Wirtschaft
Benoit Coeure drängt die Politik zu Reformen.
Benoit Coeure drängt die Politik zu Reformen.(Foto: REUTERS)

"Eindeutige Abwärtsrisiken": EZB schafft es allein nicht

Eine der Aufgabe der Europäischen Zentralbank ist die Bewahrung der Preisstabilität. Dazu flutet sie seit Monaten die Märkte mit billigem Geld. Doch der Erfolg liegt nicht allein in ihrer hand. Auch die Politik ist gefragt. Und da hapert es nach Ansicht der EZB.

Nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure gibt es für Wachstum und Inflation momentan "eindeutige Abwärtsrisiken". Das Beste, was die Europäische Zentralbank (EZB) tun könne, sei, ihrem Mandat gerecht zu werden damit die Inflation wieder in Richtung von zwei Prozent steige. "Eine Inflationsrate, die sich dauerhaft bei rund ein Prozent einpendelt, ist mit dem Mandat der EZB nicht vereinbar und kann nicht hingenommen werden", sagte er der europäischen Zeitungs-Allianz LENA, der "Die Welt" sowie "El Pais", "La Repubblica", "Le Figaro", "Le Soir" sowie "Tages-Anzeiger" und "Tribune de Genève" angehören.

Zugleich warnte Coeure die Regierungen der Eurozone davor, sich weiterhin auf die EZB als alleinige Krisenretterin und treibende Kraft der Eurozone zu verlassen. "Wenn die gesamte Wachstumspolitik des Euroraums auf den Schultern der EZB lastet, wird das kein gutes Ende nehmen", sagte er. Die Regierungen seien gefordert, die notwendigen Reformen umzusetzen, um Vertrauen und Wachstum zu stärken und eine glaubwürdige Haushaltspolitik an den Tag zu legen. Es gebe in Europa "durchaus die Versuchung, sich bei der Lösung des Problems ganz auf die EZB zu verlassen."

"Kurs nur so lange wie nötig"

Der EZB sei sehr wohl bewusst, dass die niedrigen Zinsen auch negative Auswirkungen insbesondere auf die Ersparnisse hätten. "Wir möchten den aktuellen geldpolitischen Kurs nicht zu lange beibehalten, aber es ist unsere Aufgabe, ihn so lange fortzuführen wie nötig."

Coeure warnte in diesem Zusammenhang auch davor, vorschnelle Annahmen über den anstehenden EZB-Beschluss zu treffen. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen und die Diskussion dauert noch an." Von zentraler Bedeutung sei derzeit die Frage, ob spezifische Einflussfaktoren wie der Verfall der Rohstoffpreise dauerhaft eine Rückkehr der Inflationsrate auf ein Niveau von unter aber nahe zwei Prozent verhinderten. "Sollte Letzteres der Fall sein, werden wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen", sagte Coeure. "Das entscheiden wir aber erst im Dezember unter Berücksichtigung aller uns vorliegenden Informationen."

Quelle: n-tv.de

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