Wirtschaft
Das EU-Parlament will mit neuen Vorschriften Tempo aus dem Hochfrequenzhandel an den Börsen nehmen.
Das EU-Parlament will mit neuen Vorschriften Tempo aus dem Hochfrequenzhandel an den Börsen nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)

Richtlinie gegen Hochfrequenzhandel: EU will Zocker bremsen

Brüssel geht gegen den computergestützten Blitzhandel an den Finanzmärkten vor: Mit neuen Vorschriften will das EU-Parlament das Tempo aus dem Hochfrequenzhandel nehmen. Denn die Programme der Algo-Trader verschieben in Millisekunden Milliarden und können Börsen zum Absturz bringen.

Im Kampf gegen Spekulanten will das Europäische Parlament den Hochfrequenzhandel mit Finanzprodukten entschleunigen. Händler sollen verpflichtet werden, Orders mindestens 0,5 Sekunden lang zu halten. Außerdem sollen sie ihre Algorithmen offen legen und für nicht ausgeführte Orders Gebühren zahlen. Entsprechende Regelungen wollen die EU-Volksvertreter in den Richtlinienentwurf zum Wertpapierhandel (Mifid II) einfügen, den der Wirtschaftsausschuss des Parlaments nächste Woche beschließen will.  Das Europaparlament muss sich nun mit dem EU-Finanzministerrat und der EU-Kommission in sogenannten über Mifid II einigen. Die Richtlinie soll 2014 in Kraft treten.

Mit den geplanten Vorschriften nehmen die Abgeordneten die sogenannten Algo-Trader ins Visier, die über computergesteuerte Kaufaufträge kleinste Kursschwankungen in Bruchteilen einer Sekunde ausnutzen. Eine Mindesthaltdauer von 0,5 Sekunden würde dem Algo-Trading die Geschäftsgrundlage entziehen: Die Computerprogramme feuern in dieser Zeit bisher unzählige Aufträge ab, ohne dass es zum Kauf oder Verkauf kommt. So entlocken sie ihren Gegnern Informationen über Preise, die sie dann für sich ausnutzen können.

In Zukunft sollen dafür nun Gebühren fällig werden und der Computerhandel so unattraktiver werden. Experten zufolge macht diese Art des Handels in Deutschland inzwischen etwa 40 Prozent der Order an den Börsen aus, in den USA sind es 70 Prozent. Die Methode steht im Verdacht, durch ihre Automatisierung Kursschwankungen massiv zu verstärken und so zu Börsencrashs beizutragen. Auch Deutschland plant deshalb hier ein Gesetz. "Wir haben uns eng mit der Bundesregierung abgestimmt", sagte der federführend für das Thema zuständige Europaparlamentarier Markus Ferber dem Handelsblatt.

Die schwarz-gelbe Koalition in Berlin hat auf eine Mindesthaltdauer verzichtet, als sie Ende Juni ihre Eckpunkte für eine stärkere Kontrolle des Hochfrequenzhandels vorgelegt hat. Auch die Börsen selbst haben ein Interesse an schärferen Vorgaben für das Algo-Trading. Die Flut von Aufträgen verstopft die IT-Systeme, sorgt aber für verhältnismäßig wenig Umsatz.

Weniger streng handhabt das Parlament ein anderes in Mifid geregeltes Thema: die Provisionen beim Verkauf von Finanzprodukten. Sie sollen generell erlaubt bleiben, müssen allerdings vollständig transparent sein. Die EU-Kommission wollte es unabhängigen Finanzberatern ganz verbieten, Provisionen zu kassieren. Das fand im Europaparlament keine Mehrheit.

Mifid II enthält auch Regeln für die Warentermingeschäfte mit Nahrungsmitteln. "Hier verlangen wir ein sehr strenges Regime", sagte Ferber. So wolle das Parlament die von einem Marktteilnehmer gehaltenen Positionen nach oben begrenzen. "Wer oberhalb des Limits Waren halten will, muss erklären, wofür er sie benötigt", sagte Ferber. Die EU-Volksvertreter wollen damit dem spekulativen Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln einen Riegel vorschieben.

Quelle: n-tv.de

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