Wirtschaft

Sonne lockert GeldbeutelDienstleister im Aufwind

07.04.2010, 15:36 Uhr
AP97103102110
In "Bella Italia" gehen die Geschäfte, zumindest im Dienstleistungsbereich, wieder sehr gut. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die Stimmung unter den Dienstleistern der Euro-Zone ist blendend. Der Branchenindex Markit legte im März so stark zu wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Angesichts des warmen Wetters steige die Kaufbereitschaft der Kunden.

Die Dienstleister in der Euro-Zone setzen zur Aufholjagd an. Im März legte die Branche dank der Konjunkturbelebung so stark zu wie seit November 2007 nicht mehr, wie aus der Markit-Umfrage unter etwa 2000 Firmen hervorgeht. Inzwischen steigern die Firmen in allen größeren Euro-Ländern ihre Geschäfte und blicken zudem so optimistisch in die Zukunft wie seit vier Jahren nicht mehr. Weil auch die Industrie kräftig wächst, sehen Experten nun zunehmende Chancen auf einen nachhaltigen Aufschwung.

Der an den Finanzmärkten viel beachtete Markit-Einkaufsmanagerindex stieg um 2,3 auf 54,1 Punkte. In Deutschland schnellte das Barometer sogar um drei Zähler auf 54,9 Punkte nach oben und erreichte damit den höchsten Stand seit April 2008. Das mache Hoffnung, dass die Erholung auf breiterem Fundament stehe, sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. Die Firmen profitierten von der stärkeren Nachfrage nach Dienstleistungen; angesichts des wärmeren Wetters sei die Ausgabebereitschaft der Kunden gestiegen, schrieben die Forscher. Das kam in Deutschland Hotels und Gaststätten zugute, bei denen die Geschäfte besser liefen. Bei Speditionen ging es nach dem Ende des Winters nach oben, Finanzdienstleister berichteten ebenfalls über anziehende Geschäfte.

Italien ganz vorne, Spanien wiedererstarkt

Doch auch in den anderen Euro-Ländern kam die Dienstleistungskonjunktur in Schwung. Sogar das besonders stark von der Wirtschaftskrise gebeutelte Spanien befreite sich aus der Rezession, in Italien schnellte das Wachstum so stark nach oben wie in keinem anderen größeren Euro-Land. In Frankreich fiel der Zuwachs dagegen etwas schwächer aus als im Vormonat.

Die Firmen bauten kaum noch Arbeitsplätze ab, in Deutschland wurden sogar den zweiten Monat in Folge Jobs geschaffen. Dabei spielte eine Rolle, dass die Auftragspolster europaweit so stark zunahmen wie seit Oktober 2007 nicht mehr. "Der bislang abgeschlagene Service-Sektor hat zur Aufholjagd angesetzt, wodurch der Aufschwung im weiteren Jahresverlauf an Breite und Nachhaltigkeit gewinnen dürfte", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Die Erholung der Euro-Zone von der heftigen Rezession 2009 war bisher vor allem von der Industrie getragen. Dieser Wirtschaftszweig hatte auch im März deutlich zugelegt. Der Markit Composite-Index, der beide Sektoren zusammenfasst, stieg um 2,2 auf 55,9 Punkte und signalisierte das stärkste Wachstum der Privatwirtschaft seit August 2007. Markit-Experte Williamson geht deshalb davon aus, dass das geringe Wirtschaftswachtsum im Währungsraum Ende 2009 nur eine Konjunkturdelle war, aber keine "allgemeine Trendumkehr". Zum Jahresende 2009 stagnierte die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone. Grund für den Rückschlag waren schrumpfende Investitionen. Nur höhere Exporte und steigende Lagerbestände verhinderten ein Rückfallen der Euro-Zone in die Rezession.

Quelle: dpa