Wirtschaft
Großraumflieger als Umsatzhoffnung: Der Rumpf einer A350 XWB im französischen Toulouse.
Großraumflieger als Umsatzhoffnung: Der Rumpf einer A350 XWB im französischen Toulouse.(Foto: REUTERS)

Nach gescheiterter Fusion: EADS bestätigt Prognose

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS verdient dank seiner Tochter Airbus mehr als erwartet und bekräftigt seinen Jahresausblick. Trotz der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE blickt das Management zuversichtlich in die Zukunft.

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Die anhaltend hohe Nachfrage nach Verkehrsflugzeugen sorgt bei der Airbus-Mutter EADS weiterhin für gute Geschäfte. Im dritten Quartal steigerte der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Umsatz und operativen Gewinn.

Viele Investoren sorgen sich nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems aber vor allem um die künftige Strategie für die Rüstungstochter Cassidian. Und ob EADS trotz einer Vielzahl von Baustellen bei einzelnen Fliegern auch langfristig die hohe Profitabilität im zivilen Flugzeuggeschäft beibehalten kann, ist fraglich. Antworten darauf dürfte es wohl aber erst auf dem Investorentag Anfang Dezember in London geben.

Unter anderem ließ der Verkauf von 126 kommerziellen Flugzeugen den Umsatz des Konzerns im dritten Quartal um 15 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro anschwellen. Dank besserer Produktionsabläufe und der guten Nachfrage nach Fliegern und Serviceangeboten lief es operativ sogar noch besser. Das Betriebsergebnis legte um 67 Prozent auf 537 Mio. Euro zu. Unter dem Strich verdiente EADS aber mit 309 Mio. Euro etwas weniger als im Vorjahr. Damals hatte der Konzern von der Auflösung einer Rückstellung für das eingestellte Flugzeugprogramm A340 profitiert.

Das Management bestätigte vor diesem Hintergrund die Prognose für das Gesamtjahr. 2012 will EADS die Einnahmen um mehr als 10 Prozent steigern. Auch unter dem Strich soll mehr Geld verdient werden. Im vergangenen Jahr hatte EADS bei einem Umsatz von knapp 50 Mrd. Euro mehr als eine Mrd. Euro verdient.

Airbus als große Stütze

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EADS profitiert derzeit vor allem vom zivilen Luftfahrtgeschäft von Airbus. Der Bereich steuerte in den ersten neun Monaten fast 70 Prozent zum Umsatz und mehr als die Hälfte zum Gewinn bei. Operativ wurde bis September mit 816 Mio. Euro mehr als doppelt so viel verdient wie im Vorjahr. Doch gerade in diesem Geschäft könnten die glänzenden Aussichten verblassen. Das spiegelt sich auch schon im Auftragseingang wider: der steht nach neun Monaten bei 39,1 Mrd. Euro, nicht einmal halb so hoch wie zum gleichen Zeitraum des Vorjahres – allerdings hatte Airbus im Vorjahr stark von einer Flut von Bestellungen für den spritsparenden Airbus A320 neo profitiert.

Aber Airbus hat immer noch Probleme mit den neuen Flugzeugmodellen. Die Entwicklung des Langstreckenflugzeuges A350XWB dauert wesentlich länger als geplant und verschlingt sehr viel Geld. Rund 124 Mio. Euro steckte EADS dieses Jahr zusätzlich in den Langstreckenflieger. Das erste dieser Flugzeuge will Airbus frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2014 ausliefern. Dann fließt auch erst der Löwenanteil des Verkaufspreises.

Auch das Großraumflugzeug A380 macht weiterhin Probleme. EADS hat noch etliche Flieger dieses Typs mit Haarrissen in den Flügeln in der Luft und wartet auf neue fehlerfreie Tragflächen. Diese dürfen aber noch nicht produziert werden, weil die Freigabe der Sicherheitsbehörde fehlt. Reparatur und Austausch kosten viel Zeit und Geld, die Produktion neuer Flugzeuge hinkt deswegen hinterher. Abgesehen von hohen Zusatzkosten, die EADS für das Gesamtjahr auf 260 Mio. Euro beziffert, ist noch nicht sicher, ob im laufenden Jahr wirklich 30 Maschinen an Kunden übergeben werden können. Noch hält das Unternehmen an diesem Ziel fest. Bereits klar ist aber, dass EADS im kommenden Jahr Abstriche machen muss. Dann werden keine weiteren 30 Maschinen an Kunden übergeben. Kommt es zu Verzögerungen, drohen Strafzahlungen an die wartenden Airlines.

Und dann ist da noch die Helicoptersparte Eurocopter. Sie leidet unter den Sparmaßnahmen vieler Regierungen. Einige Nationen, vor allem Deutschland und Portugal, wollen weniger Hubschrauber abnehmen als bestellt. "Operative Herausforderungen bleiben uns erhalten, besonders bei Eurocopter und Airbus", meinte EADS-Chef Tom Enders.

Cassidian bereitet Probleme

Doch die Sorgen bei Airbus und Eurocopter sind Luxusprobleme im Vergleich zu den Aufgaben bei der Sparte Cassidian, in der das Verteidigungs- und Rüstungsgeschäft gebündelt ist. Die Sparte schrumpft, da viele europäische Staaten sparen und ihre Budgets für Verteidigung zusammenstreichen. Im dritten Quartal setzte Cassidian mit knapp 1,3 Mrd. Euro zwar etwas mehr als im Vorjahr um. Der operative Gewinn sank aber um 16 Prozent. Hier belastet vor allem der Umbau der Sparte. Das Management wurde ausgetauscht, die Präsenz im Ausland verstärkt.

Denn EADS will das schwächelnde europäische Geschäft von Cassidian im Ausland auszugleichen. Noch aber ist das ausländische Engagement zu klein. Außerdem sind die einzelnen Aktivitäten von Cassidian räumlich so weit gestreut, dass sehr hohe Kosten anfallen. Dabei könnte die Strategie aufgehen. Es gibt einige Länder in den Wachstumsregionen dieser Welt, die viel Geld für die Sicherung ihrer Grenzen ausgeben. Dort machen sich aber bereits die großen Wettbewerber breit, allen voran der Flugzeughersteller Boeing, der bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose wegen eines florierenden Rüstungsgeschäftes angehoben hat. Allerdings ist auch Boeing nicht frei von Sorgen. Der zweitgrößte Rüstungslieferant der US-Regierung hinter Lockheed Martin will im Rüstungsgeschäft noch mehr sparen als bisher. Rund 1,6 Mrd. Dollar sollen in den kommenden zwei Jahren eingespart werden.

Von den Erfolgen von Boeing kann EADS aber nur träumen. Auf dem wichtigen US-Markt, in dem im vergangenen Jahr 41 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben getätigt wurden, hat der Konzern bislang keinen Fuß fassen können. EADS-Vorstand Tom Enders plante zwar die Fusion mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems und wollte gemeinsam mit dem neuen Partner sein Engagement in den USA ausbauen. Das Vorhaben schlug aber fehl. Die staatlichen Aktionäre der beiden Konzerne konnten sich nicht über ihre Stimmrechte einigen.

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Nun arbeitet der neue Vorstandsvorsitzende an Plan B. Branchenkenner glauben, dass er zunächst einmal kleinere Rüstungsunternehmen kaufen wird. Alternativ käme nur der Verkauf der gesamten Rüstungssparte in Frage. Dies dürfte aber nicht nur politisch schwer durchzusetzen sein, denn Frankreich dürfte sich einem Verkauf der sensiblen Wehrtechnik widersetzen. Zudem will sich EADS seit Jahren auf breitere Beine stellen und nicht länger nur von der Tochter Airbus abhängig sein. Denn der Verkauf von Verkehrsflugzeugen ist sehr konjunkturanfällig.

Quelle: n-tv.de

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