Wirtschaft
Klaus Regling.
Klaus Regling.(Foto: picture alliance / dpa)

Griechenland bleibt am Tropf : ESM-Chef erwartet neues Hilfspaket

Griechenland wird wohl länger als geplant auf Hilfe angewiesen sein. Der Chef des Euro-Rettungsfonds ESM, Regling, geht davon aus, dass das Land an einem dritten Hilfspaket nicht vorbeikommen wird. Die Lage in Portugal sieht er weniger pessimistisch.

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Griechenland braucht nach Einschätzung des Chefs des Euro-Rettungsfonds ESM Klaus Regling im nächsten Jahr vermutlich ein drittes Hilfspaket. Es sei absehbar, dass Griechenland 2014 noch nicht eigenständig am Markt mit neuen Anleihen Geld aufnehmen könne, sagte Regling dem "Handelsblatt". Insofern werde Griechenland ein weiteres Rettungspaket benötigen. Am Ende würden dies aber die Euro-Finanzminister entscheiden.

Im Fall Portugals hält Regling dagegen weitere Hilfen "noch nicht für ausgemacht", auch wenn die Märkte darauf spekulierten. Portugal erfülle seine Ziele weiterhin nach Plan, betonte der deutsche ESM-Chef.

Relativ zuversichtlich äußerte sich Regling, was die Stabilität der Banken angeht. "Ich habe keine Anhaltspunkte dafür, dass wir in der nächsten Zeit größere Bankenprobleme in Europa erleben werden", sagte er. Insgesamt sei das Vertrauen an den Märkten in die Krisenstaaten und in den Euro gestiegen. Dass die Renditen von Staatsanleihen gerade von Problemstaaten gesunken seien, habe nicht nur mit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank zu tun, gegebenenfalls unbegrenzt Anleihen dieser Länder aufzukaufen. Vielmehr hätten diese Staaten auch selbst große Fortschritte gemacht.

Regling hofft darauf, dass Deutschland im Interesse der politischen Stabilität in Europa rasch eine neue Regierung bekommt. "Natürlich wäre es für Europa und die Märkte gut, wenn in Deutschland bald die neue Regierung gebildet wird", sagte er. In Italien lasse die gewonnene Vertrauensabstimmung von Ministerpräsident Enrico Letta hoffen, dass das Land stabil und auf Reformkurs bleibt.

"Die Milliarden sind nicht weg"

Was das Vertrauen an den Märkten in den ESM angeht, so erlebe er keine Verunsicherung, versicherte Regling. "Im Gegenteil", fügte er hinzu. Die Anleger ständen dem ESM generell sehr positiv gegenüber. In diesem Jahr werde der ESM Anleihen über neun Milliarden Euro, im nächsten Jahr für 17 Milliarden Euro auflegen. Die erste ESM-Anleihe in der kommenden Woche werde mehrere Milliarden Euro umfassen und über mehr als drei Jahre laufen. Damit sollen Hilfen für spanische Banken und Kredite für Zypern refinanziert werden. Regling sagte, es gebe "bislang keine Indizien, dass neue Programme für andere Euro-Staaten hinzukommen".

Zugleich kritisierte er, "dass einige in Nordeuropa Ängste gegen den Euro schüren". Dies sei "verantwortungslos und unbegründet". Die Kosten und Risiken der Euro-Rettung müssten angemessen beurteilt werden, "auch in Deutschland", betonte Regling. Er verstehe zwar die Sorgen der Bundesbürger, da Deutschland bislang am meisten für die Rettung geleistet habe. "Die Milliarden sind aber nicht weg. Es geht um Garantien, um Anteile am ESM und um Kredite, die in den nächsten Jahren zurückgezahlt werden." Kosten für den Bundeshaushalt gebe es bisher kaum.

Die Euroländer haben über den ebenfalls von Regling geleiteten vorläufigen Rettungsfonds EFSF in den vergangenen Jahren Griechenland, Portugal und Irland Kredite über insgesamt 192 Milliarden Euro zugesagt. Die Hilfen laufen im nächsten Jahr aus.

Quelle: n-tv.de

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