Wirtschaft
Als Reaktion auf Draghis neue Bazooka dürften die Zinsen für italienische und spanische Anleihen einbrechen.
Als Reaktion auf Draghis neue Bazooka dürften die Zinsen für italienische und spanische Anleihen einbrechen.(Foto: dpa)

EZB mit genialem Schachzug?: Draghis Bazooka hat Nebenwirkungen

Von Egmond Haidt

Mit kräftigen Kursgewinnen reagiert Europas Aktienmarkt zunächst auf die EZB-Entscheidung. Insbesondere Banken profitieren, weil EZB-Chef Draghi gleich zwei Probleme auf einmal lösen will. Doch funktioniert der Spagat mittelfristig?

Begeisterung bei Investoren nach der jüngsten EZB-Sitzung: Nachdem EZB-Chef Mario Draghi bei der Sitzung am 3. Dezember 2015 Investoren herb enttäuscht hatte, hat er nun wieder einmal seine gewaltige Bazooka rausgeholt, woraufhin der Aktienmarkt nach oben schießt. Die Gewinnerliste im Dax führen zwischenzeitlich die Deutsche Bank und die Commerzbank an, was viele Investoren sehr überraschen dürfte.

Sie hatten befürchtet, dass Draghi mit einer weiteren starken Lockerung der Geldpolitik die Kreditinstitute noch mehr belasten würde. Wenn die Zinsen nämlich noch weiter in den negativen Bereich gedrückt werden, wäre das eine enorme Belastung für die Banken, weil dadurch ihre Zinsmarge kräftig unter Druck gerät.

Draghis Schachzug

Video

Der Reaktion der Märkte nach zu urteilen, ist es Draghi aber gelungen, die Geldpolitik kräftig zu lockern und dennoch die Banken von den negativen Folgen zu verschonen. Auf den ersten Blick sieht auch alles wunderbar aus, auch wenn der reduzierte Einlagenzinssatz von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent eine zusätzliche Belastung für die Banken bedeutet. Der Einlagenzinssatz ist der Zins, den die Banken für das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken.

Gleichzeitig stockt Draghi das monatliche Anleihenkaufprogramm von 60 auf 80 Milliarden Euro auf, was die Zinsen am Markt weiter kräftig drückt und damit ebenfalls negativ für die Geldinstitute ist. Allerdings führt die EZB neue vierjährige Kredite an die Banken ein, und hier ist der Clou: Der Zinssatz für diese Kredite kann so niedrig sein, wie der Einlagenzinssatz. Sprich, die Banken können sich Geld bei der EZB leihen und zahlen dafür keine Zinsen, sondern bekommen vielmehr bis zu 0,4 Prozent Zinsen pro Jahr von der EZB. Mit diesem Schachzug mildert die EZB die Auswirkungen der immer weiter sinkenden Zinsen auf die Banken enorm ab beziehungsweise stützt die Geldhäuser sogar.

Nur moderate Entlastung

Die Frage ist nur, wie nachhaltig die Maßnahmen sind. Zwar können sich Banken über die vierjährigen Kredite sehr günstig Geld besorgen. Das Problem ist aber, dass das nur einen geringen Teil ihrer Finanzierung ausmacht. Gleichzeitig werden die Institute in den nächsten Monaten die sinkenden Zinsen zu spüren bekommen. Denn als Reaktion auf Draghis neue Bazooka dürften die Zinsen nicht für Bundesanleihen, sondern auch für italienische und spanische Anleihen einbrechen. Damit können die Banken das neue Geld nur zu niedrigeren Renditen investieren als vorher.

Zudem wird Druck auf die Zinsen für Hypotheken- oder Konsumentenkredite aufkommen. Die Folge wird eine sinkende Zinsmarge sein, trotz Draghis Spagat. Es bleibt also fraglich, ob es der EZB gelingt, die negativen Effekte der Geldpolitik auf die Banken zu verhindern. Somit könnte die heutige Bankenhausse nur von kurzer Dauer sein.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen