Kirche. Das ist jedoch Vergangenheit. In der Gegenwart nämlich häufen sich die Hiobsbotschaften für die Mitarbeiter - denn deren Zukunft ist ungewiss.

Vor einem Jahr jubelten die Weltbild-Mitarbeiter noch über das Düsseldorfer Familienunternehmen Droege, das nach der Pleite des Augsburger Kirchenkonzerns die Mehrheit übernahm. Das sieht inzwischen anders aus. Beschäftigte und die Gewerkschaft Verdi werfen Konzernchef Droege nun vor, den Medienhändler kaputt zu sparen und wirtschaftlich sinnlose Massenentlassungen zu fordern: "Walter Droege hat die Verträge, die im Rahmen des Betriebsübergangs nach der Insolvenz ausgehandelt wurden, nicht eingehalten", heißt es auf dem Weltbild-Blog von Verdi.

Nun kam die nächste Hiobsbotschaft: Droeges Schweizer Dienstleistungstochter Also, die nach der Insolvenz die Weltbild-Logistik übernommen hatte, dreht den Geldhahn zu. Der Also-Konzern habe entschieden, bei der Augsburger Tochter "die weitere Finanzierung des laufenden Geschäftes einzustellen". Im ersten Halbjahr habe die Tochter vier Millionen Euro Verlust gemacht, hieß es. Folge: Die Also Logistics Services GmbH will nun ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen und dann einen Sanierungskurs umsetzen.

Rund 450 Mitarbeiter, nahezu die Hälfte der ehemaligen Weltbild-Belegschaft in Augsburg, bangen nun wieder um ihre Jobs. "Wir sind in derselben Situation wie letztes Jahr", meinte Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck. "Die Mitarbeiter zahlen jetzt die Zeche für Droeges Kurs des Nichtumsatzmachenwollens." Das Problem bei dem Logistiker sei, dass man es nicht geschafft habe, neben dem Paketversand für Weltbild weiteres Drittgeschäft hereinzuholen.

Weltbild konnte sich gegen Amazon nicht beweisen

Einst war Weltbild das unternehmerische Flaggschiff der katholischen Kirche in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen als christlicher Magazin- und Buchverlag gegründet. Ab den 1970er Jahren entstand daraus ein Katalogversand für Bücher. Es folgte die Eröffnung von Filialen und die Expansion nach Österreich und in die Schweiz.

Doch im Internet-Zeitalter konnte sich Weltbild nie richtig gegen den Online-Giganten Amazon behaupten. Anfang 2014 schlitterte das Mutterhaus in die Pleite. Seitdem verloren schon zahlreiche Mitarbeiter ihre Jobs, und Buchhandlungen wurden im großen Stil geschlossen oder verkauft. Ergebnis: Weltbild schrumpfte ein ums andere Mal.

Wohin die Reise geht, ist selbst für Verdi-Mann Gürlebeck unklar. Er vermutet, Droege wolle letztlich ein schlankes Unternehmen mit niedrigen Löhnen. Zuletzt verhandelte der Betriebsrat wieder mit den Chefs der jetzigen Weltbild-Gesellschaft und dem Logistiker Also über einen neuen Stellenabbau. Da es keine Verständigung gab, richtete das Arbeitsgericht eine Einigungsstelle für beide Firmen ein.

Wenig Einfühlungsvermögen mit Beschäftigten

Dort stehen nun weitere 60 Jobs bei Weltbild sowie 150 bei Also im Feuer. Wobei nach dem Insolvenzantrag ohnehin die Karten neu gemischt werden dürften. So oder so reißen für die Mitarbeiter die schlechten Nachrichten nicht ab. Erst zum Jahresanfang hatte Weltbild 67 nicht lukrative Läden an einen in der Branche fast völlig unbekannten Investoren verkauft, der die Weltbild-Läden als Buchhandelskette "Lesensart" weiterführen wollte. Die Bruchlandung kam für das Unternehmen aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen in der vergangenen Woche: Auch "Lesensart" ist pleite und nun ein Fall für das Insolvenzgericht.

Aus Augsburg erhielten die in der Republik verstreuten ehemaligen Weltbild-Mitarbeiter da keine Unterstützung. Die Weltbild-Führung betonte in einer Erklärung, dass man überrascht und ansonsten selbst von der "Lesensart"-Insolvenz nicht betroffen sei - zeigte darüber hinaus aber wenig Einfühlungsvermögen mit den Beschäftigten, die ein paar Monate zuvor noch auf den Weltbild-Gehaltszetteln standen. Ähnlich fiel auch die Erklärung bei der Insolvenz des Logistikers aus: Weltbild und Also seien völlig "getrennte Unternehmen", sagte Weltbild-Chef Patrick Hofmann lediglich.

Quelle: n-tv.de

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