Wirtschaft
So geht das heute für die Mehrheit der Nutzer: Ein Stupser mit der Fingerspitze und schon startet die App.
So geht das heute für die Mehrheit der Nutzer: Ein Stupser mit der Fingerspitze und schon startet die App.(Foto: REUTERS)

Zuckerberg: "Mobiles Unternehmen": Facebook feiert den Aufbruch

Wachstum auf mobilen Endgeräten: Aus der Sicht der Investoren kann der Internetkonzern Facebook endlich seine bislang größte Schwäche überwinden. Im zurückliegenden Quartal verbucht das Soziale Netzwerk auch mobil kräftige Werbeeinnahmen - und registriert eine Zeitenwende im Online-Verhalten.

Der strategische Vorstoß in Richtung Smartphones und Tablet-Computer zahlt sich aus: Das weltgrößte Online-Netzwerk mit mehr als einer Milliarde Mitglieder hat im Schlussquartal annähernd jeden vierten Werbe-Dollar auf mobilen Geräten eingenommen. Noch im dritten Quartal war es erst jeder siebte Dollar. Facebook sei "ein mobiles Unternehmen" geworden, erklärte Gründer, Hauptaktionär und Firmenchef Mark Zuckerberg.

Dabei waren Smartphones bislang die Schwachstelle von Facebook, weil sich das klassische Werbebanner-Format auf den kleinen Bildschirmen nur schwer unterbringen lässt. Facebook bringt nun immer mehr Anzeigen direkt im Nachrichtenstrom der Nutzer unter. Das Online-Netzwerk muss sich auch schnell bewegen, denn immer mehr von seiner Mitglieder zieht es vom Desktop und Notebook auf Smartphones und Tablets. Im vergangenen Quartal griffen erstmals mehr tägliche Nutzer von mobilen Geräten als vom PC auf Facebook zu.

Steiler Kursrutsch

Das bislang typische Nutzerverhalten am eigenen Rechner oder im Büro verliert damit auch für den Online-Konzern dramatisch an Bedeutung. Ein Facebook-Handy wird es dennoch nicht geben, betonte Zuckerberg entgegen den nicht enden wollenden Gerüchten. "Das entspricht nicht unserer Strategie." Die Menschen wollten stattdessen, dass Facebook über alle ihre Geräte hinweg gut funktioniere. Die Aktie gab nachbörslich nach - zunächst um bis zu zehn Prozent, dann reduzierte sich das Minus auf gut drei Prozent.

In den letzten drei Monaten des Jahres stieg der Gesamtumsatz um 26 Prozent auf annähernd 1,6 Mrd. Dollar (1,18 Mrd. Euro). Facebook verdiente nach einem verlustreichen Sommer auch wieder Geld und zwar unterm Strich 64 Mio. Dollar. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen noch ein Minus in ähnlicher Größenordnung eingefahren. Letztlich konnte Facebook durch das gute letzte Jahresviertel auch im Gesamtjahr noch einen kleinen Gewinn von 32 Mio. Dollar einfahren.

Den eigenen Zenit erreicht?

"Wir gehen mit Schwung in das Jahr 2013 hinein", erklärte Zuckerberg am Firmensitz im kalifornischen Menlo Park. Allerdings strömen nicht mehr so viele Neuzugänge wie früher in das Soziale Netzwerk. Nachdem Facebook Ende September die Marke von einer Milliarde aktiven Nutzern geknackt hatte, waren es Ende Dezember 1,06 Milliarden - und damit nur unwesentlich mehr.

Was jedoch massiv zulegte, war die Nutzung von Smartphones. 680 Millionen Menschen greifen mittlerweile mindestens einmal im Monat zu ihren mobilen Geräten, um mit ihren Freunden Fotos oder Nachrichten auszutauschen. Im dritten Quartal waren es erst 601 Millionen. Gut die Hälfte der Mitglieder tummelt sich täglich im Netzwerk.

Einnahmen aus Anzeigen sind die Lebensader des Sozialen Netzwerks. Und Zuckerberg verbreitet seit Monaten unermüdlich die Botschaft, dass Facebook sein schleppendes Werbegeschäft auf Smartphones in Schwung gebracht hat. Auch jetzt verkündete er, es sei ein "Mythos", dass Facebook auf mobilen Geräten kein Geld verdienen könne, wobei das Unternehmen bei der Erschließung des mobilen Geschäfts erst am Anfang stehe.

Google-Attacke mit neuer Suche

Und die Botschaft scheint anzukommen: Nachdem die Aktie zwischenzeitlich unter 18 Dollar gerutscht war, kostet sie aktuell um die 31 Dollar. Damit ist schon näher zum Ausgabepreis des Börsengangs von 38 Dollar im Mai vergangenen Jahres herangeschlichen.

Facebook bemüht sich mit Nachdruck um neue Einnahmequellen. Das Unternehmen hatte erst vor zwei Wochen eine neue Suchfunktion vorgestellt, die es einfacher macht, die vielen Informationen der Nutzer zu durchstöbern. Beobachter werteten das als Kampfansage an Google.

Die stark angestiegenen Kosten gehen zu einem großen Teil auf das Wachstum der Mitarbeiterzahl auf gut 4600 von 3200 vor einem Jahr zurück. Zudem investierte Facebook im vergangenen Jahr 1,6 Mrd. Dollar in die Infrastruktur. Im laufenden Jahr sollen es 1,8 Mrd. Dollar sein.

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Quelle: n-tv.de

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