Sonntag, 22. November 2009
Schon 2003 informiert: Druck auf Pierer wächst
Der ehemalige Siemens-Vorstand unter Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer soll schon von Ende 2003 an Hinweise auf schwarze Kassen, dubiose Beraterverträge oder fragwürdige Treuhandkonten erhalten haben.Wie der "Spiegel" berichtete, unterließ es der Vorstand aber, die Kontrollen zügig zu verschärfen. Das Blatt beruft sich auf ein vertrauliches Gutachten der vom Siemens-Aufsichtsrat mit der Klärung von Schadensersatzansprüchen beauftragten Düsseldorfer Anwaltskanzlei Hengeler Mueller.
In dem Dokument zur milliardenschweren Siemens-Korruptionsaffäre werde der alten Siemens-Führung unter anderem vorgeworfen, sie habe die "mangelnde Disziplinierung" von betroffenen Mitarbeitern "toleriert, in manchen Fällen sogar bewusst verhindert", schreibt das Nachrichtenmagazin.
Spätestens im Laufe des Jahres 2004 seien die Mängel im Antikorruptionssystem "derart offenkundig" gewesen, "dass von einer Verletzung der Organisations- und Aufsichtspflicht" des damaligen Zentralvorstands auszugehen sei, heißt es in dem Bericht. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, rechnet Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme damit, dass ein Großteil der ehemaligen Vorstände, von denen Siemens Schadensersatzzahlungen bis zu sechs Mio. Euro fordert, bis zur Aufsichtsratssitzung am 2. Dezember einem Vergleich zustimmt. Sollten drei der Manager, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt, bis dahin nicht zustimmen, solle zunächst der Ausgang der Strafverfahren abgewartet werden.
Unterdessen bleibt von Pierer im Streit um die millionenschweren Schadenersatzzahlungen für die Schmiergeldaffäre hart. "Wir werden die geforderte Summe in Höhe von sechs Mio. Euro nicht zahlen", hatte sein Anwalt Sven Thomas der "Bild am Sonntag" gesagt. Siemens hatte Pierer eine Frist bis Mitte November eingeräumt, er hatte sich aber bis zuletzt gegen die Zahlung gewehrt und angekündigt, es im Zweifel auf einen Prozess ankommen zu lassen.
rts
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