Wirtschaft
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"Ganz oben funkelt der Stern": Dividenden erfreuen Anleger

Gleich zwei Dax-Schwergewichte streichen wegen miserabler Zahlen die Dividende. Damit aber stehen sie allein auf weiter Flur. Denn die allermeisten Konzerne geben ihre Gewinne an ihre Anteilseigner weiter.

Auch wenn das Börsenbarometer Dax einen desaströsen Jahresstart hinlegte - für die Aktionäre gibt es Trost: Sie dürfen sich nach einem Rekord im Vorjahr erneut auf einen guten Dividendenjahrgang freuen. Bis zu 40 Milliarden Euro schütten die deutschen Aktiengesellschaften Schätzungen zufolge an die Anteilseigner aus. Und das obwohl die Dax-Schwergewichte Deutsche Bank und RWE ihre Dividende streichen.

Das Gros der Unternehmen hat seine Gewinne gesteigert und lässt die Anteilseigner entsprechend teilhaben. Und glaubt man etwa der DZ Bank, so ist weiterer Spielraum vorhanden.

Noch haben sich nicht alle Konzerne offiziell festgelegt. Der unabhängige Dividendenexperte Christian Röhl ist sich aber so gut wie sicher, wer in diesem Jahr auf dem Spitzenplatz steht und das meiste Geld ausschüttet: "Ganz oben funkelt der Stern", sagt Röhl. Der Autokonzern Daimler wird seiner Einschätzung nach mit fast 3,5 Milliarden Euro die höchste Summe für die Dividende ausgeben. Damit überholen die Stuttgarter die Allianz und Siemens. Der Versicherer und der Industriekonzern hatten im vergangenen Jahr die Plätze eins und zwei belegt.

Doch Quantität ist nicht alles: Der Medizinkonzern Fresenius bietet eine vergleichsweise geringe Dividendenrendite auf das eingesetzte Kapital, die Ausschüttungskultur ist aber nachhaltig. Die Bad Homburger heben ihre Dividende in diesem Jahr zum 23. Mal in Folge an. In den USA werden Unternehmen mit 25 Anhebungen in Folge "Dividendenaristokraten" genannt. "Nach dieser Definition wird Fresenius wohl in Kürze in den "Adelsstand" erhoben", sagt Röhl. Zuverlässige Dividendenlieferanten sind laut DZ Bank auch Munich Re sowie der MDax-Konzern Hugo Boss.

Deutsche Bank streicht Dividende

Zu den größten Flops in Sachen Dividende: Die Deutsche Bank enttäuschte ihre Anleger bereits im Herbst. Der neue Vorstandschef John Cryan strich wegen des Konzernumbaus und zahlreicher juristischer Altlasten die Ausschüttung gleich für zwei Jahre. Das ist ein Novum in der Nachkriegsgeschichte der Bank, die selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise weiter Dividende zahlte.

Lange Gesichter auch bei den Aktionären der Energiekonzerne: Aus den einstigen Dividendengaranten sind Sorgenkinder geworden. RWE-Chef Peter Terium strich die Dividende nach einem Jahr mit 170 Millionen Euro Verlust praktisch vollständig. Darunter leiden Kommunen, die rund ein Viertel der RWE-Anteile halten und zur Finanzierung ihrer angespannten Haushalte auf die Ausschüttung setzen. Doch Marktexperten zeigen Verständnis für den Konzern. "RWE kann nicht den Durchlauferhitzer der Kommunen spielen", sagt ein Analyst. Es sei vielmehr souverän vom Vorstand, in Zeiten struktureller Probleme keine Substanzdividende zu zahlen. Da sei der Versorger Eon, der trotz sieben Milliarden Euro Jahresminus weiter - wenn auch immer weniger - ausschütte, kritischer zu betrachten.

Wahre Geldfluten ereilen dagegen die Aktionäre vieler Versicherer. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hebt seit Jahren fast pausenlos die Dividenden an. Hinzu kommen Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe. Ulrich Wallin, Chef der Hannover Rück, sieht den Geldstrom gar nicht abreißen: Nach Sonderdividenden für 2014 und 2015 sei für 2016 eine weitere wahrscheinlich, sagte er jüngst. Dahinter steht bei vielen Versicherungen ein Luxusproblem: zu viel Kapital. Schwere und teure Katastrophenschäden bleiben seit Jahren aus, die Branche sitzt auf dicken Kapitalpolstern. Zusätzlich blähen Kursgewinne bei alten, hochverzinsten Anleihen die Kapitalbasis auf.

Nach Einschätzung von DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger können sich Anleger angesichts unruhiger Zeit auf den Aktienmärkten auf die Dividenden eher als auf Kursgewinne verlassen. Seiner Berechnung nach schütten die Unternehmen 2016 im Schnitt 37 Prozent ihres Gewinns als Dividende aus, etwas weniger als im Durchschnitt der Vorjahre. "Die Ausschüttungen sind insgesamt solide durch die operative Entwicklung der Unternehmen finanziert."

Quelle: n-tv.de

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