Wirtschaft
Getreideerzeugnisse gehören auf den Tisch und nicht in den Tank, finden Umweltschützer.
Getreideerzeugnisse gehören auf den Tisch und nicht in den Tank, finden Umweltschützer.(Foto: picture alliance / dpa)

Industrie reagiert verschreckt: EU will Biosprit-Boom lenken

Brüssel will dafür sorgen, dass künftig Biokraftstoffe nur noch zu einem begrenzten Anteil aus Nahrungsmitteln hergestellt werden. Die EU-Kommission setzt auf Biosprit der zweiten Generation, für den etwa Abfälle oder Algen verarbeitet werden. Gegen die Pläne kommen Einwände von der Industrie. Sie droht mit dem Abbau von Arbeitsplätzen.

Die EU-Kommission hat Hersteller von Biokraftstoffen in Aufruhr versetzt. Brüssel plant, zum Erreichen ihrer Klimaziele den Anteil von Kraftstoffen aus Nahrungsmitteln wie Mais, Zuckerrüben oder Getreide zu begrenzen. "Wir müssen in Biokraftstoffe investieren, die echte Emissionsverringerungen ermöglichen und nicht mit Nahrungsmitteln konkurrieren", forderte EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard.

Die EU-Klimastrategie sieht vor, den Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrsektor bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent zu steigern. Der Anteil von Biosprit, der aus Nahrungsmittelpflanzen hergestellt wird, liegt derzeit bei 4,5 Prozent und soll nach den neuen Plänen nicht über fünf Prozent steigen. An dem Gesamtziel hält Brüssel jedoch fest.

Diese Biokraftstoffe der sogenannten ersten Generation stehen in der Kritik, weil durch sie Nahrungsmittel in den Tank anstatt auf den Teller kommen. Die EU-Kommission will nun die Biokraftstoffe der sogenannten zweiten Generation fördern, die zum Beispiel aus Abfällen und Zellulose gewonnen werden.

"Natürlich wollen wir damit nicht die Biokraftstoffe der ersten Generation abschaffen, aber wir senden ein klares Signal aus, dass Steigerungen des Anteils an Biokraftstoffen in Zukunft durch fortschrittliche Biokraftstoffe erzielt werden müssen", sagte Hedegaard. "Alles andere wäre nicht nachhaltig."

Industrieverband: "Verfehlte Regelung"

Zudem will Brüssel die Berechnung der CO2-Bilanz und damit der Umweltschädlichkeit der einzelnen Biokraftstoffe ändern. So sollen künftig auch die negativen Klimafolgen rund um den Anbau der Pflanzen für Biosprit berücksichtigt werden.

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Klimaschädliche Treibhausgase können beispielsweise frei werden, wenn für die Biokraftstoff-Produktion Felder für Nahrungsmittel umgewidmet werden und in der Folge dann Regenwälder gerodet werden müssen, um Nahrungsmittel anzubauen. "Dieser Vorschlag wird neue Anreize für Biokraftstoffe mit optimaler Klimabilanz setzen", sagte Energiekommissar Günther Oettinger.

Die Industrie, die sich auf die Herstellung von Biokraftstoffen spezialisiert hat, lehnt den Brüsseler Vorstoß indessen strikt ab. "Wir können nicht hinnehmen, dass hier eine sachlich verfehlte, willkürliche Regelung eingeführt werden soll", erklärte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie, Elmar Baumann.

Niebel und Umweltschützer einer Meinung

Der Biosprit-Verband sagte zudem den Abbau von Arbeitsplätzen voraus, sollten die Vorstellungen umgesetzt werden. In der Branche sind rund 23.000 Menschen beschäftigt. Zudem bezweifelte der Verband den von der Kommission angenommenen Zusammenhang zwischen dem Anbau von Energiepflanzen in Europa und der Vernichtung von Regenwald in Entwicklungsländern zur Schaffung von Ackerbau. Der Deutsche Bauernband bestritt abermals, Biosprit sei eine Ursache für Hunger in Entwicklungsländern.

Entwicklungsminister Dirk Niebel erklärte dagegen: "Die Vorschläge sind insgesamt begrüßenswert." Derzeit sei Biosprit ein Preistreiber auf den Weltagrarmärkten. "Deshalb brauchen wir Biosprit der zweiten Generation. Die Pflanze als Nahrungsmittel, Pflanzenreste als Treibstoff."

Auch Umweltschützer begrüßten den Vorstoß der Kommission. Dies sei ein Schritt in die richtige Richtung, teilte Greenpeace mit. Ähnlich äußerte sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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