Wirtschaft
Andreas Dombret fordert die Geldinstitute auf, ihre Geschäftsmodelle "auf den Prüfstand zu stellen".
Andreas Dombret fordert die Geldinstitute auf, ihre Geschäftsmodelle "auf den Prüfstand zu stellen".(Foto: picture alliance / dpa)

Aufforderung an Banken: Dombret: Fusionen dürfen kein Tabu sein

Die deutschen Banken sollen ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen. Das fordert Andreas Dombret, Vorstand für Banken- und Finanzaufsicht der Deutschen Bundesbank. Zudem warnte er vor einem zu starken Einmischen der Politik.

Der Vorstand für Banken- und Finanzaufsicht der Deutschen Bundesbank, Andreas Dombret, hat die deutschen Geldinstitute aufgefordert, ihre Geschäftsmodelle "auf den Prüfstand zu stellen". Die oftmals hohe Abhängigkeit vom Zinseinkommen belaste ihre Profitabilität, sagte Dombret. Zwar profitierten die Banken von der guten Verfassung der deutschen Wirtschaft; "ohne Frage" bestehe aber "in Sachen Ertragskraft ein erheblicher Nachholbedarf".

Dombret schlug den Banken vor, auf der Einnahmenseite "alternative Ertragsquellen zu erschließen" oder ihre Provisionserträge zu erhöhen. Auf der Kostenseite könnten zum Beispiel die "immer noch sehr großen Filialnetze ein Ansatzpunkt sein, um Kosten zu sparen". Auch Zusammenschlüsse dürften kein Tabu sein, sofern sich starke Partner zusammenfänden.

Gut gerüstet gegen schwere Schocks

Was die Eigenkapitalquoten betrifft, sieht Dombret die deutschen Banken gut gerüstet: Bereits vor dem Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr hätten sie ihr Eigenkapital "signifikant gestärkt", sagte der Bundesbank-Vorstand. Alle großen deutschen Kreditinstitute verfügten über genug Eigenkapital, um auch einen "schweren wirtschaftlichen Schock zu überstehen".

Dombret begrüßte die seit November tätige einheitliche europäische Bankenaufsicht der EZB. "National unterschiedliche Aufsichtspraktiken und Anforderungen wird es bei den großen, direkt von der EZB beaufsichtigten Banken nicht mehr geben", sagte er. Dies sei einer der "großen Vorteile der europäischen Bankenaufsicht".

Für die nationalen Aufsichtsbehörden, die rund 3400 kleinere europäische Banken überwachen, forderte Dombret "genügend Spielraum", um den speziellen Gegebenheiten der Institute gerecht zu werden. Hintergrund seien gemeinsame Aufsichtsstandards, die die EZB derzeit mit den nationalen Behörden entwickle. "Eine angemessene Proportionalität bei der Aufsicht der kleineren Institute muss gewährleistet bleiben - hierfür wird sich die Bundesbank mit Nachdruck einsetzen", sagte Dombret.

Mit Blick auf den Einfluss der Politik auf Banken sagte Dombret, dies sei "grundsätzlich nicht im Sinne einer Marktwirtschaft". Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Staat nicht der bessere Banker sei. Nach der Finanzkrise, in der die Grenzen zwischen Staat und Banken verschwommen seien, zum Beispiel durch öffentliche Hilfen für strauchelnde Banken, sei es nun wichtig, neue Strukturen zu schaffen. Künftig müsse es auch großen Banken erlaubt sein zu scheitern, "ohne dabei das gesamte Finanzsystem zu gefährden". Dafür sei der Sektor sowohl auf globaler als auch auf europäischer Ebene bereits ein "großes Stück vorangekommen, aber beileibe noch nicht am Ziel angelangt".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen