Wirtschaft
Deutschlands Häfen haben gut zu tun: Vor allem die Märkte in Großbritannien und den USA wachsen - zur Freude der Exporteure.
Deutschlands Häfen haben gut zu tun: Vor allem die Märkte in Großbritannien und den USA wachsen - zur Freude der Exporteure.(Foto: picture alliance / dpa)

Hilfe vom Ölpreis: Draghi trimmt Export auf Rekordniveau

Angesichts der Euro-Schwäche verbilligen sich deutsche Exporte in Regionen außerhalb des gemeinsamen Währungsraums. Gut, wenn diese Märkte sich ohnehin erholen. So setzen deutsche Unternehmen im Oktober so viele Waren im Ausland ab wie nie zuvor.

Mit der konsequenten Abwertung der europäischen Gemeinschaftswährung durch die EZb um ihren Präsidenten Mario Draghi verbilligen sich Exporte aus dem Euroraum. Nachdem die deutschen Unternehmen bereits im September die Ausfuhren auf Rekordniveau steigern konnten, legten sie im Oktober nochmals nach. Insgesamt summierte sich der Wert der ins Ausland verkauften Waren auf das neue Rekordhoch von 103,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Zugleich wurden Güter in Höhe von 81,9 Milliarden Euro eingeführt.

Kalender- und saisonbereinigt sanken die Exporte auf Monatssicht allerdings um 0,5 Prozent auf 97,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lagen die Exporte um 4,9 Prozent höher.

Kehrseite des billigen Euros sind indes teurere Einfuhren. Allerdings senkte der gefallene Erdölpreis die Importwerte ebenfalls deutlich. Folglich sanken die Importe um Oktober auf Monatssicht um 3,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Einfuhren dennoch um 0,9 Prozent höher.

Unter dem Strich wies die Außenhandelsbilanz im Oktober damit einen Überschuss von 21,9 Milliarden Euro ab. Kalender- und saisonbereinigt ergab sich ein Außenhandelsüberschuss von 20,6 Milliarden Euro. Ökonomen hatten nur mit einem Aktivsaldo von 19,0 Milliarden Euro gerechnet.

Leistungsbilanzüberschuss steigt wieder

Der Überschuss in der Leistungsbilanz betrug nach vorläufigen Berechnungen der Bundesbank im Oktober 23,1 Milliarden Euro. Ökonomen hatten lediglich 17,5 Milliarden Euro erwartet. Im gleichen Monat des Vorjahres hatte die deutsche Leistungsbilanz einen Überschuss von 17,0 Milliarden Euro ausgewiesen. Das deutliche Plus hatte in der Vergangenheit immer wieder für Unmut bei den anderen europäischen Staaten aber auch bei den USA geführt. Deutschland - so die Argumentation - solle als eine der leistungsstärksten Volkswirtschaften - mit Einkäufen die Konjunktur ankurbeln.

Anton Börner, der Präsident des Brachenverbands BGA, sprach von einem "bemerkenswerten Auftakt für das letzte Quartal". "Trotz der zahlreichen weltweiten Krisenherde konnte dank Rückenwind durch die niedrigen Rohstoffpreise und den schwachen Euro im Oktober ein neuer Monatsrekord erzielt werden", heißt es in einer Stellungnahme. 

Für Carsten Brezeski von ING ist die Entwicklung ein "weiterer Beleg für die Erholung Deutschlands". Die Daten lieferten einen "erneuten Hinweis darauf, dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone zu Beginn des vierten Quartals an Schwung gewonnen hat." Dabei sei schwächerer Euro "wohl das Beste, was sowohl Deutschland als auch der Euro-Zone passieren kann".

Ölpreise stützen Konjunktur

Christian Schulz, Experte der Berenberg Bank sagte, dass die Exporte nicht das deutsche Problem seien. Viele wichtige Märkte wüchsen. Und so dürfte der Außenhandel der Wirtschaft auch im vierten Quartal einen Impuls geben. "Die schwachen Importe sind einerseits ein Zeichen der heimischen Nachfrageschwäche, andererseits aber eine Folge des Ölpreisrutsches." Die niedrigen Preise werden eine große Stütze im kommenden Jahr sein.

Zugleich seien die starken Exportzahlen vor allem der guten Nachfrage aus EU-Ländern zu verdanken, die nicht zur Eurozone gehören, wie etwa Großbritannien und Polen. "Europa ist jetzt der Stabilitätsanker für die deutschen Exporte", sagte Berenberg-Ökonom Schulz.

Die Exporte in Euro-Länder lagen lediglich 1,9 Prozent im Plus, wohingegen Ausfuhren in europäische Länder außerhalb der Währungsunion deutlich um 7,6 Prozent zulegten. Auch mit den Ländern außerhalb der EU steht auf Exportseite mit 6,3 Prozent ein hohes Plus zu Buche.

Quelle: n-tv.de

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