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"The Daily" erscheint am 15. Dezember zum letzten Mal.
"The Daily" erscheint am 15. Dezember zum letzten Mal.(Foto: picture alliance / dpa)

Murdoch baut Konzern um: Digital-Zeitung "Daily" am Ende

Rupert Murdoch ist bekannt dafür, auch in schwierigen Zeiten zu Projekten zu stehen, von denen er sich etwas verspricht. Sky Deutschland ist das beste Beispiel. Bei der Digital-Zeitung "The Daily" zieht er dagegen den Stecker. Zweifel am Konzept und eine nicht erreichbare Profitabilität sind der Grund. Gleichzeitig bereitet der Medienmogul die Aufspaltung seines News Corp-Konzerns vor.

Rupert Murdoch spaltet seinen Medienkonzern auf: In der Fox-Gruppe wird das TV- und Film-Geschäft gebündelt, das Verlagsgeschäft bleibt bei News Corp.
Rupert Murdoch spaltet seinen Medienkonzern auf: In der Fox-Gruppe wird das TV- und Film-Geschäft gebündelt, das Verlagsgeschäft bleibt bei News Corp.(Foto: picture alliance / dpa)

Rupert Murdoch stellt die Weichen für die Zukunft seines Medienkonzerns - und gleichzeitig ein ambitioniertes Projekt ein: "The Daily" sollte die Zeitung der Zukunft werden: Rein digital, extra produziert für Tablet-Computer wie das iPad. Doch das teure Experiment schlug fehl. Die "Daily" erreichte nie die nötigen Abonnenten-Zahlen oder genug Werbeeinnahmen, um ihre Kosten zu decken. Jetzt zieht Medien-Mogul Rupert Murdoch mit der letzten Ausgabe am 15. Dezember den Stecker. Zeitungsmann Murdoch hielt immerhin fast zwei Jahre durch.

Schon bei der großen Vorstellung im Februar 2011 wurde klar, dass es hier um viel Geld geht. Murdoch hatte rund 30 Mio. Dollar in den Aufbau des Prestigeprojekts investiert. Er legte Wert darauf, dass die "Daily" eine komplett eigene Redaktion bekam und nicht nur ein Digital-Ableger anderer Blätter des Verlagshauses war. Die laufenden Kosten lagen nach Angaben zum Start bei rund einer halben Million Dollar pro Woche. Dabei buhlte die "Daily" mit Kampfpreisen um Leser: Ein Wochen-Abo kostete 99 US-Cent und ein Jahres-Abo knapp 40 Dollar. Nach Angaben von Sommer gab es aber nur 100.000 zahlende Abonnenten.

Umstrittenes Konzept

"Seit dem Start war 'The Daily' ein mutiges digitales Experiment", sagte Murdoch zum Abschied. Es sei aber nicht gelungen, ausreichend Leser zu gewinnen, um sie auf Dauer zu betreiben. Die Probleme waren schon länger unübersehbar. Bereits im August gab es eine Sparrunde, bei der 50 der zuvor 170 Arbeitsplätze wegfielen. Außerdem konnte man sich die Zeitung ab da nicht mehr um waagerechten Format ansehen. So sollte der technische und redaktionelle Aufwand für das alternative Layout gesenkt werden.

Nicht unumstritten war von Anfang an das Konzept der "Daily": Sie war als eine klassische Zeitung angelegt und nicht  als eine sich ständig verändernde Website. Die mehrere Dutzend Seiten starken Ausgaben werden jeden Morgen auf das Tablet geladen und nur spärlich aktualisiert. Dafür sollten Multimedia-Inhalte wie Videos, große Bilder oder interaktive Grafiken die Vorteile gegenüber einer gedruckten Zeitung betonen. Zunächst gab es die «Daily» nur für das iPad, im Januar 2012 kam eine Version für einige Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android hinzu.

"Neue Zeiten brauchen neuen Journalismus", hatte Murdoch plakativ bei "Daily"-Vorstellung erklärt. Der 81-Jährige, der sein Medienimperium als Zeitungsverleger und Eigentümer von TV-Stationen geschmiedet hatte, bleibt damit weiter glücklos im digitalen Geschäft. Schon der Kauf des inzwischen wieder abgestoßenen Online-Netzwerks MySpace für mehr als 500 Mio. Dollar brachte ihm hohe Verluste ein.

Von der Erfahrung mit "The Daily" sollen nun die anderen Titel des Verlags profitieren, hieß es. Ihr Herausgeber Greg Clayman soll künftig die weltweite Digital-Strategie beaufsichtigen und der erste "Daily"-Chefredakteur Jesse Angelo wird Herausgeber der "New York Post". Dem New Yorker Boulevard-Blatt sollen auch die Infrastruktur und zumindest ein Teil der Mitarbeiter zugeschlagen werden.

Weichen für die Zukunft gestellt

Gleichzeitig bereitet Murdoch sein Imperium auf die Zeit nach der Aufspaltung vor. Das größere Unterhaltungsgeschäft mit den Fox-Fernsehsendern sowie dem Filmstudio 20th Century Fox wird künftig unter Fox Group firmieren, während die kleinere Verlagssparte den bisherigen Konzernnamen News Corporation weiterführen wird.

Murdoch verriet auch, wer den Verlagszweig leiten soll: Es ist Robert Thompson, der Geschäftsführer seines Zeitungs-Flaggschiffs "Wall Street Journal". Firmengründer und Großaktionär Murdoch selbst wird das profitablere Unterhaltungsgeschäft lenken und zudem als Verwaltungsratschef beider Zweige fungieren. Damit hat er weiter das Sagen.

Der Medienkonzern soll bis Mitte kommenden Jahres aufgespalten werden, nachdem der Skandal um abgehörte Telefone bei der britischen Sonntagszeitung "News of the World" den Konzern schwer belastet hatte und das Zeitungsgeschäft allgemein einer schweren Zukunft entgegen sieht.

Murdoch kontrolliert auch den deutschen Bezahlsender Sky Deutschland, der aus Premiere hervorgegangen ist. Der chronisch defizitäre Sender scheint derzeit die Kurve in die Profitabilität zu bekommen. Das zuletzt deutliche Kundenwachstum dürfte vor allem am Bundesliga-Angebot des Pay-TV-Senders liegen. Ab der kommenden Spielzeit verfügt der Sender neben den TV-Erstausstrahlungsrechten auch die für die Übertragung im Internet. Der bisherige Rechteinhaber, die Deutsche Telekom, versucht deshalb mit Sky Deutschland eine Zusammenarbeit zu erreichen. Diese könnte sich für beide Seiten als Win-Win-Situation erweisen.

Quelle: n-tv.de

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