Mittwoch, 21. April 2010
Kein Geld in Sicht: Düstere Wolken über Sky
Der Himmel über dem tief in der Krise steckenden Bezahlsender Sky Deutschland ist ziemlich finster - und Islands Vulkan ist daran ausnahmsweise unschuldig. Die Zahlen des Senders sind nach dem Neustart des einstigen Premiere weiterhin schlecht, die Aussichten alles andere als rosig. Und so dürften etliche Aktionäre des Dauersorgenkindes zur Hauptversammlung nur mit mäßiger Laune anreisen.Für den neuen Chef von Sky Deutschland, den Amerikaner Brian Sullivan, wird das alljährliche Aktionärstreffen am 23. April wohl kein besonders angenehmer Tag, auch wenn er für den ganzen Schlamassel nichts kann. Dafür soll ihm nun gelingen, was seinen Vorgängern nicht glückte - mit Sky endlich Geld verdienen. Seit der Gründung vor knapp 20 Jahren kam der Sender nie wirklich auf die Beine, trotz Milliardeninvestitionen in die Bundesligarechte.
Dabei ist Sullivan der dritte Vorstandschef in nur eineinhalb Jahren, und wie sein Ende März ausgeschiedener Vorgänger Mark Williams wieder einer, der den komplexen und hart umkämpften deutschen Medienmarkt nicht aus eigener Anschauung kennt. Auch im Sender, der von Medienmogul Rupert Murdoch kontrolliert wird, sind manche deshalb im Zweifel, ob Sullivan die Wende schaffen kann. Sky muss bis 2011 rund 2,8 Millionen Kunden haben, um profitabel zu werden.
Für dieses ehrgeizige Ziel müsste der Sender in den kommenden Monaten deutlich mehr neue Abonnenten gewinnen - pro Quartal mehr als 80 000. Doch selbst im vierten Quartal 2009, das dank des Weihnachtsgeschäfts eher gut laufen sollte, waren es nur 39 000 gewesen. "Ich bin nicht naiv, die Herausforderungen sind hier riesengroß", sagte Sullivan jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dennoch: "Sky wird 2010 nochmals Verluste machen, aber von 2011 an wird das EBITDA positiv sein. Das ist das Ziel."
Sullivan kam vom britischen BSkyB, das anders als die deutsche Ausgabe des Abo-Fernsehens erfolgreich ist. Entscheidend für die kommenden Jahre ist vor allem, wie lange der Atem von Murdochs Unternehmen News Corporation noch reicht. News Corp. hält rund 45 Prozent der Anteile. Bei Sky gibt man sich zuversichtlich; nach mehreren Fehlschlägen wolle Murdoch nicht ein weiteres Mal auf dem deutschen Markt scheitern - und schon deshalb Geduld beweisen.
Und so könnte die geplante Aufstockung des Aufsichtsrats von sechs auf neun Mitglieder auch ein Zeichen sein, dass Murdoch Deutschland endgültig zur Chefsache machen will. Einer der Neuen soll dem Verwaltungsvorschlag zufolge Charles Carey, genannt "Chase Carey", werden. Bei News Corp. die Nummer zwei hinter Murdoch. Auch das die Aktionäre einen Vorratsbeschluss für eine weitere Kapitalerhöhung und mögliche Anleihen von bis zu 500 Millionen Euro beschließen sollen, könnte in diese Richtung deuten.
dpa
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