Wirtschaft

Festnahmen in Italien: E-Mails von Draghi und Renzi gehackt

Diebstahl von Staatsgeheimnissen und illegales Hacken: Dies wird in Italien einem Geschwisterpaar vorgeworfen. Zu den gehackten Konten gehören die von EZB-Chef Draghi und Italiens Ex-Regierungschef Renzi. Auch Kardinäle sind betroffen.

Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden in den USA gespeichert.
Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden in den USA gespeichert.(Foto: picture alliance / Silas Stein/d)

Hacker sind offenbar in die E-Mail-Konten von EZB-Chef Mario Draghi und des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi eingedrungen. Die italienische Polizei nahm nach eigenen Angaben zwei Geschwister unter dem Verdacht fest, sich in weitere tausend Konten gehackt zu haben. Dabei handele es sich um einen 45-jährigen gelernten Atomtechniker und seine 48-jährige Schwester. Beiden wird Diebstahl von Staatsgeheimnissen und illegales Hacken vorgeworfen.

Wie Festgenommenen die gewonnenen Informationen im Einzelnen nutzten, wird laut Polizeiangaben derzeit geprüft. Die Ermittlungen leitete eine auf Cyber-Verbrechen spezialisierte Einheit.

Die angegriffenen E-Mail-Konten gehörten auch Geschäftsleuten und Kardinälen im Vatikan, sagte der Ermittler Roberto Di Legami. Wie aus dem sichergestellten Material hervorgehe, könnten sich die Hacker Zugriff auf 18.000 E-Mail-Konten verschafft haben. Rund 2000 Passwörter seien geknackt worden.

Laut Di Legami wurden die gehackten E-Mails wahrscheinlich von dem 45-Jährigen in der von ihm geleiteten Investmentfirma Westland Securities genutzt. Der Hacker dürfte die verwendete Schadsoftware selbst entwickelt haben. Es gebe auch Hinweise darauf, dass er einen "Keylogger" auf einigen Computern installieren konnte. Mit einer solchen Software lassen sich alle Eingaben auf der Tastatur eines infizierten Computers überwachen.

Weitere Opfer

Zu den gehackten Konten zählen nach Polizeiangaben Renzis Mail-Adresse während seiner Zeit als Regierungschef von Italien sowie Draghis bei der Bank von Italien, die er vor seinem Wechsel an die EZB-Spitze leitete. Draghis Mail-Konto bei der Notenbank wurde im Haftbefehl hingegen nicht als Ziel genannt. Zu den Opfern des Hackerangiffs zählten auch der ehemalige Direktor der Bank von Italien, Fabrizio Saccomanni, der Kulturminister des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, sowie mit Mario Monti ein weiterer ehemaliger italienischer Regierungschef.

Die EZB und die Bank von Italien lehnten eine Stellungnahme ab. Sprecher von Renzi sowie Kardinal Ravasi waren zunächst nicht erreichbar. Etwa 99 Prozent der gestohlenen Daten wurden nach Polizeiangaben in den USA gespeichert. Das FBI stellte auf Ersuchen eines römischen Gerichts die Server sicher.

Quelle: n-tv.de

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