Wirtschaft
(Foto: dpa)

Mit gepackten Koffern nach Toulouse: EADS beschließt Aktienrückkauf

Zeitenwende bei EADS: Mit einer sichtbaren Standort-Verschiebung setzt Europas Luft- und Raumfahrtriese auf Veränderung. Künftig wird der Konzern vom französischen Toulouse aus geführt, der Einfluss des Staates schwindet. Damit aus dem Ausstieg des Großaktionärs Lagarde kein Kursdesaster folgt, nimmt EADS Milliarden in die Hand.

EADS macht Nägel mit Köpfen: Der neue Verwaltungsrat des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns segnete einen Milliarden-Aktienrückkauf ab. EADS will den staatlichen Aktionäre Anteile abnehmen, um ihren Einfluss zurückdrängen und Platz für unabhängige Aktionäre zu machen. Zudem wählte das Gremium Denis Ranque zum neuen Vorsitzenden und bestätigte Tom Enders an der Spitze des Konzerns.

Insgesamt will EADS über einen Zeitraum von 18 Monaten Aktien im Wert von bis zu 3,75 Mrd. Euro zurückkaufen. Die Aktionäre hatten einen Rückkauf von bis zu 15 Prozent des Aktienkapitals und die Neuordnung der Eigentümerstruktur von EADS in der vergangenen Woche während der Hauptversammlung beschlossen. Die zurückgekauften Papiere werden eingezogen, dies wird den Gewinn je Aktie erhöhen.

"Mit dem Aktienrückkaufprogramm werden Finanzmittel von EADS sinnvoll im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre eingesetzt, ohne dabei unsere strategische Flexibilität oder unsere solide Bilanz zu beeinträchtigen", sagte EADS-Chef Tom Enders.

Mit der neuen Struktur treten die drei Gründungsnationen - Frankreich, Deutschland und Spanien - ihren Rückzug bei dem Konzern an. Vollkommen befreit sich EADS aber nicht aus der staatlichen Umklammerung. Deutschland und Frankreich wollen mit jeweils 12 Prozent, Spanien mit etwa 4 Prozent an dem Unternehmen beteiligt bleiben. Aktuell halten die Staaten gemeinsam mehr als 50 Prozent. Die Regierungen sollen in Zukunft lediglich bei strategischen Fragen mitreden, wenn es um die nationale Sicherheit geht.

Neue Zentrale in Toulouse

EADS konkretisierte zudem seine Umzugspläne. Zum 1. April ist beim Konzern die neue Struktur der Unternehmenszentrale in Kraft getreten. Der operative Hauptsitz wird dafür in Toulouse eingerichtet.

Mit den Arbeitnehmervertretern hat sich das Unternehmen dafür auf die Verlagerung von 75 Stellen aus München und 116 Stellen aus Paris nach Toulouse geeinigt. "Diese Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur weiteren Integration von EADS", sagte Enders.

Vor seinem Wechsel an die EADS-Spitze 2012 hatte Enders die Flugzeugtochter Airbus geführt, die ebenfalls in Toulouse sitzt. In Branchenkreisen war der Umzug der Konzernzentrale als Schritt gewertet worden, dem Gewicht von Airbus im Konzern Rechnung zu tragen. Widerstand gegen die Pläne kam aus der deutschen Politik.

Zum 1. September soll die neue EADS-Zentrale in Toulouse voll einsatzbereit sein. Künftig sollen dort dauerhaft mehr als 500 Stellen beheimatet sein, einschließlich der integrierten Bereiche Personalwesen und Finanzen von EADS und Airbus sowie weiterer Funktionen. In München bleiben mehr als 300, in Paris rund 250 Stellen.

Quelle: n-tv.de

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