Wirtschaft
Provoziert die EZB möglicherweise das Platzen der Blase am Anleihemarkt?
Provoziert die EZB möglicherweise das Platzen der Blase am Anleihemarkt?(Foto: picture alliance / dpa)

Vorsicht, Blase!: EZB hebt Anleihemarkt aus den Angeln

Von Diana Dittmer

Europa erlebt eine nie da gewesene Geldschwemme. Das bedeutet nicht nur Partystimmung. Für den Rentenmarkt könnte das zusätzliche Geld zu einer großen Belastungsprobe werden - vielleicht sogar nach hinten losgehen.

Die EZB beginnt ab diesem März im großen Stil Anleihen vom Markt zu kaufen - genauso, wie es die US-Notenbank Fed schon vor ihr getan hat. 60 Milliarden Euro monatlich ergießen sich dann über die europäischen Finanzmärkte. Zunächst einmal bis September 2016. Das macht bis dahin insgesamt 1.140 Milliarden Euro frisches Geld. Die Summe ist gesetzt. Aber Details zum massiven Aufkauf - insbesondere von Staatsbonds - sind bislang ein gut gehütetes Geheimnis. Möglicherweise wird es gelüftet, wenn EZB-Präsident Mario Draghi heute nach der Ratssitzung vor die Presse tritt.

Chart

Die Idee hinter dem Kaufprogramm ist nicht, die Zinsen zu senken. Die sind bereits auf historische Tiefststände abgesackt - und zwar bevor die EZB mit ihrem neuen Anleihekaufprogramm begonnen hat. Vielmehr ist es die Absicht, Geld in die Realwirtschaft zu pumpen und damit Inflation und Wachstum zu schaffen.

Theoretisch soll der Mechanismus wie folgt funktionieren: Investoren, Banken und Versicherer verkaufen ihre Anleihen an die Zentralbank gegen Barmittel. Diese vergeben sie dann als Kredite an Unternehmen. Die Folge: Es kommt mehr Geld in Umlauf, die Inflationsrate steigt. Gleichzeitig schwächt das Mehr an Euro-Papiergeld den Außenwert der Gemeinschaftswährung - zum Beispiel gegenüber dem Dollar. Damit werden importierte Güter und Dienstleistungen in der Euro-Zone teurer - wie beispielsweise Öl. Auch das hilft, die drohende Deflation zu bekämpfen beziehungsweise Inflation zu erzeugen. In der Theorie ein hübscher Plan. Ob er aufgeht, vermag niemand zu sagen. Im schlimmsten Fall verpufft er.

Kritischer könnten die Folgen der 60 Milliarden Euro im Monat für den Anleihemarkt selbst sein. Die zusätzlich von der EZB erzeugte Nachfrage sorgt für weiter steigende Kurse und sinkende Renditen. Nachdem die Renditen seit rund 30 Jahren fast ununterbrochen gestiegen sind, provoziert sie möglicherweise das Platzen einer Blase. Experten sagen bereits seit Jahren ein Ende der Rentenmarkt-Rally voraus.

Video

Angesichts von Renditen bei 10-jährigen Bundesanleihen von weniger als 0,4 stellt sich die Frage, wie viel Luft bei den Zinsen noch nach unten bzw. bei den Kursen nach oben vorhanden ist. Zwar rentieren kürzere Laufzeiten bereits geringfügig im negativen Bereich und die Anleger greifen auf der Suche nach Sicherheit immer noch beherzt zu. Aber wie lange noch? Und wie viel sind sie bereit, für die vermeintliche Sicherheit einer späteren vom Staat garantierten Rückzahlung zu zahlen?

Auf den letzten Metern wird die Rally wahrscheinlich noch durch eine Verknappung des Angebots angeheizt. Experten vermuten, dass sich institutionelle Investoren wie Banken und Versicherer mit Verkäufen zurückhalten werden. Banken bevorzugen Staatsanleihen im Tresor, weil sie nicht mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Versicherer dürfte es schwerfallen, sich von den Papieren zu trennen, weil sie ihren Kunden eine garantierte Verzinsung in Aussicht stellen. Je knapper das Angebot auf dem Anleihemarkt desto höher die Kurse. Es könnte also noch mal heiß hergehen. Die nationalen Notenbanken monierten schon im Vorfeld des Programms, dass sie immer höhere Preise bieten werden müssen, um ihren monatlichen Anteil am QE-Programm zu schaffen.   

Der Kleinanleger kann sein Geld problemlos von negativ rentierenden Anleihen in Tagesgeld umschichten. Dort gibt es zwar keine üppigen Zinsen, aber auch noch keine Negativzinsen. Tatsächlich gibt es bereits Studien, die belegen, dass Privatanleger im Bereich von Anleiherenditen von 0,3 Prozent in Bargeld gehen. Für institutionelle Anleger ist das aufgrund der riesigen Geldsummen, die im Anleihemarkt investiert sind, schwieriger. Interessant wird also sein, inwieweit Versicherungen und Pensionskassen bereit sind, negative Zinsen zu tolerieren. Und welche Alternativen sie finden.     

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen