Wirtschaft
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Lediglich Bilanzkorrektur: EZB sieht sich nicht im Währungskrieg

Die Europäische Zentralbank wertet seit Monaten die Gemeinschaftswährung ab. Während sie dies lange Zeit allein mit verbalen Mitteln schaffte, beschleunigt sich der Vorgang seit dem Anleihe-Kaufprogramm. Die Bank versucht zu beruhigen.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht die Europäische Zentralbank (EZB) nicht in einem Währungskrieg. Die Bilanzsumme sei in den vergangenen Jahren gesunken, während die anderer großer Zentralbanken deutlich gestiegen sei, sagte er bei der Konferenz "The EZB and its watchers".

Der EZB gehe es lediglich darum, ihre Bilanz wieder auf die Größe von vor zwei Jahren zu bekommen. Ihre Politik sei weniger expansiv als die der US-Notenbank. Zwar habe der Euro zum Dollar "substanziell" abgewertet, doch handele es sich eher um eine substanzielle Nebenwirkung. "Es wäre meiner Ansicht nach falsch, von einem Währungskrieg zu sprechen", sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).

Nowotny machte zudem geltend, dass die realwirtschaftlichen Auswirkungen von Wechselkursänderungen oft überschätzt würden. "Wenn sie in dieser globalisierten Welt keine technologisch wettbewerbsfähigen Exporteure haben, wird ihnen eine Abwertung ihrer Währung nicht viel nützen", sagte er.

Der Euro kostet am Mittwoch erstmals seit zwölf Jahren weniger als 1,06 US-Dollar. Grund ist die inzwischen bestätigte Erwartung der Finanzmartktteilnehmer, dass die EZB ein Programm der quantitativen Lockerung (QE) auflegen würde, während die US-Notenbank ihr drittes QE-Programm inzwischen gestoppt hat und ihre Zinsen im laufenden Jahr anheben dürfte. Der EZB-Rat hat am Montag mit dem Ankauf öffentlicher Anleihen begonnen. Das Programm hat ein monatliches Volumen von 60 Milliarden Euro und soll mindestens bis September 2016 dauern.

Darüber hinaus machte Nowotny geltend, dass die Auswirkungen negativer Zinsen noch nicht voll verstanden würden. Er habe mit Akteuren gesprochen, die negative Zinsen akzeptierten. Offenbar herrsche eine hohe Nervosität, und manche Investoren seien bereit, negative Zinsen als eine Art Versucherungsprämie zu akzeptieren.

Quelle: n-tv.de

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