Wirtschaft
Alexander Kirchner
Alexander Kirchner(Foto: picture alliance / dpa)

Wegen Behindertenvergleichs: EVG-Chef will nicht mit Weselsky verhandeln

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Weselsky, steht weiter in der Kritik. Der Vorsitzende der Gewerkschaft EVG, Kirchner, zeigt sich "persönlich schwer getroffen" von Weselskys Behindertenvergleich. Er hat einen privaten Grund.

Der Druck auf den Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, wegen dessen Behindertenvergleichs wächst. "Mit Menschen einer solchen Gesinnung, die zudem auf Polarisierung und Spaltung der Belegschaft setzen, kann ich nicht an einem Tisch sitzen und über eine Tarifkooperation verhandeln", sagte der Vorsitzende der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, der "Bild am Sonntag".

Claus Weselsky sieht sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt.
Claus Weselsky sieht sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt.(Foto: REUTERS)

Weselsky hatte vergangene Woche auf einer Protestveranstaltung mit Blick auf die Vereinigung der Gewerkschaften Transnet und GDBA zur EVG gesagt: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus." Später entschuldigte er sich dafür. Er bedaure, dass er "nicht die richtigen Worte" gewählt habe, erklärte Weselsky.

Kirchner zeigte sich aber auch nach dieser Entschuldigung entsetzt. Die Aussage habe ihn auch "persönlich schwer getroffen", sagte er der "BamS". Er habe selber einen Sohn, "der behindert zur Welt kam und in der Folge starb". Der Vertrauensmann für Schwerbehinderte bei der Deutschen Bahn, Gerhard Schimm, sagte dem Blatt: "Wir sind empört und stinksauer". Das sei ein Schlag ins Gesicht der 13.000 behinderten Kollegen bei der Bahn. "Ich würde Herrn Weselsky die Rote Karte zeigen", sagte Schimm.

Zuvor hatte bereits die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, infrage gestellt, ob Weselsky Gewerkschaftschef bleiben kann. "Die Gewerkschaft sollte sich überlegen, ob jemand mit dieser Geisteshaltung als oberster Repräsentant weiterhin tragbar ist", erklärte Bentele am Freitag. "Seine markige Wortwahl und die Tatsache, dass er 2010 schon einmal Ähnliches gesagt hat, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass er gezielt Menschen mit Behinderungen diskriminieren wollte", kritisierte die Behindertenbeauftragte.

Bahn kündigt neuen Vorschlag an

Die Deutsche Bahn befindet sich derzeit in einem verfahrenen Tarifstreit mit der GDL. Die Auseinandersetzung gestaltet sich besonders wegen eines Machtkampfs zwischen der Lokführergewerkschaft und der EVG kompliziert. Dabei geht es darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf.

Die Bahn will derweil der GDL einen neuen Vorschlag unterbreiten. "Wir sind weiter gesprächsbereit", sagte Personalvorstand Ulrich Weber dem "Spiegel". In den nächsten Tagen werde die Bahn einen weiteren Anlauf unternehmen und der GDL einen neuen Vorschlag unterbreiten.

Quelle: n-tv.de

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