Wirtschaft
Die Chefeinkäufer signalisieren eine Rückkehr des Wachstums.
Die Chefeinkäufer signalisieren eine Rückkehr des Wachstums.(Foto: picture alliance / dpa)

Eurozone kommt in Tritt: Dienstleister nähern sich Wachstumsgrenze

Die Wirtschaft der Eurozone findet langsam zurück in die Spur. Der Einkaufsmanagerindex kratzt wieder an der Wachstumsschwelle. Selbst aus den südeuropäischen Staaten kommen ermutigende Signale - auch wenn sich die Entwicklung vorläufig nicht auf den Arbeitsmarkt durchschlagen wird. Gut läuft es auch für Deutschland - und noch besser für Großbritannien.

In der Eurozone haben die Dienstleister im Juli das Tal der Tränen fast verlassen können. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) erreichte mit 49,8 Zählern nach anderthalb trostlosen Jahren beinahe die Wachstumsschwelle von 50 Punkten, wie der Datendienstleister Markit in seiner zweiten Veröffentlichung mitteilte. Damit wurde die Schnellschätzung von 49,6 Punkten nach Auswertung aller Daten um 0,2 Punkte übertroffen.

Deutlich entspannt hat sich die Lage der Branche auch in Sorgenländern Italien und Spanien. Auch beim Wackelkandidaten Frankreich sieht es nicht mehr so düster aus. In der zweiten Veröffentlichung übertrafen die Dienstleistungs-PMI in allen drei Ländern die vorläufigen Zahlen. Mit 48,6 Zählern erreichte das Konjunkturbarometer in Frankreich im Juli ein 11-Monatshoch.

Ermunternde Signale aus Südeuropa

Die Umfrage unter den italienischen Chefeinkäufern ergab 48,7 Punkte, was einen Zuwachs um 2,9 Zähler gegenüber Juni bedeutet. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone liegt der PMI damit auf einem 25-Monatshoch. In Spanien kletterte der Index den dritten Monat in Folge und erreichte 48,5 Punkte. Das heißt, dass in den drei Schwergewichten der Eurozone der Service-Sektor zwar immer noch schrumpft, aber ein Ende der Rezession absehbar ist.

Insgesamt scheint die Eurozonen-Wirtschaft zu Beginn des dritten Quartals den Abschwung abzuschütteln. Der kombinierte Index aus Industrie und Dienstleistungen kam auf 50,5 Punkte. Er war damit 0,1 Punkte stärker als zunächst gemeldet. Schrittmacher der Entwicklung ist die Industrie. Sie weitete die Produktion so stark aus wie seit Mitte 2011 nicht mehr.

"Einige Euroländer profitierten von der gestiegenen Exportnachfrage, doch der eigentliche Hoffnungsfunke für die Konjunktur ist die Stabilisierung der Binnenmärkte", sagte Markit-Volkswirt, Rob Dobson. Denn die Entspannung auf den heimischen Märkten helfe vor allem den Dienstleistern. Trotz des sich abzeichnenden Mini-Wachstums warnte Dobson vor zu viel Euphorie. Ein schneller Abbau der Arbeitslosigkeit steht nicht bevor.

Ausgabebereitschaft in Deutschland wächst

Auch in Deutschland schreitet die Erholung der Wirtschaft voran. Steigende Auftragszahlen haben im Juli für einen erneuten Zuwachs im deutschen Dienstleistungssektor gesorgt. Der Einkaufsmanagerindex stieg von 50,4 auf 51,3 Punkte. Allerdings wurden in zweiter Veröffentlichung die vorläufigen Zahlen nach unten revidiert. In erster Schätzung hatte Markit noch einen Wert von 52,5 Punkte errechnet. Es bleibt dennoch der höchste Stand seit fünf Monaten.

Nachdem die Geschäfts- und Privatkunden in den vergangenen vier Monaten allgemein weniger Dienstleistungen in Anspruch genommen hatten, zeigten sie im Juli wieder eine größere Ausgabebereitschaft, wie Markit zusammenfasste. Das stärkste Plus verzeichnete der Bereich Post und Telekommunikation, gefolgt von der Vermittlung von Finanzdienstleistungen.

Das Wachstum sei zwar gegenüber den Jahren 2010 und 2011 eher gering ausgefallen, sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Doch "die Trendwende bei den Neuaufträgen weist stark darauf hin, dass die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte noch einen Gang zulegen kann."

Der aus der Produktionskomponente des Industrie-Index und dem Dienstleistungsindex gebildete Sammelindex stieg auf 52,8 von 50,4 Punkten im Vormonat.

Britischer Dienstleistungssektor brummt

Dagegen steuern die britischen Dienstleister auf eine neue Hochphase zu. Der  Einkaufsmanagerindex kletterte im Juli mit 60,2 Punkten auf den höchsten Wert seit sechseinhalb Jahren. Damit wurde der die Schnellschätzung, in der ein Stand von 56,9 Punkten errechnet wurde, deutlich übertroffen.

Die Unternehmen bekommen derzeit viele neue Aufträge und haben gut zu tun, bestehende Verträge abzuarbeiten. Die Auftragsbestände legten im Juli so stark zu wie seit Februar 2000 nicht mehr. Das Klima in der Branche ist deshalb rosig, was dazu führt, das neue Stellen geschaffen werden. Im Vereinigten Königreich bildet das nicht-verarbeitende Gewerbe das Rückgrat der Wirtschaft.

Nachdem die britische Wirtschaft bereits im zweiten Quartal ihre Schlagzahl erhöhte, weisen die Konjunkturbarometer aus allen Sektoren nach oben. "Die starken Juli-Werte aus dem Dienstleistungsbereich folgen auf ähnlich starke Daten vom Bau und aus der Industrie. Die Erholung steht mehr und mehr auf einem breiten Fundament", ist sich Markit-Ökonom Paul Smith sicher.

In China stagnierte der Index im Juli laut der der Großbank HSBC bei 51,3 Punkten. "Die chinesischen Dienstleister haben sich auf einem niedrigen Wachstumslevel stabilisiert. Ohne einen Anstieg der Nachfrage, wird das Wachstum aber nur mäßig ausfallen, was auch den Stellenaufbau belasten wird", erklärte Qu Hongbin, Chefvolkswirt von HSBC für das Reich der Mitte.

Quelle: n-tv.de

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