Wirtschaft
Sorgenvolle Minen nicht nur bei ihnen: Adidas-Chef Herbert Hainer und VW-Boss Martin Winterkorn.
Sorgenvolle Minen nicht nur bei ihnen: Adidas-Chef Herbert Hainer und VW-Boss Martin Winterkorn.(Foto: picture alliance / dpa)

Zahlen nach dem zweiten Quartal: Doppel-Problem macht Konzernen Sorgen

Der deutschen Wirtschaft bläst heftiger Gegenwind ins Gesicht. Die Hälfte der Dax-Unternehmen legt bislang Quartalszahlen vor - bei vielen schmelzen die Gewinne dahin. Ein doppeltes Problem macht den Konzernen zu schaffen.

Der starke Euro und die Ukraine-Krise haben im zweiten Quartal Spuren in den Bilanzen deutscher Großkonzerne hinterlassen. Börsenschwergewichte wie Volkswagen, Lufthansa und Siemens bekamen die Währungseffekte zu spüren. Insgesamt stieg der Umsatz von 14 Dax-Unternehmen - ohne Banken - nach einer Auswertung des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) leicht um 0,4 Prozent. Die Hälfte verzeichnete aber stagnierende oder sinkende Erlöse im Vergleich zum Vorjahr.

Auch beim Gewinn schlug die Stärke der Gemeinschaftswährung, die zeitweise bei mehr als 1,39 Dollar notierte und deutsche Exporte im Ausland verteuert, bei einigen Konzernen durch. Sorgen bereitet vielen Managern zudem der Konflikt mit Russland um die Ukraine. Der operative Gewinn (Ebit) der Unternehmen legte EY zufolge insgesamt um 11 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro zu. Fünf Konzerne erwirtschafteten aber ein geringeres Ergebnis als im Vorjahr - darunter der Gashersteller Linde und Europas größter Autobauer Volkswagen. "Ohne die negativen Wechselkurseffekte hätten sich die deutschen Top-Konzerne zum Teil erheblich besser entwickelt", sagt Thomas Harms, Partner bei EY.

Der Euro hat zwar mittlerweile etwas an Kraft verloren, doch die Ukraine-Krise und die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten belasten die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft nach wie vor. Die aktuellen geopolitischen Spannungen seien "ein ernstes Risiko für das Wachstum in Europa" in der zweiten Jahreshälfte, warnt beispielsweise Siemens-Chef Joe Kaeser.

Adidas leidet unter Ukraine-Krise

Russland lag 2013 als Handelspartner für deutsche Exportunternehmen zwar nur auf Rang 11 der wichtigsten Kunden. Hauptsächlich Maschinen, Autos, chemische Erzeugnisse und Elektrotechnik "made in Germany" gehen in das Land. Der Löwenanteil der Einfuhren aus Russland entfällt auf Erdöl und Gas. Einzelne Firmen oder Branchen können allerdings heftiger getroffen werden als die Gesamtwirtschaft.

Deutliche Spuren hinterlässt der Konflikt mit Moskau bereits beim Sportartikelhersteller Adidas. Die Franken kappten unter anderem wegen wachsender Probleme in Russland ihre Gewinnprognose für das Gesamtjahr drastisch. Geplante Geschäftseröffnungen in dem Land vertagte der Konzern. Detaillierte Zahlen für das zweite Quartal will Adidas an diesem Donnerstag veröffentlichen. Der Chemieriese BASF, der einen Großteil seines Öls und Gases aus Russland bezieht, glänzt dagegen von April bis Juni mit einem Gewinnsprung. Sanktionen gegen Moskau sieht Vorstandschef Kurt Bock skeptisch. Er hofft auf eine leichte Belebung der Weltwirtschaft und hält daher trotz gestiegener politischer Risiken am Ausblick für dieses Jahr fest.

Continental ist zuversichtlich

Manche Dax-Konzerne sind sogar zuversichtlicher als zuletzt. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental erhöht dank günstiger Einkaufspreise für Kautschuk schon zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose. Auch der Chiphersteller Infineon und der Medizinkonzern Fresenius legen die Latte für 2014 etwas höher. Mit Spannung warten Anleger auf die Fortsetzung der Berichtssaison. Allzu große Sprünge bei Umsatz und Gewinn dürften angesichts des Gegenwinds aber wohl nicht zu erwarten sein. Auch die Bundesbank wies jüngst darauf hin, dass die deutsche Industrie im April und Mai einen Gang heruntergeschaltet habe.

Hoffnung macht laut Harms die Konjunktur in den USA, wo die Dax-Unternehmen immerhin knapp ein Fünftel ihres Umsatzes erwirtschaften. "Dort entwickelt sich die Wirtschaft überraschend gut, wovon auch die deutschen Unternehmen weiter profitieren dürften", sagt der Experte.

Das Bruttoinlandsprodukt der weltgrößten Volkswirtschaft wuchs von April bis Ende Juni Schätzungen zufolge mit einer hochgerechneten Jahresrate von 4,0 Prozent unerwartet kräftig. "Auch die - wenn auch langsame - wirtschaftliche Erholung der Eurozone bietet nach mehreren schwierigen Jahren wieder Wachstumschancen", sagt Harms.

Quelle: n-tv.de

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