Wirtschaft
Arbeitsreiche Zeiten für Tom Enders.
Arbeitsreiche Zeiten für Tom Enders.(Foto: picture alliance / dpa)

Harte Zeiten für Major Tom: EADS wird umgebaut

EADS-Chef Tom Enders hat ein hartes Jahr hinter sich - und viele Veränderungen vor sich. Nach der geplatzten Fusion mit dem Konkurrenten BAE Systems arbeitet er an einem Konzernumbau. Die Probleme der Konkurrenz mit dem "Dreamliner" lösen bei Enders derweil keine Schadenfreude aus – ganz im Gegenteil.

EADS-Chef Tom Enders will den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern nach der gescheiterten Fusion mit dem Konkurrenten BAE Systems neu aufstellen. Das alte Ziel, jeweils die Hälfte des Umsatzes in der zivilen Luftfahrt und im Verteidigungsgeschäft zu erwirtschaften, ist nicht mehr in Stein gemeißelt. "Das steht nach der fehlgeschlagenen Fusion mit BAE selbstverständlich auf dem Prüfstand wie manches andere auch", sagte Enders dem Magazin "Spiegel".

Die Ausgaben für Verteidigung der Regierungen in Deutschland und Europa aber auch in den USA würden in den kommenden Jahren bestenfalls flach verlaufen. "Anpassungen bleiben deshalb niemandem erspart." Derzeit baut EADS in der Rüstungssparte Cassidian, die ihren größten Standort in Manching bei Ingolstadt hat, 850 Stellen ab. "Und natürlich stellt sich die Frage, ob wir uns langfristig noch stärker auf unser kommerzielles Geschäft mit Flugzeugen oder Hubschraubern konzentrieren sollten", sagte Enders.

Falsch gedacht

Der Airbus-Mutterkonzern EADS wollte sich im Herbst eigentlich mit BAE zum weltweit größten Luftfahrt- und Rüstungskonzern zusammenschließen. Der Plan war allerdings am starken Widerstand der Bundesregierung gescheitert - was auch als Niederlage für Enders gewertet wurde. "Mein Hauptfehler war, dass ich unser Projekt für industriell und politisch überzeugend hielt und dachte, es wäre im Interesse aller Beteiligten", sagte Enders, der wegen seiner Bundeswehrkarriere in der Branche den Spitznamen "Major Tom" hat.

Die deutsche Regierung hätte, so Enders, bei dem fusionierten Konzern die gleichen Mitspracherechte gehabt wie Briten und Franzosen, ohne milliardenschwere Aktienpakete zu kaufen. "Aber offensichtlich waren in Berlin andere Erwägungen wichtiger. Die wurden mit uns aber nie offen diskutiert."

Für die Probleme des Konkurrenten Boeing mit seinem "Dreamliner" zeigte Enders Verständnis. "Wir empfinden keinerlei Schadenfreude. Und Anlaufprobleme kennen wir schließlich auch zur Genüge." Man könne bei technischem Neuland nicht alles vorhersehen. "Wir werden sicherlich bei unserem neuen Langstreckenmodell A350 auch noch die eine oder andere unangenehme Überraschung erleben." Das lasse sich bei Flugzeugentwicklungen, die immer riskant und komplex sind, kaum vermeiden. "Ich wünsche unseren US-Kollegen, dass sie den Dreamliner rasch wieder in die Luft bekommen. Denn da gehört er hin." Nachdem Luftfahrtbehörden wegen technischer Probleme weltweit ein Startverbot für das Flugzeug verhängt haben, stoppte Boeing die Auslieferung neuer Flieger.

Quelle: n-tv.de

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