Wirtschaft
Zum Wirtschaftstag der Genossenschaftsbanken kommt Mario Draghi mit einem Zugeständnis: Die Einlagensicherung könne "bei vergleichbarer Wirksamkeit in nationaler Verantwortung verbleiben."
Zum Wirtschaftstag der Genossenschaftsbanken kommt Mario Draghi mit einem Zugeständnis: Die Einlagensicherung könne "bei vergleichbarer Wirksamkeit in nationaler Verantwortung verbleiben."(Foto: Genossenschaftsverband.de)

Krise erfasst Deutschland: Draghi verschreckt Börsen

Mit einzelnen Passagen seiner Rede auf dem Wirtschaftstag der deutschen Genossenschaftsbanken löst Europas oberster Währungshüter an den Märkten große Unruhe aus. Die "Ausläufer der Krise", so EZB-Chef Draghi, haben "nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht".

Ein Satz, der nicht nur den Börsianern kalte Schauer über den Rücken jagt: Die neuesten Konjunktudaten deuten aut Draghi darauf hin, "dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben."
Ein Satz, der nicht nur den Börsianern kalte Schauer über den Rücken jagt: Die neuesten Konjunktudaten deuten aut Draghi darauf hin, "dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben."(Foto: REUTERS)

EZB-Präsident Mario Draghi sieht noch keinen Anlass zur Entwarnung in der Euro-Schuldenkrise. "Ich glaube, dass Europa auf dem richtigen Weg ist, aber es liegt noch viel Arbeit vor uns", sagte Europas oberster Währungshüter beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt.

Die neuesten Konjunkturdaten deuteten darauf hin, "dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB). An den Aktienmärkten fassten Anleger die Worte des Währungshüters umgehend als Warnung auf. Der deutsche Leitindex drehte ins Minus. Er beendete den Handelstag m oder minus 1,96 Prozent auf 7232,83 Punkte. Europaweit gerieten die Aktienkurse unter Druck. Selbst an der New Yorker Wall Street verwiesen Händler auf Draghis Worte, um das schwache Erwachen nach der US-Wahlnacht zu erklären.

Fängt Deutschland an "zu bluten"?

Aktuelle Konjunkturdaten aus dem Bundeswirtschaftsministerium schienen Draghi zu bestätigen: Die deutsche Industrie verzeichnete im September das größte Auftragsminus seit einem Jahr. Im Vorfeld befragte Analysten hatten bei den Daten zur deutschen Industrieproduktion mit einem Rückgang gegenüber dem Vormonat von 0,5 Prozent gerechnet.

Wie gegen Mittag bekannt wurde, brach zudem die wichtige Kennzahl aus dem verarbeitenden Gewerbe mit minus 2,3 Prozent weitaus deutlicher ein. "Wenn Deutschland anfängt zu bluten, wird es richtig brenzlig für Europa", kommentierte ein Händler die Entwicklung.

"Die Aussagen kommen nach den sehr schwachen Daten zur Industrieproduktion und zum Auftragseingang per se nicht überraschend", hieß es am Markt. Es mache aber einen Unterschied, wer solche Aussagen tätige. Und die EZB und die Fed seien nun einmal mit großem Abstand die wichtigsten Akteure an den Märkten, erklärte ein Händler mit Blick auf die scharfen Reaktionen.

EZB-Aktionen helfen Deutschland

Draghi bemühte sich, insgesamt ein ermutigendes Bild der Lage zu zeichnen. Die Finanzmärkte hätten sich - auch dank der Krisenpolitik der EZB - in den vergangenen drei Monaten normalisiert: "Die Investoren kehren nach Europa zurück und zwar auch nach Südeuropa."

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Der EZB-Chef verteidigte erneut . Sondermaßnahmen wie die Ankündigung, Anleihen von Euro-Schuldenkrisenstaaten wie Spanien und Italien zu kaufen, seien "entscheidend, damit unsere niedrigen Zinsen auch in der Realwirtschaft ankommen", betonte der Italiener. "Maßnahmen, die die Stabilität des Euroraums als Ganzes sichern, werden auch Deutschland zugutekommen."

Dass er Kritik aus Deutschland ernst nimmt, bewies Draghi mit seiner Aussage, er könne sich eine europäische auch ohne gemeinsame Einlagensicherung vorstellen: "Die Einrichtung und Finanzierung solcher Einlagensicherungssysteme kann bei vergleichbarer Wirksamkeit in nationaler Verantwortung verbleiben."

Insbesondere Sparkassen und Volksbanken hatten EU-Pläne kritisiert, eine zentrale Bankenaufsicht bei der EZB durch einen gemeinsamen europäischen Fonds zur Absicherung der Gelder von Sparern zu flankieren. Die Sorge ist, dass über einen solchen Weg die in Deutschland angesparten Mittel zur Rettung von Banken in anderen Euroländern genutzt werden.

EZB plant neue Geldscheine

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Am Rande seiner Rede kündigte Draghi neue Details zur geplanten für den Bargeldverkehr an: Die Europäische Zentralbank will demnach bereits an diesem Donnerstag das Geheimnis um die neue Generation der Euro-Scheine lüften.

"Wir werden morgen eine Pressekonferenz haben, es wird dann noch ein paar Details zu den neuen Geldscheinen geben", sagte Draghi. Dem Vernehmen nach wird die EZB vom kommenden Jahr an schrittweise neue Noten mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen in Umlauf bringen.

Erwartet wird, dass im Mai 2013 zunächst der überarbeitete 5-Euro-Schein kommt. Danach könnte - gestaffelt nach Wert - jedes Jahr eine weitere Note folgen.

Quelle: n-tv.de

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